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Für ein paar hundert Dollar

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In Hamburg versucht das Landgericht in einem endlosen Prozess gegen zehn Somalier zu erfahren, was sie angetrieben hat. Lange tappt es im Dunkeln. Bis es einem der Angeklagten zu bunt wird.

Von Hauke Friederichs

Ein Schlüssel dreht sich im Schloss, die schwere Holztür springt auf, und neun Männer werden nacheinander in den Saal 337 des Hamburger Landgerichts geführt. Sie haben die Köpfe gesenkt, sie kennen das alles schon, den schmucklosen Saal, die vielen Tische, an denen sie als Angeklagte Platz nehmen werden und an denen ihre Verteidiger bereits auf sie warten. An 77 Verhandlungstagen zuvor haben sie es nicht anders erlebt. Doch diesmal wirken sie ernster, angespannter.

Einer folgt den anderen Männern mit einigem Abstand. Er wird von zwei Justizvollzugsbeamten bewacht. Sie eskortieren ihn. Abdul Khalief-Diir heißt der schmale Mann, auf dessen Schutz das Gericht heute besonders achtet.

Written by netzreporter

11. August 2012 at 11:29

Pakistanisches Gericht schenkt Vergewaltigern Freiheit

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Ihr Fall ging um die Welt: Mukhtaran Mai hatte vor neun Jahren mehrere Männer angezeigt, die sie vergewaltigt hatten. Die Täter kamen aus einem Stamm, der mit Mais Clan verfeindet war. Die Vergewaltigung bezeichneten sie als gerechte Strafe, da ein elfjähriger Verwandter des Opfers angeblich eine Beziehung zu einem Mädchen aus dem Clan der Verbrecher unterhalten habe.

Ihre Eltern beschworen die Tochter, nicht zur Polizei zu gehen, die Ehre der Familie nicht zu gefährden. Doch Mai verhielt sich anders als die meisten Opfer. Sie schwieg nicht aus Scham, sie prangerte die Täter an – und das frauenfeindliche, traditionelle Recht auf dem Land. In Pakistan war das ein ungewöhnlicher, gar ein ungeheurer Schritt. Mais Kampf um Gerechtigkeit machte sie zu einem Vorbild für viele Frauen in dem islamischen Land.

Doch nach langem Rechtsstreit durch mehrere Instanzen scheiterte Mai nun vor dem obersten Gericht. Spiegel-Online-Korrespondent Hasnain Kazim berichtet über den Kampf der Mukhtaran Mai.

(Quelle: http://ml.spiegel.de/article.do?id=758794)

Written by netzreporter

24. April 2011 at 10:50

Veröffentlicht in Pakistan

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Piratenprozess mit Hindernissen

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Unklares Alter, kaum verständliche Dolmetscher. Der Prozess gegen zehn Somalier in Hamburg ist für alle Beteiligten mühsam.

Von Hauke Friederichs, Hamburg

Bernd Steinmetz weiß nicht, ob seine Angeklagten ihn überhaupt verstehen. Das sei ein großes Problem, sagt der Vorsitzende Richter am Hamburger Landgericht. Ein Dolmetscher übersetzt.

Die zehn Angeklagten haben Kopfhörer übergestülpt, aus denen ein leises Flüstern zu vernehmen ist. Sie tragen Trainingsanzüge, Kapuzenpullover und einige eine Mütze. Draußen vor dem Gerichtsgebäude liegt Schnee. Die Angeklagten schauen fast regungslos nach vorne zu den Richtern.

Die Große Kammer 3, spezialisiert auf Jugendverkehrssachen, ist zusammengekommen, um über zehn Männer zu richten, die am 5. April vor der Küste Somalias den Frachter einer deutschen Reederei überfallen haben sollen. Das Schiff fuhr unter Kommando eines deutschen Kapitäns. Schwerbewaffnet hätten sie das Schiff geentert, nachdem sie es beschossen hätten, heißt es in der Anklageschrift. Später wurden die Männer von niederländischen Soldaten an Bord festgesetzt.

Doch um die Aufklärung der Sachlage geht es im Sitzungsaal 337 noch lange nicht. Zunächst einmal muss das Gericht sich am Mittwoch mit der Sprachbarriere befassen. Anwälte hatten sich beschwert, dass die somalischen Angeklagten die Dolmetscher nicht verstehen.  Ein Verteidiger bittet den Richter dennoch, nicht von einem „Problem“ zu sprechen. Dies gebe den Angeklagten ein schlechtes Gefühl.

Für die Somalier muss das alles sehr verwirrend sein. Sie sind in einem Land aufgewachsen, das als zerfallender Staat gilt. Seit Jahrzehnten herrscht dort Bürgerkrieg, Tausende sind geflohen. Terrorismus und Piraterie gedeihen. Zahlreiche Hilfsorganisationen, die in Afghanistan oder dem pakistanischen Stammesgebieten tätig sind, haben sich aus Somalia zurückgezogen, weil die Arbeit dort zu gefährlich sei. Die Macht kommt in großen Teilen Somalias aus den Läufen der Kalaschnikows. Das Sagen haben Milizenanführer oder Clanälteste.

Einen Rechtsstaat gibt es unter solchen Bedingungen nicht. Wie Gerichte in Europa arbeiten, das kennen Somalier höchstens aus dem Fernsehen oder aus Erzählungen. Anträge und Gegenanträge, Gutachten und Gegengutachten, Paragrafen der Strafprozessordnung – das alles muss auf die mutmaßlichen Piraten furchtbar kompliziert und umständlich wirken.

Und nicht nur auf sie: Viele Zuschauer sind diesmal nicht im Gerichtssaal. Auch das Medieninteresse hat seit dem Prozessauftakt deutlich abgenommen. Der erste Piratenprozess in der Freien und Hansestadt Hamburg seit angeblich rund 400 Jahren verläuft weniger spektakulär, als von manchem erhofft.

Für Juristen bietet das Verfahren hingegen spannende Fragen: Lässt sich das deutsche Strafrecht wirklich auf somalische Piraten anwenden? Auf Männer, die aus einem Land stammen, in dem seit Jahrzehnten gekämpft wird? Ist es legitim, Verbrecher zu verurteilen, die von niederländischen Soldaten festgenommen und zunächst keinem deutschen Haftrichter vorgeführt wurden? Wie ist mit Angeklagten zu verfahren, über die keinerlei offizielle Dokumente vorliegen? Mit diesen Fragen wird sich das Gericht erst im neuem Jahr auseinandersetzen.

Zunächst einmal muss in einer Verhandlungspause das „Kommunikationshindernis“ ausgeräumt werden. Der Vorsitzende Richter spricht nun nicht mehr von einem „Problem“. Die drei Dolmetscher befragen jeden der zehn Angeklagten. Sie sagen, dass es keine Sprachprobleme gebe, alle Angeklagten sprächen hochsomalisch.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE)

Written by netzreporter

12. Dezember 2010 at 08:12