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Die Geldströme des Haqqani-Netzwerks

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Das Combating Terrorism Center (CTC) aus Westpoint hat sich gründlich mit den Finanzstrukturen des Haqqani-Netzwerkes auseinandergesetzt und einen Bericht veröffentlicht. Die mit den pakistanischen und afghanischen Taliban sowie mit al-Qaida verbündeten Haqqanis gelten in AfPak als gefährlichste Terrororganisation. Das Haqqani-Netzwerk, das von Vertretern des gleichnamigen Clans geführt wird, soll für die schwersten und aufwendigsten Anschlägen in Afghanistan in den vergangenen Jahren verantwortlich sein. Wie die Taliban entstand das Netzwerk in Pakistan und unterhält dort Ausbildungslager und nutzt die Stammesgebiete im Grenzgebiet als Rückzugsraum. Laut CTC zeigen die Haqqanis nicht nur Talent im Fundraising, um ihren Kampf zu finanzieren, setzen sich auch auf eigene Firmen.

Den Bericht des CTC finden sie hier:

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Afghanistan vor seinem Schicksalsjahr

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Deutsche Soldaten in Kundus. Neun Bundeswehrangehörige starben 2010 in Afghanistan

Deutsche Soldaten in Kundus. Neun Bundeswehrangehörige starben 2010 in Afghanistan

 

2010 war für die internationalen Truppen in Afghanistan das verlustreichste Jahr seit dem Einmarsch. Die Prognose für 2011 ist nicht besser.

Von Hauke Friederichs

Was für ein blutiges Jahr! Noch nie haben so viele internationale Soldaten ihr Leben in Afghanistan gelassen wie 2010. Sie wurden Opfer von Heckenschützen, Sprengfallen und Selbstmordattentätern, sie starben beim Beschuss mit Mörsergranaten, Raketen und Sturmgewehren. Die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) verlor im laufenden Jahr rund 700 Männer und Frauen, die Afghanische Nationalarmee (ANA) mehr als 800 Soldaten. Wie viele Aufständische, wie viele Zivilisten starben, weiß keiner – es dürften Tausende sein. Die schlechteste Nachricht ist jedoch: Für 2011 erwarten Experten keine Besserung.

Es ist kein Pathos, keine Übertreibung, die kommenden zwölf Monate als afghanisches Schicksalsjahr zu bezeichnen. 2011 soll der Abzug der internationalen Kampftruppen beginnen, so hat es US-Präsident Barack Obama angekündigt. Afghanistans Präsident Hamid Karsai will, dass sein Land die Sicherheitsverantwortung übernimmt – das wird die afghanische Armee hoffnungslos überfordern. Obama wird darauf keine Rücksicht nehmen. Er steht zu Hause unter Druck, ab Januar werden die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben und im Senat verfügen Obamas Demokraten nur über wenige Stimmen mehr als die Opposition. Der mächtigste Mann der Welt hat größere Sorgen als Afghanistan. Ende 2011 muss Obama mit dem Wahlkampf für seine angestrebte Wiederwahl 2012 beginnen. Seine wichtigsten Berater eröffnen im Januar das erste Wahlkampfbüro. Wer die Wahl gewinnen will, muss den Krieg beenden – zumindest wenn die Mehrheit der Wähler ihn ablehnt.

Im Irak hat Obama das getan und die Kampftruppen abgezogen. Zwar bleiben amerikanische Soldaten in den Feldlagern bei Bagdad und in anderen Großstädten, Spezialkräfte jagen weiter Terroristen und Ausbilder trainieren die irakischen Sicherheitskräfte. Schwere Verluste bringen diese Aufgaben der US-Armee nicht mehr bei. Ganz anders sieht die Mission in Afghanistan aus. Dort erobern US-Bodentruppen gemeinsam mit den Alliierten im Häuserkampf mühsam Dörfer und entschärfen Tag für Tag versteckte Sprengfallen – im zehnten Jahr des Krieges. Attentäter rekrutieren die Aufständischen mittlerweile sogar unter den Mitgliedern der afghanischen Armee und Polizei. Der Feind lauere überall, sagen amerikanische Soldaten.

Das ist fatal für die Isaf. Denn deren Kommandeur, David Petraeus, setzt auf das Partnering. Das bedeutet, dass internationale Infanterieeinheiten mit den afghanischen Sicherheitskräften gemeinsam ins Feld gehen. So soll das Vertrauen gestärkt werden, die Afghanen sollen von den erfahrenen Kampftruppen lernen. Doch mit jedem Anschlag eines Täters in Uniform schwindet das Vertrauen.

Nicht nur bei Anschlägen haben sich die Aufständischen der veränderten Taktik der Isaf angepasst: Sie reagieren flexibel, weichen aus und schlagen sogar im Winter zu. Traditionell begann in Afghanistan bei Eis und Schnee eine Zeit der Waffenruhe, weil die Gebirgspässe nicht passierbar sind.

Zu Beginn des Jahres 2010 hatte es eigentlich noch ganz gut ausgesehen. Der Surge der Amerikaner, der massive Truppenzuwachs auf insgesamt 130.000 internationale Soldaten also, hatte zunächst Erfolge gebracht: 300 Talibananführer seien gefangen genommen oder getötet worden, teilte die Isaf mit. Doch den verschiedenen Aufstandsbewegungen gelang es meistens schnell, die Verluste auszugleichen. An Freiwilligen mangelt es den Taliban und den anderen Gruppen nicht. Die Shura-Taliban, die von Mullah Omar vom pakistanischen Quetta aus geführt werden, schicken immer weitere Rekruten und Kriegsmaterial über die Grenze.

Amerikanische Offizielle sprechen dennoch von einem Sieg über al-Qaida. Das Terrornetzwerk von Osama bin Laden hatte mit den Anschlägen vom 11. September 2001 den Afghanistaneinsatz ausgelöst. Die Terroristen zu besiegen, war eines der wichtigsten Kriegsziele. Viele Ausbildungslager wurden zerstört, wichtige Anführer festgenommen und getötet. Doch al-Qaida ist wie eine Hydra, schlägt man einen Kopf ab, wachsen weitere nach. Die wichtigsten Männer der Organisation, bin Laden und sein Stellvertreter Ayman al-Zawahiri, sind seit fast zehn Jahren die meistgesuchten Männer der Welt. Als Anführer braucht die zweite und dritte Generation von al-Qaida sie nicht mehr. In Somalia, im Jemen, in Irak, in Nordafrika und in Pakistan sind Untergruppen mit eigener Führung entstanden und neue Rückzugsräume, in denen Terrorjünger ausgebildet werden. Das Ziel, al-Qaida auszuschalten, wurde nicht erreicht.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE)

Aufständische arbeiten in Afghanistan immer enger zusammen

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Vereint im Kampf gegen den Feind – das scheint das Motto der verschiedenen Aufstandsbewegungen in Afghanistan zu sein. Die mehr als ein dutzend unterschiedlichen Gruppen, die unter dem Begriff Taliban zusammengefasst werden, kooperieren immer enger mit anderen, zum Teil rivalisierenden Organisationen auf beiden Seiten der afghanisch-pakistanischen Grenze. Zu den engen Partnern mancher Taliban-Fraktion zählen nun das Haqqani-Netzwerk oder Kämpfer des Hekmatyar-Clans. In der Vergangenheit hatten sich diese Organisationen in manchem Distrikt noch Feuergefechte geliefert.

Die unterschiedlichen Aufstandsgruppen arbeiteten nun wie ein Syndikat zusammen, schreibt die New York Times. Bei einem Angriff auf einen amerikanischen Vorposten in Ostafghanistan waren Kämpfer der Shura-Taliban aus Quetta, die unter dem Kommando von Mullah Omar stehen, des Haqqani-Netzwerkes und des Hekmatyar Clans.

Als einen „wake-up call“ bezeichnete dies ein Insider gegenüber der New York Times. Die Gruppen hätten sich gegenseitig freien Durchmarsch durch die von ihnen kontrollierten Gebiete zugesichert, würden Informationen austauschen und Attacken koordinieren. Auch in Pakistan nehme die Zusammenarbeit unter den Terroristen zu. Afghanische Gruppen würden enger mit Organisationen wie Lashkar-i-Taiba and Tehrik-i-Taliban zusammenrücken, die für Anschläge in Indien und Kaschmir verantwortlich gemacht werden.

Den New-York-Times-Artikel finden Sie hier: http://mobile.nytimes.com/article;jsessionid=FA9F1FEA250CE74A8F628C05C70199B6.w5?a=720785&f=110

Der tödlichste Feind der Amerikaner in Afghanistan

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Das Haqqani-Netzwerk hat sich in Afghanistan zum gefährlichsten Gegner der US-Truppen entwickelt. Laut New York Times ist diese Aufstandsgruppe der „tödlichste“ Feind am Hindukusch.

„They’re financed better, they’re better trained and they’re the ones who bring in the higher-end I.E.D.’s,“ zitiert die US-Zeitung General-Major John F. Campbell, den Kommandeur für Ostafghanistan. Der Clan der Haqqani hat wie die Taliban, mit denen er kooperiert, Rückzugsräume in den pakistanischen Stammesgebieten. Das Netzwerk rekrutiert dort auch Kämpfer. Diese Gruppe sorgt auch für einen Wissenstransfer der Aufständische, etwa beim Bombenbau. Die meisten komplexen und schweren Anschläge der vergangenen Monate gehen auf die Haqqanis zurück.

Wie das Netzwerk funktioniert hat die NYT in einer aktuellen Analyse von Eric Schmitt zusammenfasst:

(Quelle: New York Times – http://mobile.nytimes.com/article?a=720149&f=110)

Wer ist der Gegner in Kundus?

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Wenige Tage nachdem Kanzlerin und Verteidigungsminister den Norden Afghanistans besucht haben, fanden dort schwere Gefechte statt. Am Montag gingen ausländische und afghanische Truppen gegen Aufständische vor und töteten 15 Taliban-Kämpfer. Darunter seien vier Usbeken gewesen, sagte der Polizeichef der Provinz Kundus. Der Militärschlag gegen die Taliban sei eine Reaktion auf den Angriff eines Selbstmordkommandos auf afghanische Sicherheitskräfte gewesen.

Vier Aufständische hatten am Sonntag ein Rekrutierungszentrum der afghanischen Armee in Kundus-Stadt angegriffen. Fünf Soldaten, vier Polizisten und die vier Angreifer wurden in einem stundenlangen Feuergefecht getötet. In Kundus-Stadt liegt eines der wichtigsten Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan. Zur Identität der Angreifer, gab es keine Angaben – unklar ist, ob die Kämpfer zu einer der zahlreichen Taliban-Fraktionen, zu anderen islamistischen Aufstandsbewegungen oder zum Terrornetzwerk al-Qaida gehörten.

Gegen wen kämpfen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe (Isaf) und ihre Verbündeten in Nordafghanistan eigentlich? – dieser Frage hat sich die in Berlin ansässige Stiftung Wissenschaft und Politik angenommen. „Die Aufstandsbewegung im Nordosten besteht aus mehreren Gruppierungen, die unterschiedliche strategische Ziele verfolgen, taktisch aber eng zusammenarbeiten“, schreiben Guido Steinberg und Nils Wörmer. „Hauptakteure sind die afghanischen Taliban, die islamische Partei Gulbuddin Hekmatyars und die Islamische Bewegung Usbekistans. Hinzu kommen das Haqqani-Netzwerk und al-Qaida. Diese Gruppen seinen auch im Raum Kundus aktiv.

Obwohl im Norden zusätzlich zu den rund 4.500 deutschen noch 5.000 amerikanische Soldaten operieren, gelingt es der Isaf nicht, die Aufständischen entscheidend zu schwächen. Die SWP-Experten analysieren die Stärken der Taliban und der anderen Gegner des Wiederaufbaus: Sie kooperieren variabel, verfügen über eine hochgradig diversifizierte Führungsstruktur und Logistik. „Der Fluss von Personal, Waffen, Ausrüstung und Geld, aber auch der Transfer von Know-how erfolgt also über voneinander unabhängige Strukturen und Wege“, schreiben Steinberg und Wörmer. „Dies ermöglicht es den Aufständischen, auch schwere Verluste schnell und effektiv auszugleichen.“

Militärisch bekämpft werden sollten nach Ansicht der Experten vor allem die internationalen Netzwerke. Da die unterschiedlichen Aufstandsbewegungen, unterschiedliche Interessen verfolgen und sie noch vor allem der Kampf gegen die vermeintlichen Besatzer eint, böte sich hier eine Gelegenheit, die Gegner der Isaf auseinander zu dividieren.

Lokalen Aufständischen hingegen müssten Angebote gemacht werden wie Arbeitsplätze und ein Aussöhnungsprogramm. Am wichtigsten sei aber, dass von den ausländischen Truppen nicht der Eindruck erweckt werde, sie zögen bald ab. In diesem Punkt stimmen die Experten mit Verteidigungsminister Guttenberg überein, der jüngst seinen Kabinettskollegen Westerwelle öffentlich rügte, weil der Außenminister zu forsch beim Nennen von Exit-Terminen sei.

(Die Studie der SWP finden Sie hier)