Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Archive for the ‘Vietnam’ Category

Das große Machtspiel auf dem Pazifik

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China und Indien rüsten ihre Flotten auf, der Westen zieht nach. Das atlantische Zeitalter endet, neue Allianzen entstehen.

Von Steffen Richter und Hauke Friederichs

Am vergangenen Mittwoch war es soweit. China ging einen weiteren Schritt in Richtung Supermacht: Im Hafen von Dalian ließ die Marine den ersten Flugzeugträger zu Wasser. Shi Lang heißt er, benannt nach einem Admiral der Ming-Dynastie (1368-1644). Nur wenige Staaten auf der Welt haben solche Träger, sie stehen für militärische Macht, sind aber kompliziert zu bauen und zu bedienen. Flugzeugträger waren lange Zeit eine unangefochtene Domäne der amerikanischen Streitkräfte.

Die Shi Lang zeugt vom Aufstieg Chinas, und sie ist ein Symbol für die wachsende Bedeutung der Kriegsmarinen im 21. Jahrhundert: Rohstoffe am Meeresboden, neue Seewege in der Arktis, Bedrohung von wichtigen Handelsrouten durch Piraten und Terroristen – diese Themen bestimmen derzeit die Geopolitik. Die wichtigsten Schiffbaunationen sind längst asiatische. Zu Südkorea und Japan ist China gestoßen. In diesen drei Ländern werden die meisten neuen zivilen Schiffe vom Stapel gelassen. Auch in der Sicherheitspolitik setzen die Länder Asiens auf die Seefahrt. Laut Defence News sollen in den kommenden zehn Jahren allein in Asien und Australien rund 840 Kriegsschiffe beschafft werden – deutsche Werften mischen in dem Geschäft mit. Besonders rasant verläuft diese Entwicklung in Indien und China. Es war kein Zufall, dass die Marineversion des Euro-Fighters auf einer Flugmesse in Indien vorgestellt wurde, denn in Europa hat der Hersteller EADS nicht viele Kunden dafür. In den meisten Nato-Staaten belasten Haushaltskrisen die Budgets, die Verteidigungsetats sinken. Daher werben europäische Politiker in Indien massiv für den Euro-Fighter.

China und Pakistan

Irritiert von einem Geschäft mit dem Euro-Fighter wäre die Regierung in Peking. Dort fürchtet man, Indien könnte China über die Andamanen-Inselkette den Zugang zum Indischen Ozean abschneiden. Schon allein deshalb kooperiert China seit den 1980er-Jahren intensiv mit Indiens Nachbarn und Erzfeind Pakistan. Man hilft Islamabad beim Bau von Raketen, verschenkt 50 chinesische JF-17-Kampfflugzeuge; für seine Kriegsmarine will Pakistan chinesische U-Boote und Fregatten ordern, gemeinsam wollen beide Staaten Fregatten bauen.

Noch wesentlich bedeutender ist, dass China im Indischen Ozean mit Hafenbauprojekten in die maritime Machtsphäre Indiens eindringt. Neben Bangladesch (Chittagong), Sri Lanka (Hambantota) und Birma (Sittwe) beunruhigt der Tiefseehafen von Gwadar im pakistanischen Belutschistan die Strategen Indiens. Kürzlich enthüllte der pakistanische Außenminister Ahmed Mukhtar, seine Regierung habe Peking gebeten, im Handelshafen Gwadar einen Marinestützpunkt zu bauen. China braucht Gwadar, so der indische Analyst Brahma Chellaney, „um im großen Machtspiel auf den Weltmeeren seine größte Schwäche auszugleichen – das Fehlen eines maritimen Ankers im indischen Ozean, wo das Land eine wichtige militärische Stellung anstrebt.“

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf Zeit Online)

Written by netzreporter

16. August 2011 at 10:27

Lektüre-Tipp: Kampf um Symbole

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Hubschrauber spielten schon im Krieg der Sowjets gegen die afghanischen Mudschahedin eine große Rolle – die Aufständischen schossen zahlreiche russische Maschinen Dank der von den Amerikanern gelieferten Stinger-Raketen ab. Im Vietnam-Krieg retteten die US-Truppen mit einem Helikopter die letzten Amerikaner aus der belagerten Botschaft. Die Supermacht auf der Flucht vor dem Vietcong – das Bild ging um die Welt. In Somalia begann der Abzug der westlichen Blauhelmtruppe mit dem Absturz eines Black Hawks. Und auch im aktuellen Afghanistan-Krieg spielen Helikopter eine wichtige Rolle.

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Diplomat in Uniform

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Der neue Isaf-Kommandeur soll in Afghanistan seinen Irak-Erfolg wiederholen

Von Hauke Friederichs

Auf Fotos schaut er, wie man sich einen amerikanischen Marine vorstellt: ernst, entschlossen, kompromisslos. John R. Allen, General der US-Marineinfanterie und neuer Kommandeur der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf), gehört dabei nicht zu den Haudraufs des amerikanischen Militärs. Er gilt als gewiefter Stratege, als Diplomat in Uniform und zählt nach den Einschätzungen der US-Medien zu den herausragenden Köpfen der Generalität. Als Kommandeur der Isaf übernimmt er nun die schwierigste Aufgabe, die das amerikanische Militär derzeit zu vergeben hat. Er soll den Abzug der US-Truppen vom Hindukusch bis 2014 möglich machen, ohne dass Afghanistan im Chaos versinkt.

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Kopflos in den Krieg

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Es ist leicht einen Krieg zu beginnen – und doch so schwer, ihn wieder zu beenden. Das weiß die internationale Staatengemeinschaft spätestens nach Vietnam – der Afghanistankrieg, der bereits länger als der Zweite Weltkrieg dauert, war da nur ein weiterer Beleg. ZEIT-Redakteur Ulrich Ladurner erläutert in seinem Blog, warum die Libyen-Mission der Amerikaner, Briten und Franzosen kein Spaziergang wird.

(Quelle: http://mobil.zeit.de/blog/ladurnerulrich/2011/03/21/kopflos-in-den-krieg/?feed=articlexml )

Written by netzreporter

21. März 2011 at 16:55

Alleingelassen mit dem Krieg

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Fast 300.000 deutsche Soldaten schickte die Bundeswehr bisher in Auslandseinsätze. Die Veteranen klagen über fehlende Betreuung und Unterstützung.

Von Hauke Friederichs

Der junge Soldat kehrt heim aus dem Krieg. Er kommt zurück, doch im Frieden nicht an. Er bleibt ein Fremdkörper. Der fiktive Fall, veröffentlicht im Jahr 1947, könnte heute spielen. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hat in seinem Drama Draußen vor der Tür das Leid eines Veteranen geschildert, der mit zerschundenem Körper und versehrter Seele in das Nachkriegsdeutschland heimkehrt. Für manchen Soldaten der Bundeswehr, der heute aus Afghanistan wiederkehrt, schildert Borchert keine mehr als 60 Jahre zurückliegende Geschichte, sondern das eigene Schicksal.

Draußen vor der Tür wählte die Evangelische Akademie in Bad Boll als Überschrift für eine Konferenz über die Lage von ehemaligen Soldaten nach dem Auslandseinsatz.

„Wir Soldaten werden von der Politik losgeschickt, um die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen“, sagt ein Veteran auf der Tagung. „Doch wenn wir wiederkommen und berichten, die Kartoffeln sind gerettet, aber die Hand ist verbrannt, dann werden wir entlassen und müssen selber sehen, wie wir zurechtkommen.“ Die Soldaten, von denen er spricht, haben in Afghanistan, Somalia, Kosovo und Bosnien gedient. Sie haben Dinge erlebt, über die in Deutschland kaum jemand etwas weiß. Viele von ihnen ringen mit dem Staat, der sie in die Einsätze schickt, um Entschädigung, eine Therapie und vor allem um Anerkennung.

Besonders schwer haben es die Zeitsoldaten, deren Dienst häufig nach einem Auslandseinsatz endet. Sie sollen sich eine zivile Existenz aufbauen, doch der Krieg in Afghanistan lässt sie nicht los. Längst nicht nur die Soldaten, die wegen des Erlebten krank werden und an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, haben Probleme, sich wieder an das normale Leben in Deutschland anzupassen. Freunde, Bekannte, Verwandte verstehen nicht, was die Soldaten in Masar-i-Scharif, Kundus oder Faisabad erlebt haben. „Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind, als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen“, schrieb der amerikanische Psychiater Jonathan Shay bereits 1987 über die Vietnamveteranen.

In Deutschland hat man das Problem jahrelang nicht wahrgenommen. Oder wahrnehmen wollen. Erstmals schickte der Bundestag 1993 Kampftruppen ins Ausland, nach Somalia. Dann folgten die robusten Einsätze auf dem Balkan. Schon damals erlitten zahlreiche Soldaten Traumata, doch nur wenige in der Truppe erkannten dies. Einer von ihnen war der Oberstarzt Reinhard Erös. Er hatte während der sowjetischen Invasion in Afghanistan jahrelangen unbezahlten Urlaub genommen, um unter dem Schutz der Mudschahedin die Menschen medizinisch zu versorgen. Er erlitt selber ein Trauma und weiß, was das für Soldaten bedeutet. Gemeinsam mit anderen Ärzten, Psychologen, Psychiatern und Seelsorgern versuchte er damals, die Bundeswehr dazu zu bringen, Traumatologen ausbilden zu lassen. Doch vor 20 Jahren wollten die Verantwortlichen davon nichts wissen. „Die Bundeswehr ist heute Schlusslicht bei der PTBS-Betreuung“, schimpft Erös.

Tatsächlich sind die deutschen Streitkräfte, deren Umbau zur Einsatzarmee voranschreitet, auf die Folgen der Auslandsmissionen noch nicht wirklich eingestellt. Es dauerte fast 18 Jahre, bis die Bundeswehr nach dem ersten robusten Auslandseinsatz ein Traumazentrum aufbaute – obwohl bekannt war, dass bei der US-Armee bis zu 30 Prozent der Soldaten im Auslandseinsatz an PTBS erkranken. Dort sind die Veteranen organisiert und machten nach dem Vietnamkrieg Druck auf die Politik.

Die Veteranen der Bundeswehr hatten in Deutschland lange kein eigenes Forum. Erst im vergangenen Jahr entstanden zwei Interessenvertretungen: Eine von ihnen, der Bund Deutscher Veteranen, war auf der Tagung in Bad Boll mit rund 30 Mitgliedern vertreten. „Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg hört unsere Definition von Veteranen auf“, sagte der Vorsitzende, Andreas Timmermann-Levanas. „Wer ist eigentlich ein Veteran? Muss der im Krieg gewesen sein oder sogar außerhalb des Feldlagers unterwegs?“ Für seinen Verband sind es „Soldaten der Bundeswehr, die in einem Auslandseinsatz waren, egal, ob als Küchenhelfer oder Scharfschütze“.

Timmermann-Levanas war in Afghanistan an Feuergefechten beteiligt, kämpfte gegen Aufständische und erlitt nach der Rückkehr eine Posttraumatische Belastungsstörung. Er war in etlichen Bundeswehrkrankenhäusern, vier unterschiedliche Fachärzte untersuchten ihn und diagnostizierten ein Kriegstrauma. Timmermann-Levanas wurde deswegen nach 24 Jahren aus der Armee entlassen. Doch als er einen Antrag auf eine Wehrdienstbeschädigung stellte, teilten die Behörden ihm mit, er habe gar keine PTBS, er sei nicht krank. Die zuständigen Beamten beriefen sich auf die Expertise einer Gutachterin, die Timmermann-Levanas nie gesehen hatte. Er ging gegen diese Einschätzung vor, immer wieder. Mittlerweile spricht er vom „Krieg gegen das System“ vom „Krieg gegen die Bürokratie“.

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(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehr-soldaten-trauma-betreuung)

Zehn Jahre Krieg – Wie al-Qaida die Welt veränderte

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2011 jähren sich zum zehnten Mal die Anschläge vom 11. September. Seither haben die USA, hat der Westen Krieg geführt. Nun ist Amerika kriegsmüde.

Von Hauke Friederichs

Amerika wird in diesem Jahr Trauer tragen – zumindest im September. Vor zehn Jahren wurden die Vereinigten Staaten von Amerika das erste Mal seit Pearl Harbor zu Hause angegriffen. In Manhattan stehen immer noch Kräne an dem Ort, wo einst die markanten Zwillingstürme des World Trade Center waren. Die Wunde der Stadt ist ebenso wenig verheilt wie die Wunde einer ganzen Nation. 19 Männer zeigten der Supermacht am 11. September 2001 mit vier Flugzeugen ihre Grenzen auf. Sie veränderten die Welt.

Niemand hat diese Bilder vergessen. Diese Aufnahmen, die nach einem Hollywood-Film aussahen und doch eine neue Wirklichkeit einläuteten: Um 8:46 Uhr Ortszeit schlug ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center ein. Aus einem gigantischen Loch quoll Rauch in den Himmel über Manhattan. 17 Minuten später raste eine zweite Maschine in den intakten Südturm. Sofort war klar: Das ist kein Unfall. Zwei Flugzeuge, die innerhalb von wenigen Minuten ein Gebäude treffen – das musste ein Anschlag sein.

Dann schlug um 9:37 Uhr ein drittes Flugzeug im Pentagon ein, dem berühmten Gebäude des Verteidigungsministeriums in Arlington bei Washington. Das Wahrzeichen amerikanischer Militärmacht war rußgeschwärzt, ein Loch klaffte in der Fassade, ein Großbrand brach aus. Eine vierte Maschine zerschellte auf einem Feld im Bundesstaat Pennsylvania. Vermutlich wollten sie die Terroristen in das Weiße Haus hineinsteuern.

Fast 3.000 Menschen kamen am 11. September ums Leben. Bis heute konnten hunderte Leichen nicht identifiziert werden.

Al-Qaida („die Basis“) hatte die zentralen Symbole Amerikas angegriffen: den Regierungssitz des Präsidenten, die Schaltzentrale der Landesverteidigung und ein Zentrum des internationalen Finanzmarktes. Vor den Anschlägen war das Terrornetzwerk nur Experten bekannt, nach dem 11. September kannte es die ganze Welt. Die USA erklärten al-Qaida den Krieg. Die Regierung Bush teilte die Welt in Gute und Schurken auf, rief den globalen Kampf gegen den Terror aus. Amerika, die einzig verbliebene Supermacht, Gewinner des Kalten Krieges, fühlte sich von einem Terrornetzwerk herausgefordert. Die Amerikaner wollten Osama Bin Laden, den Gründer von al-Qaida und das Gesicht des internationalen Dschihad, zur Rechenschaft ziehen. Doch der Terrorist hatte bei den Taliban in Afghanistan Unterschlupf gefunden.

Die Taliban, eine fundamentalistisch-islamistische Gruppierung, hatten 1998 in den afghanischen Bürgerkrieg eingegriffen. Viele ihrer Kämpfer kamen aus pakistanischen Koranschulen. Die Taliban wurden vom pakistanischen Auslandsgeheimdienst ISI finanziert, ausgerüstet und beraten. Geld erhielten sie auch aus den Golfstaaten. Sie rückten vom pakistanischen Stammesgebiet schnell in den Süden Afghanistans vor. Die Taliban sind fast ausschließlich Paschtunen, eine Volksgruppe, die im Süden Afghanistan die Mehrheit stellt. Im Norden des Landes wurden sie von der Nordallianz bekämpft, ein loses Bündnis von Kriegsherren der Usbeken, Hazara und Tadschiken, das von den Amerikanern kurz nach dem 11. September aufgerüstet und beraten wurde.

Mit amerikanischer Luftunterstützung und der Hilfe von US-Spezialkräften eroberte die Nordallianz 2002 Kabul. Die Taliban flohen nach Pakistan. Der Kampf gegen den Terror sah nach einem Erfolg aus. 2003 stand al-Qaida unter starkem Druck und am Rand des völligen Zusammenbruchs. Doch plötzlich verlor Afghanistan für die Regierung Bush rapide an Bedeutung. Die USA eröffneten mit dem Angriff auf den Irak eine zweite Front im Kampf gegen den Terror. Sie begründeten die Attacke mit den angeblichen Beziehungen des Diktators Saddam Hussein zu al-Qaida und dem vermeintlichen Bau von Massenvernichtungswaffen. Beides konnte nicht bewiesen werden. Mit der Operation Iraqi Freedom rissen sie ein zweites Land in das Chaos eines brutalen Bürgerkrieges. Die Aufstandsbewegungen gegen die „Besatzer“ sind in beiden Ländern bis heute aktiv – vor allem in Afghanistan.

Als die Kriege begannen, sprachen die Falken im Kabinett des damaligen Präsidenten George W. Bush noch von gezielten Nadelstichen, mit denen der Feind im Kampf gegen den Terror in die Knie gezwungen werden würde. Doch bei Luftangriffen und beim Einsatz einiger weniger hochspezialisierter Einzelkämpfer blieb es nicht. Die US-Streitkräfte wurden in verlustreiche Bodenkämpfe verwickelt, denn die militärische Überlegenheit der Amerikaner bei der konventionellen Rüstung bringt in asymmetrischen Kriegen wie jenem im Irak wenig ein. Die Aufständischen töteten aus dem Hinterhalt mit Sprengfallen, Raketen und Scharfschützengewehren. Sie töteten so viele amerikanische Soldaten, dass die Regierung das Filmen der zahlreichen Zinksärge verbot, die auf amerikanischen Militärflughäfen ausgeladen wurden. In Afghanistan starben im zehnten Kriegsjahr noch Hunderte amerikanische Soldaten, seit 2002 fielen dort mehr als 2.200 US-Armeeangehörige. Im Irak waren es bislang doppelt so viele. Im US-Wahlkampf kam daher das Versprechen von Barack Obama, dem Kandidaten der Demokraten, den Krieg in Irak zu beenden, gut an. Als Präsident beendete er den Kampfeinsatz dann tatsächlich. Generell leitete Obama eine Wende in der amerikanischen Außenpolitik ein. Er setzt mehr auf Diskussion als auf Aggression. Doch den Hass der radikalen Islamisten auf sein Land konnte er mit Freundschaftsangeboten an die muslimische Welt – wie beispielsweise seiner Kairoer Rede – nicht mildern.

Auch in den USA gibt es Vorurteile gegenüber Muslimen. Der geplante Bau einer Moschee in der Nähe von Ground Zero, dem Ort, wo die Terroristen das World Trade Center zum Einsturz brachten, zeigte das im vergangenen Jahr deutlich. Die Diskussion darüber wurde hitzig geführt. Und dann kündigte ein unbekannter Pfarrer auch noch an, er wolle einen Koran verbrennen. Überall auf der Welt reagierten Muslime empört. Der Pfarrer verzichtete zwar auf seine Aktion, forderte im Gegenzug aber, dass die Moschee nicht am Ground Zero gebaut würde.

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(Mehr auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/zehn-jahre-krieg)

Lernen vom Vietnam-Desaster

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Aus der Vergangenheit lernen: Welche Lehren die US-Armee aus der misslungenen Aufstandsbekämpfung im Vietnam-Krieg ziehen will.

Von Hauke Friederichs, Hanoi

Die Spuren des Vietnam-Krieges sind noch zu sehen, sagt der deutsche Entwicklungshelfer. Nicht mehr in den großen Städten Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt, das vor dem Krieg noch Saigon hieß. Aber noch immer, 35 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen, würden Kinder auf dem Land missgebildet zur Welt kommen. Grundwasser und Böden seien in manchem Gebiet immer noch von chemischen Waffen wie Agent Orange verseucht, die amerikanische Hubschrauber zur Entlaubung versprühten.

Der Krieg hat Vietnam gezeichnet. In der Gesellschaft, die nach vorne strebt, wo die Menschen kämpfen, damit es ihnen und ihren Kindern einmal besser geht, wird kaum über die Vergangenheit gesprochen. „Der Krieg ist in Vietnam nicht aufgearbeitet“, sagt ein Deutscher, der seit Jahren in Hanoi lebt. In Amerika hingegen haben Offiziere ihre Schlüsse aus dem Krieg gezogen. Der aktuelle Befehlshaber der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf), General David Petraeus, hat seine Doktorarbeit über die Lehren aus Vietnam an der renommierten Universität Princeton geschrieben. 2006 erschien ein neues Feldhandbuch der US-Army (Heer) und der Marines (Marineinfanterie) von Petraeus und anderen Autoren zu dem Thema.

An den Militärschulen gehört die Aufstandsbekämpfung längst wieder zum Lehrplan. Lernen sollen die jungen Offiziere vor allem aus dem Kampf gegen den Vietcong – aus den Fehlern, die damals gemacht wurden. Eine Studie von Colonel Harry Summers Junior, der im Gegensatz zu Petraeus selber in Vietnam kämpfte, gehört mittlerweile zum Standardwerk: American Strategy in Vietnam. A Critical Analysis erschien erstmals 1981 und wurde mehrfach neu aufgelegt, zuletzt im Jahr 2007.

Summers beschäftigte die Frage, wie dieser Krieg verloren werden konnte. Er beginnt seine Analyse mit einem Gesprächsauszug: „Sie wissen, dass Sie uns nie auf dem Schlachtfeld geschlagen haben“, sagte Summers im April 1975 zu einem vietnamesischen Offizier. „Das kann so sein“, antwortet dieser, „doch das ist doch irrelevant.“

Der Amerikaner gibt dem Vietnamesen Recht. Summers schildert eine Anekdote, die in den siebziger Jahren unter Militärs die Runde machte: Statistiker des Pentagon hätten die Anzahl der Soldaten, der Flugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe der USA und der Nordvietnamesen in einen Computer eingegeben – dazu die Bevölkerungsgröße, Wirtschaftswachstum und industrielle Produktion. Dann fragten sie den Computer: „Wann werden wir gewinnen.“ Die Maschine brauchte nur einen Moment, um zu antworten: „Sie haben bereits 1964 gewonnen.“ In diesem Jahr begann der Vietnamkrieg aus amerikanischer Sicht, als ein US-Zerstörer im Golf von Tonkin beschossen wurde. Elf Jahre später zeigte sich, dass weder die Zahl der Soldaten, noch der Flugzeuge für den Sieg entscheidend waren.

Fast eine Million amerikanische Soldaten waren zum Höhepunkt des Krieges in Vietnam im Einsatz. Die amerikanische Armee war ihrem Gegner, dem Vietcong, militärisch in allen Bereichen überlegen. US-Kampfjets griffen nahezu unbehelligt Ziele in Nordvietnam, Kambodscha und Laos an – der Himmel gehörte den Amerikanern. Und doch verloren die US-Truppen in Vietnam. Ein Trauma für die Supermacht. Seitdem wurde Vietnam zum stehenden Begriff: Die Russen erlebten ihr Vietnam in Afghanistan, hieß es. Die USA standen im Irak kurz vor ihrem zweiten Vietnam, schrieben viele Publizisten. Und auch der Kampf gegen den Terror in Afghanistan wird mit der Niederlage von Vietnam verglichen.

Bestehen tatsächlich Parallelen zwischen den Kriegen im Dschungel und am Hindukusch? In beiden Kriegen kämpfen reguläre Soldaten gegen Aufständische, die in der Regel offene Schlachten meiden und sich unter der Bevölkerung verstecken. Und in beiden Konflikten nutzen die Gegner Rückzugsräume in Nachbarländern. Der Vietcong floh vor den amerikanischen Truppen nach Nordvietnam. Die USA schickten keine Divisionen in den sozialistischen Norden, weil sie eine Kriegsbeteiligung Chinas befürchteten. Und am Hindukusch sieht die Lage ähnlich aus: Die Taliban nutzen Pakistan als Rückzugsgebiet. Das amerikanische Militär und der Auslandsgeheimdienst CIA setzen Drohnen ein, um Aufständische und Terroristen in Pakistan zu liquidieren. Dennoch sickern immer wieder Kämpfer über die Grenze ein. Nicht nur deswegen sagen hohe Offiziere, dass der Krieg nicht militärisch gewonnen werden könne. Das ist eine der wichtigsten Lehren aus Vietnam.

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(Mehr auf ZEIT ONLINE)