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Wer ist der Gegner in Kundus?

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Wenige Tage nachdem Kanzlerin und Verteidigungsminister den Norden Afghanistans besucht haben, fanden dort schwere Gefechte statt. Am Montag gingen ausländische und afghanische Truppen gegen Aufständische vor und töteten 15 Taliban-Kämpfer. Darunter seien vier Usbeken gewesen, sagte der Polizeichef der Provinz Kundus. Der Militärschlag gegen die Taliban sei eine Reaktion auf den Angriff eines Selbstmordkommandos auf afghanische Sicherheitskräfte gewesen.

Vier Aufständische hatten am Sonntag ein Rekrutierungszentrum der afghanischen Armee in Kundus-Stadt angegriffen. Fünf Soldaten, vier Polizisten und die vier Angreifer wurden in einem stundenlangen Feuergefecht getötet. In Kundus-Stadt liegt eines der wichtigsten Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan. Zur Identität der Angreifer, gab es keine Angaben – unklar ist, ob die Kämpfer zu einer der zahlreichen Taliban-Fraktionen, zu anderen islamistischen Aufstandsbewegungen oder zum Terrornetzwerk al-Qaida gehörten.

Gegen wen kämpfen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe (Isaf) und ihre Verbündeten in Nordafghanistan eigentlich? – dieser Frage hat sich die in Berlin ansässige Stiftung Wissenschaft und Politik angenommen. „Die Aufstandsbewegung im Nordosten besteht aus mehreren Gruppierungen, die unterschiedliche strategische Ziele verfolgen, taktisch aber eng zusammenarbeiten“, schreiben Guido Steinberg und Nils Wörmer. „Hauptakteure sind die afghanischen Taliban, die islamische Partei Gulbuddin Hekmatyars und die Islamische Bewegung Usbekistans. Hinzu kommen das Haqqani-Netzwerk und al-Qaida. Diese Gruppen seinen auch im Raum Kundus aktiv.

Obwohl im Norden zusätzlich zu den rund 4.500 deutschen noch 5.000 amerikanische Soldaten operieren, gelingt es der Isaf nicht, die Aufständischen entscheidend zu schwächen. Die SWP-Experten analysieren die Stärken der Taliban und der anderen Gegner des Wiederaufbaus: Sie kooperieren variabel, verfügen über eine hochgradig diversifizierte Führungsstruktur und Logistik. „Der Fluss von Personal, Waffen, Ausrüstung und Geld, aber auch der Transfer von Know-how erfolgt also über voneinander unabhängige Strukturen und Wege“, schreiben Steinberg und Wörmer. „Dies ermöglicht es den Aufständischen, auch schwere Verluste schnell und effektiv auszugleichen.“

Militärisch bekämpft werden sollten nach Ansicht der Experten vor allem die internationalen Netzwerke. Da die unterschiedlichen Aufstandsbewegungen, unterschiedliche Interessen verfolgen und sie noch vor allem der Kampf gegen die vermeintlichen Besatzer eint, böte sich hier eine Gelegenheit, die Gegner der Isaf auseinander zu dividieren.

Lokalen Aufständischen hingegen müssten Angebote gemacht werden wie Arbeitsplätze und ein Aussöhnungsprogramm. Am wichtigsten sei aber, dass von den ausländischen Truppen nicht der Eindruck erweckt werde, sie zögen bald ab. In diesem Punkt stimmen die Experten mit Verteidigungsminister Guttenberg überein, der jüngst seinen Kabinettskollegen Westerwelle öffentlich rügte, weil der Außenminister zu forsch beim Nennen von Exit-Terminen sei.

(Die Studie der SWP finden Sie hier)