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Archive for the ‘Kosovo’ Category

Der Kampf des Sedatzek-Müller

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Das Land schickt seine Soldaten in gefährliche Einsätze. Aber was tut es für sie, wenn sie Hilfe brauchen? Robert Sedlatzek-Müller kehrte traumatisiert aus Afghanistan heim. Lange kämpfte er um seine Versorgung und erstritt ein neues Gesetz. Teil 2:

Von Hauke Friederichs

Dass Sedlatzek-Müller den Kampf überhaupt hat aufnehmen müssen, sagt viel über das Verhältnis der Deutschen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Die Soldaten werden in gefährliche Einsätze geschickt. Sie sollen ihre Instinkte und persönlichen Bedürfnisse unterdrücken. Man soll sich auf sie verlassen können. Aber was tut der Staat für seine Soldaten, wenn sie Hilfe benötigen? Worauf können sie sich verlassen?

Bislang vor allem auf einen Stichtag. Der soll mit dem neuen Gesetz wegfallen. Für Fallschirmjäger Sedlatzek-Müller könnte das eine Wiedereinstellung bei der Armee bedeuten. Er bekäme wieder Sold, kostenlose medizinische Versorgung und die Chance für einen Neuanfang.

Zügig fährt er durch Berlin, seine Mitstreiter fragen am Telefon, wo er bleibt. Die Veteranen sind aufgeregt, sechs von ihnen dürfen auf die Zuschauertribüne, Sedlatzek-Müller hat die Besucherkarten besorgt. Vor dem Nordeingang des Reichstagsgebäudes warten Kamerateams. Die Tagesschau wird über ihn berichten, der Bayerische Rundfunk dreht eine Dokumentation. Er hat dem Kampf der Veteranen ein Gesicht gegeben. Der frühere Soldat hat den Journalisten erzählt, dass er oft nur mit Alkohol einschlafen könne, dass er an Selbstmord gedacht habe. „Ich habe die Privatsphäre aufgegeben, aber ohne Öffentlichkeit geht es nicht“, sagt er. Erst nach kritischen Medienberichten über das Leid der kranken Veteranen habe die Politik reagiert.

Noch streiten unten im Plenarsaal die Finanz- und Wirtschaftspolitiker über Währungsfragen. Sedlatzek-Müller hört ihnen nicht zu von der Zuschauertribüne aus. Unter seinen Augen zeichnen sich dunkle Ringe ab, Male der Schlaflosigkeit. Dann zeigt eine Tafel Top 31 an: „Versorgung bei besonderen Auslandsverwendungen“. Der erste Redner geht zum Pult. „Jetzt geht es los“, flüstert Sedlatzek-Müller, beugt sich vor und legt die gefalteten Hände in seinen Schoß.

Henning Otte von der CDU spricht über die Lücken in den Gesetzen, sagt, dass der neue Slogan des Verteidigungsministeriums „Wir dienen Deutschland“ keine Einbahnstraße sein dürfe, dass Deutschland seinen Soldaten etwas schuldig sei. Sedlatzek-Müller atmet laut aus. Was der Politiker unten im Plenarsaal umreißt, hat er selber erfahren.

Das Einsatzweiterverwendungsgesetz aus dem Jahr 2007 legte fest, dass im Dienst versehrte Soldaten nicht aus der Bundeswehr entlassen werden dürfen, wenn sie einen Grad der Wehrdienstbeschädigung von 50 Prozent oder mehr aufweisen. Sedlatzek-Müller bescheinigten die Ärzte 40 Prozent. Obwohl er sich wegen einer psychischen Erkrankung, Tinnitus und seiner Nesselsucht nicht mehr konzentrieren konnte, er aggressiv und depressiv wurde, ihm die Kontrolle über sein Leben entglitt.

Noch heute streitet er mit der Bundeswehr über die Schwere seiner Erkrankung. Gutachten und Gegengutachten werden erstellt. Ständig untersuchen ihn Ärzte, die er nie zuvor gesehen hat. Vergangenes Jahr entließ ihn die Bundeswehr dann, krank, ohne abgeschlossene Therapie. Er fühlt sich verraten.

Nun blickt Sedlatzek-Müller auf leere blaue Stühle. Viele Parlamentarier sind am Freitagmittag schon in ihre Wahlkreise aufgebrochen. Sieben Abgeordnete der Linkspartei harren im Plenarsaal aus, sechs der SPD, vier der Grünen, 20 der Union und acht der FDP. 45 Parlamentarier von 620, ein wenig mehr Interesse hätte Sedlatzek-Müller sich gewünscht. Er schaut wieder zum Redner. „Wir stehen hinter unseren Soldaten“, sagt Otte und macht das Pult frei für Lars Klingbeil von der SPD. „Das ist heute ein guter Tag“, sagt der Sozialdemokrat. Es sei ein langer Weg gewesen, bis nun das neue Gesetz verabschiedet werden könne.

Es sind Sätze, wie sie Politiker sagen. Zugleich engagiert und nüchtern. Jahrelang haben Sedlatzek-Müller und seine Mitstreiter für solche Sätze gekämpft. Mit anderen Betroffenen gründete er die Selbsthilfeorganisationen Deutsche Kriegsopferfürsorge und den Bund Deutscher Veteranen (BDV). Aber wie viel von dem, was sie erlebt haben, passt in einen Politikersatz? Nun scheint Müller-Sedlatzek mehr in sich hineinzublicken als zuzuhören. Vor allem, als Elke Hoff von den Liberalen den Fall eines traumatisierten Soldaten schildert, der nicht mehr in Supermärkten einkaufen kann, weil er den Anblick von rohem Fleisch nicht erträgt.

Sedlatzek-Müller hat selbst schon zu viel Blut, zu viele Wunden gesehen. Am 6. März 2002 fuhr er mit dem Freund vom Camp Warehouse, dem Feldlager in Kabul, zum Stadtrand. Sprengmeister der Bundeswehr sollten dort eine Rakete entschärfen. Der Fallschirmjäger wollte zusehen und prüfen, ob er am Entschärfungsplatz mit seinem Diensthund Idor trainieren könnte, den er zur Sprengstoffsuche abrichtete. In einer Grube schlug ein Sprengmeister mit Hammer und Meißel auf die Rakete ein.

(…)

(Lesen Sie morgen den dritten und letzten Teil)

(Quelle: Der Tagesspiegel, 1. November 2011, Seite 3. Online finden Sie den Text hier)

 

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UN besorgt über Gewaltausbruch im Kosovo

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Die Vereinten Nations haben Serbien und die kosovarische Regierung aufgerufen, den Konflikt in der Grenzregion nicht weiter anzuheizen. Die UN äußerten ihre „tiefe Besorgnis“ über die Situation in der Region, nachdem serbische Kosovaren einen Grenzposten attackiert hatten, den zuvor Sondereinheiten der Polizei besetzt hatten. Bei den Unruhen wurde ein Polizist getötet.

Robert Sorenson von der UN-Mission im Kosovo (UNMIK), sagte, dass der einzige Weg für alle Seiten der Dialog und der gegenseitige Respekt sei. “UNMIK steht bereit, um zu helfen, die Situation zu beruhigen.“ Er rief die serbischen und albanischen Kosovaren auf, mit der Polizeimission der Europäischen Union (EULEX) und der internationalen Schutztruppe Kosovo Force (KFOR) zusammenzuarbeiten.

Die Vereinten Nationen sind mit UNMIK seit dem Ende des Krieges 1999 im Kosovo tätig. Damals vertrieb die Nato die serbisch-jugoslawischen Truppen aus dem Kosovo und beendete Kämpfe zwischen der kosovarischen UCK und der Armee.

Written by netzreporter

29. Juli 2011 at 11:30

Der Kosovo-Einsatz ist noch lange nicht zu Ende

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Die Ausschreitungen im Kosovo stellen die ehrgeizigen Abzugspläne der Nato infrage. Die Schutztruppe wird noch Jahre in der Region bleiben müssen.

Von Hauke Friederichs

Der Mob kam mit Äxten und Molotowcocktails, griff den Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovos an, legte Feuer und schoss auf Soldaten der internationalen Schutztruppe Kosovo Force (KFor). Grenzschutzbeamte, Zöllner und Soldaten zogen sich über die Grenze nach Serbien zurück, verletzt wurde anscheinend niemand. Die KFor reagierte umgehend, verlegte zusätzliche Soldaten in die Region und übernahm die Grenzsicherung. Auch die deutsche Einsatzkompanie, rund 120 Soldaten, wird nun in der Nähe von Mitrovica an der Grenze eingesetzt. Der KFor-Kommandeur, der deutsche Generalmajor Erhard Bühler, vermittelte zwischen Serben und Kosovo-Albanern.

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De Maizière, Minister mit freundlicher Distanz

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Thomas de Maizière fragt viel und verspricht nichts. Sein Antrittsbesuch beim Heer zeigt, wie sehr sich der Verteidigungsminister von Vorgänger Guttenberg unterscheidet.

Von Hauke Friederichs

Rot ist besiegt, Blau hat gewonnen. Wie früher, als der Feind noch im Osten Europas stand, und die Bundeswehr die Armee der Landesverteidigung war, heißt der Gegner bei der Übung „Rot“. Vor wenigen Minuten haben die Soldaten von Blau eine Enge freigekämpft. Rot – Soldaten des Gefechtsübungszentrums in Letzingen – haben versucht, das Gelände zu verteidigen. Dann wurde „Übungsunterbrechung“ befohlen, damit Thomas de Maizière bei seinem ersten Truppenbesuch mit normalen Soldaten sprechen kann.

Am Mittwochvormittag war der Neue im Amt mit dem Hubschrauber im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Sachsen-Anhalt eingeschwebt. Dort trainieren die Panzergrenadiere die „Operation verbundener Kräfte“. Von einem mit Tarnnetzen behängten Lastwagenanhänger aus betrachtet de Maizière die übenden Panzergrenadiere.

Das Gefechtsübungszentrum des Heeres in der Altmark, im unaussprechlichen Militärjargon GefÜbZH genannt, gehört nach Angaben der Bundeswehr zu den modernsten Ausbildungseinrichtungen Europas. Dort simulieren die Ausbilder die Einsätze in Afghanistan oder Kosovo. Die Panzergrenadiere jedoch sind heute hier, um ihre Kernfähigkeit zu erhalten. Das Vorstoßen mit Panzern, das kennt de Maizière noch aus seiner eigenen Bundeswehrzeit. Er diente selber bei den Panzergrenadieren.

De Maizière schüttelt jedem Soldaten die Hand. Er lächelt, nickt. Und er hält Distanz – auch körperlich. Zwei Schritt entfernt steht er mit hinter dem Rücken gekreuzten Armen von den Männern, neben ihm der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Werner Freers. Die Panzergrenadier-Brigade führt den Namen Freistaat Sachsen. Das passe gut, sagt der Minister, schließlich sei Sachsen seine politische Heimat.

„Wie haben die Jungs das gemacht?“, fragt er einen Unteroffizier, der einen Schützenpanzer Marder kommandiert. „Ganz gut“, antwortet der Soldat kurz. „Nur ganz gut oder sehr gut?“, fragt de Maizière zurück. Die Männer lachen. Der Minister geht weiter, verzichtet auf joviale Gesten, auf das Posieren vor Kameras. Ein Großteil der Gespräche findet ohne die Presse statt, die ihn begleitet. Er tritt ganz anders auf als sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor etwas mehr als ein Jahr ebenfalls Letzlingen besucht hatte.

De Maizière fragt viel und verspricht nichts – außer, dass alles auf den Prüfstand komme. „Glauben Sie mir, dass ich schon viele Dokumente gelesen habe, aber das ist erst mein fünfter Arbeitstag“, sagt de Maizière.

Den ersten Tagesbefehl hat er bereits geschrieben, sich mit einer Rede bei den Mitarbeitern des Ministeriums vorgestellt und sich per Video an die Soldaten in den Einsatzgebieten gewandt. Am Donnerstag verabschiedet er den Vorgänger mit einem Großen Zapfenstreich.

Mit dem ersten Truppenbesuch tritt Thomas de Maizière ein schweres Erbe an. Denn Guttenberg ist bis heute bei den Soldaten extrem beliebt. Manch einer vermisst den smarten Freiherrn. „Der Kamerad de Maizière erreicht dessen Beliebtheitsgrad sicher auch noch“, sagt ein Panzergrenadier tapfer. „Ich meine, den Herrn Minister.“ Kamerad, das passte zu Guttenberg, zu seinem Nachfolger passt der Begriff nicht.

„Das ist ein guter Typ“, sagt ein Soldat. „Der wirkt auch ganz locker.“ Aber so wie der Guttenberg sei der Neue nicht – „natürlich nicht“. Es seien große Fußstapfen, in die de Maizière trete. Als Leistung des Vorgängers rühmen die Soldaten, dass er erstmals von Krieg in Afghanistan sprach.

De Maizière indes will nicht nur verbal etwas bewegen. Die Bundeswehr steht vor einer gigantischen Reform. Viel Zeit zum Ankommen im neuen Amt hat der neue Bundesminister für Verteidigung nicht. Die braucht er womöglich auch nicht: De Maizière hat in Sachsen innerhalb kürzester Zeit drei unterschiedliche Ministerien und die Staatskanzlei geleitet. An Ämterwechsel ist er gewöhnt.

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehr-besuch-maiziere)

Alleingelassen mit dem Krieg

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Fast 300.000 deutsche Soldaten schickte die Bundeswehr bisher in Auslandseinsätze. Die Veteranen klagen über fehlende Betreuung und Unterstützung.

Von Hauke Friederichs

Der junge Soldat kehrt heim aus dem Krieg. Er kommt zurück, doch im Frieden nicht an. Er bleibt ein Fremdkörper. Der fiktive Fall, veröffentlicht im Jahr 1947, könnte heute spielen. Der Schriftsteller Wolfgang Borchert hat in seinem Drama Draußen vor der Tür das Leid eines Veteranen geschildert, der mit zerschundenem Körper und versehrter Seele in das Nachkriegsdeutschland heimkehrt. Für manchen Soldaten der Bundeswehr, der heute aus Afghanistan wiederkehrt, schildert Borchert keine mehr als 60 Jahre zurückliegende Geschichte, sondern das eigene Schicksal.

Draußen vor der Tür wählte die Evangelische Akademie in Bad Boll als Überschrift für eine Konferenz über die Lage von ehemaligen Soldaten nach dem Auslandseinsatz.

„Wir Soldaten werden von der Politik losgeschickt, um die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen“, sagt ein Veteran auf der Tagung. „Doch wenn wir wiederkommen und berichten, die Kartoffeln sind gerettet, aber die Hand ist verbrannt, dann werden wir entlassen und müssen selber sehen, wie wir zurechtkommen.“ Die Soldaten, von denen er spricht, haben in Afghanistan, Somalia, Kosovo und Bosnien gedient. Sie haben Dinge erlebt, über die in Deutschland kaum jemand etwas weiß. Viele von ihnen ringen mit dem Staat, der sie in die Einsätze schickt, um Entschädigung, eine Therapie und vor allem um Anerkennung.

Besonders schwer haben es die Zeitsoldaten, deren Dienst häufig nach einem Auslandseinsatz endet. Sie sollen sich eine zivile Existenz aufbauen, doch der Krieg in Afghanistan lässt sie nicht los. Längst nicht nur die Soldaten, die wegen des Erlebten krank werden und an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, haben Probleme, sich wieder an das normale Leben in Deutschland anzupassen. Freunde, Bekannte, Verwandte verstehen nicht, was die Soldaten in Masar-i-Scharif, Kundus oder Faisabad erlebt haben. „Menschen verlassen das Land und kehren zurück mit Erfahrungen, die auf extreme Weise anders sind, als die ihrer zurückgebliebenen Mitmenschen“, schrieb der amerikanische Psychiater Jonathan Shay bereits 1987 über die Vietnamveteranen.

In Deutschland hat man das Problem jahrelang nicht wahrgenommen. Oder wahrnehmen wollen. Erstmals schickte der Bundestag 1993 Kampftruppen ins Ausland, nach Somalia. Dann folgten die robusten Einsätze auf dem Balkan. Schon damals erlitten zahlreiche Soldaten Traumata, doch nur wenige in der Truppe erkannten dies. Einer von ihnen war der Oberstarzt Reinhard Erös. Er hatte während der sowjetischen Invasion in Afghanistan jahrelangen unbezahlten Urlaub genommen, um unter dem Schutz der Mudschahedin die Menschen medizinisch zu versorgen. Er erlitt selber ein Trauma und weiß, was das für Soldaten bedeutet. Gemeinsam mit anderen Ärzten, Psychologen, Psychiatern und Seelsorgern versuchte er damals, die Bundeswehr dazu zu bringen, Traumatologen ausbilden zu lassen. Doch vor 20 Jahren wollten die Verantwortlichen davon nichts wissen. „Die Bundeswehr ist heute Schlusslicht bei der PTBS-Betreuung“, schimpft Erös.

Tatsächlich sind die deutschen Streitkräfte, deren Umbau zur Einsatzarmee voranschreitet, auf die Folgen der Auslandsmissionen noch nicht wirklich eingestellt. Es dauerte fast 18 Jahre, bis die Bundeswehr nach dem ersten robusten Auslandseinsatz ein Traumazentrum aufbaute – obwohl bekannt war, dass bei der US-Armee bis zu 30 Prozent der Soldaten im Auslandseinsatz an PTBS erkranken. Dort sind die Veteranen organisiert und machten nach dem Vietnamkrieg Druck auf die Politik.

Die Veteranen der Bundeswehr hatten in Deutschland lange kein eigenes Forum. Erst im vergangenen Jahr entstanden zwei Interessenvertretungen: Eine von ihnen, der Bund Deutscher Veteranen, war auf der Tagung in Bad Boll mit rund 30 Mitgliedern vertreten. „Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg hört unsere Definition von Veteranen auf“, sagte der Vorsitzende, Andreas Timmermann-Levanas. „Wer ist eigentlich ein Veteran? Muss der im Krieg gewesen sein oder sogar außerhalb des Feldlagers unterwegs?“ Für seinen Verband sind es „Soldaten der Bundeswehr, die in einem Auslandseinsatz waren, egal, ob als Küchenhelfer oder Scharfschütze“.

Timmermann-Levanas war in Afghanistan an Feuergefechten beteiligt, kämpfte gegen Aufständische und erlitt nach der Rückkehr eine Posttraumatische Belastungsstörung. Er war in etlichen Bundeswehrkrankenhäusern, vier unterschiedliche Fachärzte untersuchten ihn und diagnostizierten ein Kriegstrauma. Timmermann-Levanas wurde deswegen nach 24 Jahren aus der Armee entlassen. Doch als er einen Antrag auf eine Wehrdienstbeschädigung stellte, teilten die Behörden ihm mit, er habe gar keine PTBS, er sei nicht krank. Die zuständigen Beamten beriefen sich auf die Expertise einer Gutachterin, die Timmermann-Levanas nie gesehen hatte. Er ging gegen diese Einschätzung vor, immer wieder. Mittlerweile spricht er vom „Krieg gegen das System“ vom „Krieg gegen die Bürokratie“.

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehr-soldaten-trauma-betreuung)

Die Linke und ihr Verständnis von Terrorismus

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Während die Linke darüber diskutiert, was Kommunismus ist, hat die Vorsitzende, Gesine Lötzsch defeniert, was Terrorismus ist. Auch mit dieser Auffassung dürfte sie, außerhalb ihrer Partei, recht alleine darstehen:

„Es gibt Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind und bereit sind, sich als Terroristen in Pakistan ausbilden zu lassen und ihr Leben zu opfern. Ich finde das furchtbar! Unsere Gesellschaft muß sich endlich ernsthaft mit dem Terrorismus auseinandersetzen“, sagte Lötzsch in ihrer Rede auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin. „Die Frage, was Terrorismus ist, hat Oskar Lafontaine kurz und präzise in einer Bundestagsrede beschrieben: ‚Für die Linken ist Terrorismus das Töten unschuldiger Zivilisten zum Erreichen politischer Ziele.'“

Daraus zieht nun wiederum Lötzsch den Schluss: „Wenn die NATO in Jugoslawien Brücken und Kirchen bombardierte und die NATO heute in Afghanistan versucht, gegen den Willen der Afghanen, die Demokratie herbeizubomben, dann ist das für mich Terrorismus. Deshalb fordert die Partei Die Linke einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan – und ich füge hinzu: Das ist auch der beste Schutz für die Soldaten der Bundeswehr!“

Lötzsch ergänzte noch, dass sie sich von Politikern, die angeblich völkerrechtswidrige Kriege gegen die Mehrheit der Bevölkerung beschlossen haben, nicht erklären lasse, was Demokratie sei. Das Bundesverfassungsgericht hatte beide Einsätze als vom Grundgesetz gedeckt bewertet.

Ob die Linke für SPD und Grüne mit solchen Aussagen für Koalitionen auf Bundesebene attraktiver wird? Wohl kaum. Beide Parteien hatten dies bereits für die Wahl 2013 abgeleht, weil Lötzsch den Weg zum Kommunismus sucht.

(Quelle: Der Redetext ist auf der Homepage der Linkspartei zu finden: http://die-linke.de/nc/die_linke/nachrichten/detail/artikel/ich-bin-demokratische-sozialistin)

Normalfall Auslandseinsatz

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Wohin marschiert die Bundeswehr? Kanzlerin und Verteidigungsminister wollen die Armee stärker auf Auslandseinsätze ausrichten

Wohin marschiert die Bundeswehr? Kanzlerin und Verteidigungsminister wollen die Armee stärker auf Auslandseinsätze ausrichten

Wohin marschiert die Bundeswehr? Auf der Kommandeurstagung umrissen Merkel und Guttenberg den künftigen Kurs. Doch es gibt Kritik.

Von Hauke Friederichs, Dresden

Nach Wochen der Diskussionen um die Zukunft der Bundeswehr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals eine klare Position zur Reform der Streitkräfte bezogen. Sie versicherte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Bundeswehrtagung in Dresden ihre Unterstützung für dessen Pläne, die Bundeswehr in eine Einsatzarmee umzubauen,

Die Bundesregierung will nicht nur eine schnelle und einschneidende Reform der Streitkräfte auf den Weg bringen. Auch das Weißbuch zur Sicherheitspolitik der Bundesrepublik, das die Aufgaben der Bundeswehr beschreibt, soll umfassend überarbeitet werden. Wie die Bundeswehr soll auch diese Richtlinie schlanker werden. Das aktuelle Weißbuch stammt aus dem Jahr 2006, es nennt die Landesverteidigung als Kernaufgabe, andere Missionen, die inzwischen zum Alltag der Truppe gehören, wie die Sicherung von Handelswegen und die Jagd nach Terroristen und Verbrechern, werden nur angerissen.

Künftig soll die Bundeswehr viel stärker als bisher auf Auslandseinsätze ausgerichtet werden. Die Kriterien, wann deutsche Soldaten künftig im Ausland eingesetzt werden sollen, umriss Guttenberg allerdings nur. Zwar sagte der Minister, dass Afghanistan nicht die Blaupause für die Reform sein dürfe. Doch was nach Afghanistan kommt, darüber wurde in Deutschlands Öffentlichkeit bislang nicht und in der Bundeswehr nur wenig diskutiert.

Merkel und ihr Minister wissen, dass sie die Soldaten mitnehmen müssen. Und sie wissen auch, dass die Kritik nun lauter werden wird. Weil die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, werden auch die Parlamentarier bei der Reform mitreden wollen. Guttenberg kündigte auf der Kommandeurstagung bereits so viele Details an, dass wenig Gestaltungsspielraum für den Bundestag bleiben wird.

Kritik gibt es genug: Eine Fixierung auf Auslandseinsätze halten sowohl einige Offiziere wie Politiker von SPD, Grünen und Linkspartei für falsch. Und auch die Friedensbewegung lehnt solche Einsätze ab. „Jugoslawien bis Afghanistan“ hatten einige Demonstranten vor dem Tagungshotel in Dresden auf ein Transparent gemalt.

Viele Generäle bedauern indes den Verlust der Wehrpflicht, die der Verteidigungsminister schon ab 1. Juli 2011 aussetzen will, und mancher altgedienter Offizier trauert der alten Bundeswehr hinterher, die noch klare Aufgaben hatte: Landesverteidigung, Beistand für Bündnispartner und Katastrophenhilfe.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE)