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Archive for the ‘Iran’ Category

Obama forciert Drohnenangriffe

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Unter dem Friedensnobelpreisträger Barack Obama fliegt die US-Armee so viele Luftangriffe wie nie zuvor. Die UN warnen vor zivilen Opfern.

Von Hauke Friederichs

Berlin – Sie sind Amerikas Antwort auf den islamistischen Terrorismus: Predator und Reaper. Mit diesen mit Raketen und Bomben bestückten Drohnen machen die Luftwaffe und der Geheimdienst CIA Jagd auf Al Qaida und Taliban. Zunehmend werden die Drohnen nicht mehr nur zur Aufklärung, sondern zu Kampfeinsätzen genutzt. US-Präsident Barack Obama spricht anders als sein Vorgänger George W. Bush nicht von einem „globalen Krieg“ gegen Terror. Aber er ist alles andere als zimperlich. Mit Kampfdrohnen und geheimen Kommandos geht er gegen Amerikas erklärte Staatsfeinde vor, und das auch außerhalb der definierten Kampfzonen Irak und Afghanistan.

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Wo der Henker Unrecht als Recht vollstreckt

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Die Zahl der Staaten, die die Todesstrafe anwenden, geht zurück. Doch immer noch richten Behörden jedes Jahr Hunderte Gefangene hin. Amnesty veröffentlicht neue Zahlen.

Von Hauke Friederichs

Zum Tode verurteilte Menschen sterben durch das Schwert, durch Gift aus Spritzen, durch Kugeln aus Gewehren, in Gaskammern, am Galgen, auf dem elektrischen Stuhl oder bei Steinigungen. Auch im 21. Jahrhundert üben die Henker auf der ganzen Welt ihr grausames Handwerk aus.

527 Menschen wurden in 23 Ländern 2010 hingerichtet, teilt die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) am Montagmorgen mit. In dieser Zahl sind allerdings die Tötungen in China nicht inbegriffen. Mehr als 2000 Menschen in 67 Ländern verurteilten Richter zum Tode – fast 18.000 Gefangene harren in Todeszellen aus und hoffen auf Begnadigung. Die meisten Tötungen im Namen des Rechts fanden im vergangenen Jahr in China und Iran statt – eine Besserung ist in beiden Staaten nicht in Sicht.

Amnesty international kämpft seit 1973 gegen die Todesstrafe. Der Jahresbericht der Organisation, der heute veröffentlicht wurde, versucht, alle Hinrichtungen zu erfassen. Doch in vielen Staaten fällt die Todesstrafe unter das Staatsgeheimnis. So veröffentlicht China keine Statistik. Amnesty schätzt, dass die Hinrichtungszahlen dort in die Tausende gehen. Vor allem Diktaturen und andere Unrechtsregime greifen auf Henker zurück – aber auch Demokratien wie die Vereinigten Staaten von Amerika verwenden die Giftspritze und den elektrischen Stuhl zur Bestrafung. In den USA wurden im vergangenen Jahr 46 Todesstrafen vollstreckt. Die USA und Japan sind die einzigen Staaten der G8, in denen laut ai hingerichtet wird.

Bei der Todesstrafe hat die Menschenrechtsorganisation, die 2011 ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum begeht, keinen großen Grund zur Freude. Zwar geht die Zahl der Staaten, die die Todesstrafe vollstrecken, leicht zurück, doch noch immer werden Hunderte Häftlinge hingerichtet.

Allein in Iran sind in diesem Jahr 86 Menschen hingerichtet worden, teilten sechs Menschenrechtsorganisationen mit. Bei mindestens acht der Getöteten handelte es sich um politische Gefangene, die wegen „Feindschaft gegen Gott“ verurteilt worden waren. „Es hat sich gezeigt, dass sich die iranischen Behörden nicht mehr damit zufrieden geben, diejenigen, die die Wiederwahl Mahmud Ahmadineschads in Frage stellen, durch Verhaftung und Verurteilung im Zaum zu halten – sie haben bewiesen, dass sie auch vor Hinrichtungen nicht mehr zurückschrecken“, sagte Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi dem Amnesty Journal. „Sie bedienen sich der altbekannten Taktik, politische Hinrichtungen gleichzeitig mit Massenexekutionen von Gefangenen durchzuführen, die wegen krimineller Delikte verurteilt wurden.“

In Iran steht zudem eine besonders grausame Art der Hinrichtung im Strafgesetzbuch. Eheleute, denen vorgeworfen wird, ihren Partner betrogen zu haben, werden zur Steinigung verurteilt. Die Paragrafen schreiben nicht nur die Größe der Steine vor, sondern auch, wie tief der Delinquent vor der Hinrichtung eingegraben wird: Frauen bis zum Kopf, Männer bis zur Taille. Im vergangenen Jahr wurden in Iran 14 angebliche Ehebrecher zur Steinigung verurteilt. „Die Steinigung zielt darauf, während der Hinrichtung großen Schmerz zuzufügen“, sagt Oliver Hendrich, Experte der deutschen Sektion von amnesty international.

Auch in Irans Nachbarland Irak vollstreckt die Regierung die Todesstrafe. Der wohl bekannteste Gefangene, der erhängt wurde, war der frühere Diktator Saddam Hussein. Doch der Strick droht auch normalen Bürgern, die auf Grund spärlicher Beweise und erpresster Geständnisse zum Tode verurteilt werden. Eines dieser Justizopfer könnte auch Samar Sa’ad Abdullah werden. Sie wurde 2005 in Bagdad wegen Ermordung ihres Onkels, dessen Frau und eines derer Kinder verurteilt. Während der Gerichtsverhandlung beteuerte die Angeklagte ihre Unschuld und verwies darauf, vor ihrem Geständnis schwer gefoltert worden zu sein. Zwischen 2004 und Ende 2009 wurden mindestens 255 Menschen im Irak hingerichtet. Rund 1.300 Gefangene sitzen dort nach Informationen von ai in der Todeszelle.

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-03/amnesty-todesstrafe )

Written by netzreporter

28. März 2011 at 17:51

Deutsche Waffen für die Welt

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Der internationale Waffenhandel wird immer unübersichtlicher. Trotz strikter Beschränkungen gelangen Gewehre, auch deutsche, zu Diktatoren und in Krisenstaaten.

Von Hauke Friederichs

Der Geschäftsmann aus Osteuropa im grauen Anzug hält das Sturmgewehr in beiden Händen, prüft das Gewicht, lächelt anerkennend. Wie viel es kostet, will er wissen. Der Mann hinter dem Tresen blättert in Katalogen, nennt den Preis. „Wir liefern in EU-Länder aber erst ab zehn Gewehren“, sagt er. Der Kunde nickt. Das ist kein Problem. Er legt das Gewehr zurück auf den Tresen. Am Messestand von Oberland Arms auf der Waffenmesse IWA & Outdoor Classics in Nürnberg hängen zahlreiche Waffen auf Basis amerikanischer Sturmgewehre an der Wand. Wohin die Firma Oberland Arms liefert, wer die Kunden sind, darüber spricht man nicht am Stand. „Die deutschen Gesetze sind sehr restriktiv“, klagt ein Mitarbeiter.

Bei Armsan, einem türkischen Hersteller ist man weniger zugeknöpft. Die Jagdwaffen, die das Unternehmen produziert gehen in die ganze Welt. Die Pumpguns, leicht nachzuladende Schrotflinten, sind für Sicherheitsbehörden bestimmt. „Wir beliefern Behörden in Bangladesch, Thailand und Ägypten“, sagt Murat Etlie von Armsan. Auf der Messe lerne er ständig neue Kunden kennen. Wachstumsmärkte wie Asien – aber auch Afrika sind besonders interessant.

Wie das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag bekannt gab, sind die USA, Russland, Deutschland, Frankreich und Großbritannien die größten Rüstungsgüterexporteure der Welt. Aus diesen fünf Staaten stammen 75 Prozent aller verkauften Waffen. Sie gehen längst nicht nur in demokratische Staaten.

Vor allem die arabischen Staaten und die Länder Nordafrikas haben in der Vergangenheit kräftig aufgerüstet. Algerien zählt zu den größten Waffenimporteuren Afrikas, Ägypten gilt neben Südafrika als stärkste Militärmacht des Kontinents. Im Falle Libyens, wo Diktator Muammar al-Gadhafi mit Kampfjets, Artillerie und Hubschraubern gegen Aufständische vorgeht, habe das bereits bestehende Exportverbot für Rüstungsgüter Großeinkäufe verhindert, gab das schwedische Friedensforschungsinstitut Sipri im am Montag veröffentlichten Bericht zum weltweiten Waffenhandel bekannt.

Einer der wichtigsten Lieferanten für Libyen soll deshalb nun der weißrussische Diktator Lukaschenko sein. „Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Hinweise, dass Lukaschenko ohne Skrupel Waffen in von Embargos belegte Krisenregionen verkauft“, sagt Marie-Luise Beck von den Grünen. „Solches Handeln darf nicht folgenlos bleiben. Die internationale Gemeinschaft muss Weißrusslands Waffenexporte endlich unter die Lupe nehmen.“

Doch nicht nur die weißrussischen Exporte wecken das Interesse von Politikern. „Wo immer auf der Welt geschossen und getötet wird, sind deutsche Waffen mit dabei, mal legal, mal illegal, aber immer tödlich“, sagte Jan van Aken, stellvertretender Vorsitzender der Linkspartei-Fraktion unlängst im Bundestag. Anlass für die Frontalkritik war ein Video, das im Internet auftauchte. Darin posiert ein Sohn Gaddafis mit einem Sturmgewehr G36 der deutschen Firma Heckler & Koch.

„Eigentlich dürfte es das G36 gar nicht in Libyen geben. Eine Genehmigung wurde nie erteilt. Waffenexporte werden hierzulande so lasch kontrolliert, dass deutsche Waffen am Ende überall in der Welt zu finden sind“, schimpft von Aken. „Einmal exportiert, wird überhaupt nicht mehr überprüft, ob die Waffen nicht einfach weiterverkauft werden. Es ist eine Legende, dass die Exportkontrollen in Deutschland besonders streng sind. Im Gegenteil: Jede Frittenbude wird in Deutschland schärfer kontrolliert als Heckler & Koch und die anderen Waffenschmieden.“ Vertreter der Friedensbewegung monierten, dass Sturmgewehre vom Typ G3 in Libyen landeten. Heckler & Koch hat das Gewehr lange Jahre selbst produziert und dann mit Genehmigungen der Bundesregierungen Lizenzen ins Ausland verkauft. Heute fertigen auch iranische und pakistanische Firmen das G3.

Das gescholtene Unternehmen wehrt sich öffentlich: „Selbst ernannte Experten spekulieren derzeit öffentlich über Lieferungen von Heckler & Koch Produkten nach Libyen. Die entsprechenden Behauptungen entbehren jeder Grundlage“, teilt die Firma mit. „Heckler & Koch ist ein Unternehmen, das sich an Recht und Gesetz der Bundesrepublik Deutschland hält.“ Dennoch ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart momentan gegen die Rüstungsschmiede, weil Waffen von Heckler & Koch in mexikanischen Bundesstaaten landeten, gegen die Exportverbote bestanden.

Wie das G36 nach Libyen kam, ist unklar. „Für das Auftauchen von Bildern eines Gadhafi-Söldners/Sohnes mit einem G36 bleiben die beiden Möglichkeiten, dass es sich entweder um eine G36-Nachbildung als Soft-Air-Waffe oder tatsächlich um eine Echtwaffe handelt, die unrechtmäßig über einen Heckler & Koch nicht bekannten Weg beschafft wurde“, spekuliert das Unternehmen in einer Presseerklärung.

Die Vereinten Nationen prüfen derzeit weitere Sanktionen gegen Libyen. Aus guten Grund: Muammar al-Gadhafi nutzt die Milliardeneinnahmen aus dem Ölgeschäft, um aufzurüsten. Libyen orderte in Russland etwa S-300-Flugabwehrsysteme, diese wurden aber noch nicht ausgeliefert.

Insgesamt war die Zahl der Rüstungsexporte nach Libyen laut Sipri wegen bestehender Exportauflagen zwar gering. Frankreich, Italien, Russland und Großbritannien akzeptierten in der Vergangenheit dennoch Bestellungen des Gadhafi-Regimes für Kampfflugzeuge, Panzer und andere Waffensysteme. Aus Russland wollte Libyen etwa sechs Yak-130-Jets, die zum Flugunterricht, aber auch zum Kampf eingesetzt werden können, ordern. Vor einem Vertragsabschluss mit Libyen über moderne SU-35-Flugzeuge schreckte Moskau dann aber zurück. Inzwischen erließ Russlands Präsident Medwedews ein Dekret, das Rüstungsgeschäfte mit Tripolis untersagt.

Ansonsten zeigt sich Russland wenig zimperlich. Das Land lieferte 14 Prozent seiner für den Export bestimmten Waffen nach Afrika – und 67 Prozent nach Asien, teilt Sipri mit. Zu den Kunden der russischen Rüstungsindustrie zählen neben Libyen auch Algerien, Iran, Indien und China. Auch westliche Waffenhersteller beliefern undemokratische Staaten. 28 Prozent der amerikanischen Rüstungsexporte gingen in den Nahen Osten. Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zu den wichtigsten Kunden der USA und Frankreichs. Saudi-Arabien kaufte im großen Stil in Großbritannien ein. 2010 wurden 16 von 72 bestellten Eurofightern nach Riad ausgeliefert.

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://mobil.zeit.de/politik/ausland/2011-03/ruestung-waffenhandel-international)

Written by netzreporter

16. März 2011 at 11:48

Comeback des radikalen Schiiten-Führers Sadr

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Nach mehr als drei Jahren im iranischen Exil ist der radikale Schiiten-Führer Muktada as-Sadr in den Irak zurückgekehrt. In der für Schiiten heiligen Stadt Nadschaf wurde Sadr von tausenden Anhängern empfangen und bejubelt.

„Unmittelbar nach Ankunft besuchte Sadr den Schrein des Imams Ali, eines der höchsten Heiligtümer der Schiiten, danach das Grab seines Vaters, des einflussreichen Groß-Ayatollahs Sadrek as-Sadr, der von Agenten des Diktators Saddam Hussein ermordet worden ist“, schreibt Rudolph Chimelli, der langjährige Nahost-Experte der Süddeutschen Zeitung. „Der Ruhm seines Vaters hatte es ihm in der Vergangenheit möglich gemacht, nach dem Einmarsch der Amerikaner eine starke Volksbewegung gegen die Besatzung zu mobilisieren und eine Miliz aufzustellen, die mehrere Zehntausend Mann starke Mahdi-Armee.“

Diese Miliz kämpfte sowohl gegen die US-Armee als auch gegen die irakischen Sicherheitskräfte. 2008 beendete die Mahdi-Armee den Aufstand, nachdem die iranische Regierung zwischen dem Widerstand und Bagdad vermittelt hatte.

Bei der Parlamentswahl im März 2010 gewannen Anhänger Sadrs 40 von 325 Mandate. Ohne ihre Stimmen hätte Iraks Premierminister Nuri al-Maliki keine Mehrheit im Parlament. Es werde erwartet, schreibt Chimelli, dass sich Sadr künftig wieder direkt in die Politik einmischen werde.

(Quellen: Rudolph Chimelli: Comeback eines Radikalen, in Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2011, S. 8 / Älterer Kommentar von Chimelli über den schiitischen Aufstand auf sueddeutsche.de)

Auf der Spur der Waffenhändler

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Das meistverkaufte Sturmgewehr der Welt: Die AK-47 des russischen Ingenieurs Kalaschnikow

Das meistverkaufte Sturmgewehr der Welt: Die AK-47 des russischen Ingenieurs Kalaschnikow

Mit Waffen lässt sich sehr viel Geld verdienen – das wissen nicht nur die großen Rüstungsfirmen wie EADS, Krauss-Maffei Wegmann oder Heckler & Koch, die auch legale Geschäfte setzen. Auch Kriminelle setzen auf Rüstungsdeals, um ihre Kasse zu füllen. Beim Umgehen von Handelembargos, internationalen Vereinbarungen und nationalen Gesetzen wie das deutsche Kriegswaffenkontrollgesetz helfen den weltweit agierenden Waffendealern immer wieder Staaten.

Wie diese Deals ablaufen zeigen die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente aus dem amerikanischen Außenministerium. Andreas Ulrich berichtet auf Spiegel Online, wie amerikanische Diplomaten versuchen, Waffenlieferungen an instabile Staaten und Terroristen zu verhindern.

Armenien etwa hatte 1000 Panzerfäuste vom Typ RPG-22 und 260 schwere Maschinengewehre des Herstellers Arsenal in Bulgarien gekauft. Der Verkäufer ließ sich schriftlich bestätigen, dass die Waffen in Armenien bleiben würden, doch das Kriegsmaterial landete erst im Iran und schließlich bei schiitischen Aufständischen im Irak, die damit amerikanische Einheiten angriffen und wohl einen Soldaten töteten – das schildern zumindest die amerikanischen Dokumente.

Auch Russland, die Ukraine und Jemen sind im Visier der Amerikaner. Seitdem ihre Soldaten gegen Aufständische und Terroristen in Afghanistan und Irak kämpfen, haben die USA starkes Interesse daran, den illegalen Waffenhandel einzudämmen. Dass einst die CIA die Guerillakämpfer in Afghanistan gegen die Russen hochrüstete, gerät da schnell in Vergessenheit.

(Quelle: Spiegel Online: Auf der Spur der Todesdealer)

Von „Hitler“ bis zur „schrägen Wahl“

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Das Enthüllungsnetzwerk Wikileaks hat abermals tausende amerikanische Dokumente veröffentlicht, die als geheim oder vertraulich eingestuft sind. Diesmal ist das amerikanische Außenministerium vom Datenleck betroffen. Brisante Enthüllungen, wie bei den Veröffentlichungen aus dem Irak-Krieg oder den afghanischen Kriegstagebüchern scheinen diesmal nur spärlich gesät zu seien.

Das Nachrichtenmagazin der Spiegel, das neben der New York Times, dem Guardian und anderen Zeitungen Medienpartner von Wikileaks ist, zitiert aus den Akten. Was die Botschafter aus ihren Einsatzländern nach Washington kabelten, ist zum Teil mehr amüsant als brisant:

Die deutsche Regierung kommt darin nicht gut weg. Kanzlerin Merkel sei wenig kreativ, urteilen die Diplomaten etwa. Außenminister Westerwelle sei inkompetent, sehr kritisch gegenüber den Vereinigten Staaten eingestellt und „aggressiv“. Die Ernennung von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel nannte ein Botschaftsmitarbeiter eine „schräge Wahl“, da der FDP-Politiker vor der Wahl das Ministerium noch abschaffen wollte. Den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer charakterisierten die Amerikaner als „unberechenbar“. Christsoziale Politiker hätten sich für ihn bei den Diplomaten entschuldigt.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen hat anscheinend keine negative Charakterisierung angeheftet bekommen. Über ihn notierte die Botschaft: Guttenberg sei ein Freund Amerikas. Da würde der bekennende Transatlantiker wohl nicht widerspreche. Andere Persönlichkeitsbeschreibungen standen mehrfach in deutschen Zeitungen – Niebel nannte gestern in der Sendung Anne Will die ihn betreffenden Formulierungen als „unbedeutend“. Von amerikanischen Diplomaten dürfe man nicht mehr erwarten als von deutschen Journalisten.

Auch aus anderen Ländern lieferten die Diplomaten ihre Einschätzung des politischen Spitzenpersonals an das State Department: Hamid Karsai kann über sich lesen, dass er von Paranoia getrieben sei. Der russische Präsident Dimitrij Medwedew heißt es sei „blass“ und „zögerlich“. Sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy beschrieben sie als „Kaiser ohne Kleider“. Und wenig kreativ kam auch Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad weg, den als Hitler beschrieben wurde.

Ob die Dokumente, wie der Spiegel verspricht, tatsächlich zeigt, wie Amerika die Welt sieht, darf bezweifelt werden. Dafür sind vor allem auch die Geheimdienste zuständig. Daten der CIA oder anderer Agenten hat Wikileaks bisher erst vereinzelt veröffentlicht. Aber das kann ja noch kommen. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Deutschland, Kornblum, sagte gestern in der ARD, dass die jüngsten Veröffentlichung zeigten, wie schwer sich Regierungen mittlerweile täten, geheime Informationen tatsächlich geheim zu halten. Er erinnerte ganz nebenbei daran, dass deutsche Diplomaten ähnliche Berichte aus Washington und New York nach Berlin kabelten. Darin dürfte die Charakterisierung von George W. Bush, Cheney oder Rumsfeld kaum schmeichelhafter ausfallen als „schräge Wahl“ oder „aggressiv“.

Amerika sucht die Grand Strategy

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USA - Supermacht ohne Grand Strategy?

USA - Supermacht ohne Grand Strategy?

Die Entwicklung einer Grand Strategy ist ein schwieriges Unterfangen. „Eine Grand Strategy entwirft ein Bild, wie die Welt ist, entwickelt eine Vorstellung, wie sie sein sollte und benennt Richtlinien, wie diese Vorstellung umgesetzt werden könnte“, schreibt Stephen D. Krasner in der aktuellen Ausgabe von Internationale Politik. Momentan verfolgten die USA jedoch keine Grand Strategy – fehlt damit ein Impuls für die internationale Ordnung?

Im Kalten Krieg entwickelte Amerika mit der Politik der Eindämmung eine Grand Strategy, welche die US-Außenpolitik bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion bestimmte und die von den Verbündeten unterstützt wurde.

Alle Interventionen von Militär und Geheimdiensten während des Kalten Krieges dienten der Abwehr des Kommunismus. In Korea und Vietnam kämpften die USA offen, in Iran, Guatemala, im Kongo und auf Kuba, in der Dominikanischen Republik, in Chile, Nicaragua und Granada im Verborgenen gegen Sympathisanten der Sowjetunion („manchmal auf irrtümlich“, wie Krasner feststellt). Die Intervention in Panama im Dezember 1989 sei die einzige gewesen, die nicht von der Furcht vor dem Kommunismus getragen wurde.

Amerika setzte beim Plan, das Ausbreiten des Kommunismus aufzuhalten aber keineswegs nur auf Militär: „Um den Einfluss der Sowjetunion zu beschränken, setzten die USA einige recht ambitionierte Vorhaben um. Sie schmiedeten Allianzen in Europa, Asien, dem pazifischen Raum und Lateinamerika. Sie unterstützten die europäische Integration. Sie förderten den Einfluss der beiden ‚Bretton-Woods-Schwestern’ Weltbank und Internationaler Währungsfonds, die Washington in den vierziger Jahren noch vernachlässigt hatte“, schreibt Krasner, Professor für Politische Wissenschaften an der Stanford University. „Auslandshilfe wurde ein Instrument der Außenpolitik.“

Die Politik der Eindämmung war trotz einiger Rückschläge (etwa Korea oder Vietnam) am Ende ein Erfolg. „Seit 1990 vermochten die USA keine erfolgreiche Grand Strategy mehr zu formulieren“, stellt Krasner fest. Die erste Nationale Sicherheitsstrategie der Regierung Clinton („Eine Sicherheitsstrategie der Einbindung und Erweiterung“) scheiterte, weil sie die Gefahr des international agierenden Terrorismus verkannte. Nach dem 11. September entstand 2002 eine neue Nationale Sicherheitsstrategie. Darin nannten die Verfasser das „Zusammenspiel von Radikalismus und Technologie“ als die „Besorgnis erregendste Bedrohung“ der Sicherheit Amerikas. Der islamistische Radikalismus sollte mit einer Demokratisierung der arabischen und islamischen Welt bekämpft werden. Doch mit ihrer Grand Strategy scheiterte auch die Regierung Bush, der es nicht gelang alte Verbündete wie Frankreich und Deutschland zu überzeugen.

Präsident Obama schlägt mit seiner Sicherheitsstrategie bescheidenere Töne an. „Eine Grand Strategy ist auch sie nicht“, schreibt Krasner. „Die Uneinigkeit unter den mächtigeren Staaten, unterschiedliche Sichtweisen, dynamische Machtverschiebungen und politische Unsicherheiten machen den Entwurf einer Grand Strategy selbst für die Vereinigten Staaten unmöglich.“ Die bestmöglichste Option wäre, fasst der amerikanische Professor zusammen, wäre eine Einigung auf ein Prinzip, das wichtige Aspekte für die mächtigsten Staaten bündelt. „Das alles wäre derzeit schon eine enorme Errungenschaft.“