Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Archive for the ‘Indien’ Category

Das große Machtspiel auf dem Pazifik

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China und Indien rüsten ihre Flotten auf, der Westen zieht nach. Das atlantische Zeitalter endet, neue Allianzen entstehen.

Von Steffen Richter und Hauke Friederichs

Am vergangenen Mittwoch war es soweit. China ging einen weiteren Schritt in Richtung Supermacht: Im Hafen von Dalian ließ die Marine den ersten Flugzeugträger zu Wasser. Shi Lang heißt er, benannt nach einem Admiral der Ming-Dynastie (1368-1644). Nur wenige Staaten auf der Welt haben solche Träger, sie stehen für militärische Macht, sind aber kompliziert zu bauen und zu bedienen. Flugzeugträger waren lange Zeit eine unangefochtene Domäne der amerikanischen Streitkräfte.

Die Shi Lang zeugt vom Aufstieg Chinas, und sie ist ein Symbol für die wachsende Bedeutung der Kriegsmarinen im 21. Jahrhundert: Rohstoffe am Meeresboden, neue Seewege in der Arktis, Bedrohung von wichtigen Handelsrouten durch Piraten und Terroristen – diese Themen bestimmen derzeit die Geopolitik. Die wichtigsten Schiffbaunationen sind längst asiatische. Zu Südkorea und Japan ist China gestoßen. In diesen drei Ländern werden die meisten neuen zivilen Schiffe vom Stapel gelassen. Auch in der Sicherheitspolitik setzen die Länder Asiens auf die Seefahrt. Laut Defence News sollen in den kommenden zehn Jahren allein in Asien und Australien rund 840 Kriegsschiffe beschafft werden – deutsche Werften mischen in dem Geschäft mit. Besonders rasant verläuft diese Entwicklung in Indien und China. Es war kein Zufall, dass die Marineversion des Euro-Fighters auf einer Flugmesse in Indien vorgestellt wurde, denn in Europa hat der Hersteller EADS nicht viele Kunden dafür. In den meisten Nato-Staaten belasten Haushaltskrisen die Budgets, die Verteidigungsetats sinken. Daher werben europäische Politiker in Indien massiv für den Euro-Fighter.

China und Pakistan

Irritiert von einem Geschäft mit dem Euro-Fighter wäre die Regierung in Peking. Dort fürchtet man, Indien könnte China über die Andamanen-Inselkette den Zugang zum Indischen Ozean abschneiden. Schon allein deshalb kooperiert China seit den 1980er-Jahren intensiv mit Indiens Nachbarn und Erzfeind Pakistan. Man hilft Islamabad beim Bau von Raketen, verschenkt 50 chinesische JF-17-Kampfflugzeuge; für seine Kriegsmarine will Pakistan chinesische U-Boote und Fregatten ordern, gemeinsam wollen beide Staaten Fregatten bauen.

Noch wesentlich bedeutender ist, dass China im Indischen Ozean mit Hafenbauprojekten in die maritime Machtsphäre Indiens eindringt. Neben Bangladesch (Chittagong), Sri Lanka (Hambantota) und Birma (Sittwe) beunruhigt der Tiefseehafen von Gwadar im pakistanischen Belutschistan die Strategen Indiens. Kürzlich enthüllte der pakistanische Außenminister Ahmed Mukhtar, seine Regierung habe Peking gebeten, im Handelshafen Gwadar einen Marinestützpunkt zu bauen. China braucht Gwadar, so der indische Analyst Brahma Chellaney, „um im großen Machtspiel auf den Weltmeeren seine größte Schwäche auszugleichen – das Fehlen eines maritimen Ankers im indischen Ozean, wo das Land eine wichtige militärische Stellung anstrebt.“

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(Den ganzen Artikel finden Sie auf Zeit Online)

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Written by netzreporter

16. August 2011 at 10:27

Digital vernetzt auf dem Weg zur Macht

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Die nächste Generation internationaler Außenpolitiker kennt sich bereits – aus digitalen Netzwerken. So wie die Münchner Young Leaders, die sich auch ganz real treffen.

Von Hauke Friederichs

Kiew, ein wuchtiger Sowjetbau, politisches Symbol vergangener Tage. Hier treffen die Entscheider der nahen Zukunft einen der Mächtigen von heute: Der ukrainische Außenminister Kostjantyn Hryschtschenko empfängt die Munich Young Leaders, 18 Nachwuchskräfte der Außen- und Sicherheitspolitik. Es sind Diplomaten aus dem Auswärtigen Amt, Berater aus dem Bundestag, Offiziere aus dem Verteidigungsministerium in Berlin – und Wissenschaftlerinnen aus Indien und Kuwait, dazu der stellvertretenden Außenminister der Republik Moldau, ein Abgeordneter aus Armenien und Journalisten aus Israel und Russland.

Die jungen Führungskräfte, die zum Netzwerk Munich Young Leaders gehören, haben sich vor dem Treffen kurz per Internet über die Lage der Welt informiert. Sie machen mit dem Handy Fotos von dem Treffen, viele werden die Bilder auf Facebook und in andere soziale Netzwerke stellen. Ganz selbstverständlich nutzen sie digitale Netzwerke für ihre Karriere in der Außenpolitik. Die grenzüberschreitenden Möglichkeiten des Internets haben das Denken der jungen Außenpolitiker entscheidend beeinflusst.

Der ukrainische Außenminister erzählt von der Brückenfunktion seines Landes und der blockfreien Politik, die seine Regierung zwischen der Nato und Russland anstrebt. Es klingt wie zu den Zeiten, in denen der Eiserne Vorhang die Welt in Ost und West trennte. Doch die Young Leaders kennen die Außenpolitik zu Zeiten des Kalten Krieges nur noch aus Erzählungen. Als sie ihre Karriere begangen, hatten Globalisierung und Internet längst die Welt – und auch die Diplomatie – tiefgreifend verändert. Nachrichten verbreiten sich innerhalb von Minuten von Wladiwostok bis Vera Cruz, von Memphis bis Melbourne.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hob vor Kurzem die Bedeutung der sozialen Netzwerke für die erfolgreichen Revolten in Nordafrika hervor. Ohne Twitter, Facebook, Youtube und Co. wird in der nahen Zukunft in Demokratien nicht mehr regiert werden können. Noch haben Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel, Wladimir Putin oder gar Raúl Castro das Sagen, die ihre Karrieren ohne Mobilfunktelefone, E-Mails und Internet begonnen haben. „Wie haben die das damals nur gemacht?“, fragt eine deutsche Diplomatin. „Das müssen ganz entschleunigte Zeiten gewesen sein, wenn die Depesche per Diplomatenpost von der Botschaft ans ferne Ministerium ging.“

Miteinander sprechen und darüber bloggen

Die Munich Young Leaders sind 2009 in München entstanden. Die Hamburger Körber-Stiftung und die Münchner Sicherheitskonferenz hatten erstmals 25 junge, internationale Führungskräfte und Talente in die bayerische Landeshauptstadt geladen. Sie sollen die Sicherheitskonferenz beleben, einen Dialog zwischen Staaten ermöglichen, die kaum miteinander sprechen, und untereinander Kontakte knüpfen. Die Young Leaders diskutieren untereinander über die Konflikte und Krisen der Welt. Sie treffen aber auch zahlreiche einflussreiche Politiker, Vertreter von Organisationen und Wirtschafsbosse. Die Nachwuchskräfte berichteten selbst in einem Blog von den Gesprächen mit George Soros, Henry A. Kissinger oder Wolfgang Schäuble.

Ambika Vishwanath gehört zu den Munich Young Leaders. Die Politologin aus Mumbai arbeitet für den Think Tank Strategic Foresight Group. Ihr Spezialgebiet sind Wasserkonflikte im Nahen Osten. Zwölf Stunden ist sie geflogen, um nach Kiew zu kommen. In ihrem Lebenslauf spiegelt sich die Globalisierung. Vishwanath hat politische Wissenschaft in Indien und den USA studiert, danach unterrichtete sie in Kairo an der Amerikanischen Universität und heuerte dann bei dem Think Tank an. Die Münchner Young Leaders bringen ihr nun zahlreiche neue Kontakte. Sie tauscht Visitenkarten aus, Ideen und Freundschaftsanfragen in den sozialen Netzwerken.

Ihre digital vernetzte Generation wird in wenigen Jahren die Spitzenpositionen in Ministerien und internationalen Organisationen übernehmen.

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(Den ganzen Artikel finden Sie auf Zeit Online)

Written by netzreporter

4. August 2011 at 09:57

Musharraf verteidigt den pakistanischen Geheimdienst

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Der ehemalige pakistanische Militärdiktator Pervez Musharraf hat den Auslandsgeheimdienst des Landes verteidigt. Dem Inter-Services Intelligence wird vorgeworfen, Millionen Dollar für Lobbyarbeit im  im Weißen Haus und Kongress aufgewandt zu haben, um amerikanische Politiker in der Kaschmir-Frage auf die pakistanische Position einzuschwören.

Pakistan und Indien streiten seit Jahrzehnten um das ehemalige Fürstentum Kaschmir, das zwischen beiden Ländern liegt. 1999 begann wegen Kaschmir der vierte Indisch-Pakistanische Krieg, nachdem angebliche pakistanische Freischärler den indischen Teil von Kaschmir attackiert hatten. Die Regierung in Islamabad zog nach schweren Kämpfen die Freischärler zurück. Der Konflikt endete dadurch nicht.

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Heimstatt des Terrorismus

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In Pakistan entstanden die Taliban, Laskar-e-Taiba und zahlreiche weitere Terrorgruppen. Der Staat nutzte lange die Radikalen für seine Ziele – und tut dies noch heute.

Von Hauke Friederichs

Ein Triumph im Kampf gegen den Terrorismus, ein Erfolg für den Westen, so äußerten sich Politiker in den USA und Europa zum Tod von Osama bin Laden. Die pakistanische Regierung hingegen schwieg zunächst beharrlich. Wie hätte sie auch erklären sollen, dass schon wieder ein Topterrorist innerhalb ihrer Grenzen getötet wurde?“

Exporteur des Terrors“, „gefährlichster Staat der Welt“ oder „Herkunft der Taliban“ – Pakistan hat in den vergangenen Jahren viele wenig schmeichelhafte Beinamen verliehen bekommen. Die Tötung Osama bin Ladens am Wochenende in dem Ort Abbottabad rund 150 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, dürfte den Ruf nicht verbessern. Längst bezichtigt nicht mehr nur Indien den alten Rivalen Pakistan offen, den Terrorismus zu fördern. Auch Afghanistan prangert die Freundschaft der pakistanischen Sicherheitskräfte zu al-Qaida und Taliban an. Die USA kritisieren ihren Verbündeten ebenso wie manche europäische Regierung.

Doch bei Worten blieb es nicht: Der Tod bin Ladens stellt nur den Höhepunkt einer ganzen Reihe von Festnahmen und Tötungen von Kadern des Terrornetzwerkes al-Qaida dar. In Pakistan konnte al-Qaida dadurch stark geschwächt werden und wich zum Teil in den Jemen aus. Der amerikanische Vize-Präsident Joe Biden erklärte im Dezember 2010, dass al-Qaida in Pakistan keine Kraft mehr habe, um einen Anschlag in den USA zu verüben. Das offizielle Kriegsziel aus dem Jahr 2001 war damit erfüllt: Das Terrornetzwerk sollte in der Region keinen sicheren Hafen mehr haben und kein Sicherheitsrisiko für den Westen mehr darstellen.

Doch die Ideologie von al-Qaida ist damit längst nicht tot. Anschläge und Pläne zu Attentaten haben das in den vergangenen Jahren bewiesen. Terrorexperten sprechen von der dritten Generation, die keine zentrale Führung mehr braucht. Die Schwäche der ersten Generation von al-Qaida verhindert keine Terrorakte. Auch, weil in Pakistan andere radikale Gruppen an Einfluss gewannen. Mancher amerikanischer Spitzenmilitär bezeichnet seit kurzem das aus Pakistan stammende Haqqani-Netzwerk als schlimmsten Feind der US-Streitkräfte in Afghanistan. Die Haqqanis, benannt nach einer Großfamilie, kämpfen gemeinsam mit den Taliban und sind mit paschtunischen Stämmen in Afghanistan verwandt.

Nicht nur das Haqqani-Netzwerk entstand in Pakistan. Zahlreiche Terrororganisationen bildeten sich dort – einige wurden mithilfe des Geheimdienstes ISI gegründet, anderen wurde ein sicherer Unterschlupf geboten. Al-Qaida und die afghanischen Taliban bildeten dort ihre Kämpfer aus und tun dies zum Teil immer noch. Andere Gruppen wie Laskar-e-Taiba (LeT), die in Kaschmir gegen die indischen Sicherheitskräfte kämpfen, werden immer noch vom ISI gefördert. Die LeT war für den Anschlag in Mumbai im November 2008 verantwortlich. In dieser „Armee der Gerechten“ war sogar ein aktiver Staatssekretär im Verteidigungsministerium Mitglied. Auch Spitzenbeamte und hochrangige Offiziere fühlen sich der LeT verbunden.

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(Den ganzen Artikel finden Sie auf Zeit Online)

Mehr Identifikationsfigur als Führer

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Der getötete Osama bin Laden war für das Operative bei al-Qaida nicht mehr zuständig: Die wichtigsten Fragen zum Anti-Terror-Kampf, Pakistan, Afghanistan und al-Qaida.

Von Hauke Friederichs und Steffen Richter

Was bedeutet der Tod bin Ladens für al-Qaida?

Osama bin Laden war seit dem 11. September 2001 auf der Flucht. Nur noch sporadisch wandte er sich in Video- und Audiobotschaften an seine Anhänger und an die westliche Welt – zuletzt im Oktober 2010. Damals rief er die Gläubigen zu Viehzucht und Ackerbau auf, um die Abhängigkeit vom westlichen Ausland zu verringern. Einen Aufruf zu Anschlägen gab es darin nicht.

Bereits 2009 sagten amerikanische Sicherheitsexperten, al-Qaida sei durch Luftschläge mit Drohnen in Pakistan und durch das Einfrieren von Konten stark geschwächt. Das gilt aber nur beschränkt für die zahlreichen Ableger des Netzwerkes wie al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) oder al-Qaida auf der arabischen Halbinsel. Diese Gruppen werden regional organisiert und nicht von der Al-Qaida-Führung in Pakistan. Al-Qaida verliert mit bin Laden eine Inspirationsquelle, eine Werbefigur für die Rekrutierung von neuen Attentätern. Die Propagandaabteilung von al-Qaida wird aber sehr wahrscheinlich nun mit dem vermeintlichen Märtyrer bin Laden um neue Kämpfer und Unterstützer werben.

Ist al-Qaida abhängig von einer Führerfigur?

Al-Qaida ist mehr eine Idee, eine Ideologie, der sich einzelne Gruppen zugehörig fühlen, als eine schlagkräftige Organisation. Organisationen wie die Islamische Dschihad-Union (IJU), in der auch deutsche Kämpfer aktiv sind, führen einen eigenen Kampf und arbeiten mit al-Qaida und ihren Ablegern zusammen, wenn die IJU neue Kämpfer oder finanzielle Unterstützung braucht. Bin Ladens Rolle war in den vergangenen Jahren eher die einer Identifikationsfigur für neue Terroristen als die eines Führers. Der nigerianische Student Umar Farouk Abdulmutallab, der an Weihnachten vor zwei Jahren ein Passagierflugzeug über Detroit mit Sprengstoff zum Absturz bringen wollte, bekam seine Anweisungen nicht von bin Laden, sondern von Terrorführern im Jemen. Bin Laden und sein Stellvertreter Aiman al-Sawahiri hatten mit dem eigenen Überleben in den vergangenen Jahren genug zu tun, das operative Geschäft übernahmen andere.

Wieso lebte bin Laden jahrelang in Pakistan, ohne dass er festgenommen wurde?

Unter Sicherheitsexperten galt es als sicher, dass bin Laden nicht nur von lokalen Stammesführern, sondern auch von Angehörigen des pakistanischen Geheimdienstes geschützt wurde. US-Politiker beklagen seit Langem die fehlende Bereitschaft der pakistanischen Sicherheitsbehörden, gegen islamistische Gruppen im eigenen Land vorzugehen. Irgendjemand in der pakistanischen Regierung müsse sein Versteck kennen, hatte US-Außenministerin Hillary Clinton noch im Juli 2010 bei einem Besuch in Islamabad gesagt. Den pakistanischen Taliban etwa erklärte die Regierung erst den Krieg, als die Extremisten das Swat-Tal besetzten und die Hauptstadt Islamabad bedrohten. Andere radikale Gruppen dürfen offen für den Dschihad werben und Spenden sammeln, die auch al-Qaida zugute kommen. Dazu gehört die Bewegung Lashkar-e-Taiba (LeT), die von der USA und der UN als al-Qaida nahestehende Terrorgruppe eingestuft wird. In der LeT sind auch hochrangige Beamte und Militärs Mitglied.

Warum wurde bin Laden erschossen?

Die offizielle Darstellung der amerikanischen Regierung ist, dass Osama bin Laden bei einem Feuergefecht getötet wurde. Der Einsatz auf dem großen Anwesen in Abbottabad dauerte demnach 40 Minuten. Anscheinend haben sich der Terror-Chef und die Leibwächter heftig zur Wehr gesetzt. Allerdings meldeten amerikanische Medien, dass bin Laden durch einen Kopfschuss starb, was auf einen gezielte Aktion hindeuten kann und in Online-Foren und Artikel-Kommentaren schnell zu heftigen Diskussionen über den Einsatz führte. Frithjof Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, fordert daher: „Die Umstände der militärischen Aktion sollten von den USA rückhaltlos transparent gemacht werden, um jeder Legendenbildung vorzubeugen.“

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://mobil.zeit.de/politik/ausland/2011-05/osama-bin-laden-hintergrund)

Das Tal der Taliban

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Major Waqas und ein Mullah (vorne) sagen ehemaligen Taliban, dass das Töten von Moslems Sünde sei. / Foto: Hauke Friederichs

Major Waqas und ein Mullah (vorne) sagen ehemaligen Taliban, dass das Töten von Moslems Sünde sei. / Foto: Hauke Friederichs

Im Swat-Tal kämpfte das pakistanische Militär noch vor wenigen Monaten gegen die Taliban. Nun will die Armee aus Feinden loyale Bürger machen.

Von H. Friederichs, Barikot

Der bärtige Geistliche im weißen Gewand steht mit geschlossenen Augen vor dem Mikrofon. „Allahu akbar“ singt der Mullah, Gott ist groß. Vor ihm sitzen Männer aus einem Ortsteil von Barikot, einer Stadt im pakistanischen Swat-Tal. Dann rezitiert der Mullah eine Sure aus dem Koran. Das offizielle Programm endet damit. Der Ort feiert den Wiederaufbau nach der Flut im vergangenen Jahr und den Kämpfen zwischen pakistanischer Armee und den Taliban 2009.

Doch dann geht ein schmächtiger Junge zum Mikrofon. Ängstlich schaut er in die Runde und erzählt mit brüchiger Stimme von der Herrschaft der Taliban. Der Schüler Fakhad hasst die Extremisten, die vor zwei Jahren im Swat-Tal die Macht übernommen hatten. Er hasst sie so sehr, dass er einfach das Wort ergreift, mit der Tradition bricht – ein 15-Jähriger spricht nun vor den Graubärten.

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Die Welt rüstet weiter auf

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Der Dingo 2 ist ein gefragtes geschütztes Fahrzeug "Made in Germany"

Der Dingo 2 ist ein gefragtes geschütztes Fahrzeug "Made in Germany" / Foto: Hauke Friederichs

Auch wenn die meisten Nato-Staaten künftig weniger Geld für Waffen ausgeben wollen, steigen weltweit die Rüstungsausgaben. Vor allem die Schwellenländer rüsten auf.

Von Hauke Friederichs

Der weltweite Rüstungsmarkt boomt weiter – trotz der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Staatsausgaben für Kampfflugzeuge, Panzer, Kriegsschiffe und anderen Waffensysteme stiegen 2009 nach Angaben des unabhängigen schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri um 14,8 Milliarden US-Dollar auf 401 Milliarden Dollar. Die Rüstungsexperten aus Stockholm präsentieren am Montag die ersten Daten über den globalen Rüstungshandel, die im kommenden Jahrbuch 2011 veröffentlicht werden. Sipri gilt neben dem IISS in London als bedeutendster Think Tank im Bereich der Sicherheitspolitik und Rüstung in Europa.

Der weltweite Waffenhandel konzentriert sich auf wenige Unternehmen, die vor allem in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa sitzen – von den 100 größten Rüstungskonzernen haben 78 ihren Sitz in den USA und in der EU. Zehn der größten Rüstungsfirmen kommen aus Asien, drei aus Israel sowie jeweils eine aus Kuwait und der Türkei. Allein die weltweit zehn größten Rüstungsunternehmen verdienten mit dem Waffenhandel rund 228 Milliarden Dollar, das sind 56,9 Prozent der von Sipri insgesamt ermittelten Umsätze aus dem Waffenhandel.

Seit 2002, als der Kampf gegen den Terror und der Krieg in Afghanistan begann, haben sich die globalen Rüstungsausgaben mehr als verdoppelt. Seitdem rüsten nicht nur die Nato-Staaten auf, die einen Großteil der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) stellen, sondern auch Russland, China und Indien.

Zwar sinken die Wehretats in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und anderen Nato-Staaten in den kommenden Jahren deutlich. Die Aufträge an die Rüstungsindustrie werden aber langfristig vergeben, so dass die erzwungenen Einsparungen für die kommenden Jahre noch nicht auf die Bilanzen durchschlagen. Andere Staaten, vor allem Schwellenländer, rüsten zudem weiter auf. Russland plant in den kommenden Jahren seine Verteidigungsausgaben um 60 Prozent zu erhöhen, Brasilien um 23 Prozent, China um sieben, Indien um vier Prozent.

Die bedeutendsten Waffenhersteller kommen aus Amerika. Sipri zählt Lockheed Martin aus den USA zum größten Rüstungskonzern der Welt. Das Unternehmen produziert unter anderen Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge. Dahinter folgen BAE System aus Großbritannien, der US-Flugzeugbauer Boeing, Northrop Grumman (USA), General Dynamics (USA), Ratheon (USA). Danach folgen der europäische Konzern Eads, der unter anderen den Eurofighter, Satelliten und die Transportmaschine A400M herstellt, Finmeccanica aus Italien, L-3 Communication (USA) und United Technologies (USA).

Deutsche Firmen sind nicht unter den Top-30 der größten Rüstungsproduzenten vertreten. Es sei denn, man zählt Eads dazu, an der Daimler mit rund 23 Prozent beteiligt ist. Der Konzern unterhält unter anderem in Hamburg und Machning große Produktionsstandorte. Das Unternehmen Rheinmetall, das die Bundeswehr und andere Streitkräfte mit dem Kampfpanzer Leopard 2, dem Schützenpanzer Puma oder dem Transportpanzer Fuchs ausrüstet, liegt laut Sipri auf Platz 32 der weltweit größten Rüstungsschmieden. Krauss-Maffei Wegmann (KMW), ebenfalls ein Produzent von Panzern und geschützten Fahrzeugen, auf Platz 50 und ThyssenKrupp, auf dessen Werften moderne U-Boote und andere Kriegsschiffe gebaut werden, auf Platz 53. Von diesen drei Unternehmen verfügen zwei über große zivile Sparten, bei ThyssenKrupp macht der Waffenverkauf etwa nur rund drei Prozent vom Umsatz, bei Rheinmetall 55 Prozent aus. Zu den größeren deutschen Rüstungsunternehmen gehört außerdem Diehl und MTU, das unter anderen Flugkörper und Artilleriegeschosse fertigt.

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(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE)