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Archive for the ‘David Petraeus’ Category

Diplomat in Uniform

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Der neue Isaf-Kommandeur soll in Afghanistan seinen Irak-Erfolg wiederholen

Von Hauke Friederichs

Auf Fotos schaut er, wie man sich einen amerikanischen Marine vorstellt: ernst, entschlossen, kompromisslos. John R. Allen, General der US-Marineinfanterie und neuer Kommandeur der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf), gehört dabei nicht zu den Haudraufs des amerikanischen Militärs. Er gilt als gewiefter Stratege, als Diplomat in Uniform und zählt nach den Einschätzungen der US-Medien zu den herausragenden Köpfen der Generalität. Als Kommandeur der Isaf übernimmt er nun die schwierigste Aufgabe, die das amerikanische Militär derzeit zu vergeben hat. Er soll den Abzug der US-Truppen vom Hindukusch bis 2014 möglich machen, ohne dass Afghanistan im Chaos versinkt.

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General Allen übernimmt das Isaf-Kommando

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Der amerikanische General John R. Allen hat das Kommando über die Internationale Schutztruppe (Isaf) übernommen. Er löst General David Petraeus ab, der in wenigen Tagen die Leitung des US-Geheimdienstes CIA übernehmen wird.

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Obama befördert Petraeus – Gates geht in Rente

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US-Präsident Barack Obama baut anscheinend sein Kabinett um: Verteidigungsminister Robert Gates geht auf eigenen Wunsch in den Polit-Ruhestand. Der Republikaner diente bereits George W. Bush als Verteidigungsminister. Ihm soll der aktuelle CIA-Direktor Leon Panetta nachfolgen, das berichten zahlreiche US-Medien einhellig.

Doch damit ist die Spitzenpersonal-Rochade nicht vorbei. In Washington heißt es, dass Panettas Posten künftig von David Petraeus übernommen werden soll. Der Vier-Sterne-General verantwortet momentan noch die Afghanistan-Mission der Nato.

Petraeus, dem seit langem Karrierepläne in Washington nachgesagt werden, soll das Kommando in Kabul an Generalleutnant John Allen übergeben. Der General hat momentan den Posten des stellvertretenden Kommandeurs des US-Zentralkommandos Centcom inne.

Robert Gates war in seiner Karriere ebenfalls CIA-Chef, bevor er Verteidigungsminister wurde – ob das etwas für Petraeus berufliche Zukunft bedeutet, bleibt offen. Sein Vorgänger als Isaf-Kommandeur, Stanley Mc Chrystal, hatte in einem Interview mit dem Magazin Rolling Stone bereits deutlich gemacht, dass er sich für einen besseren Verteidigungsminister hielt als alle Kandidaten aus der Politik. Petraeus tritt bescheidener auf – ins Pentagon dürfte er aber besser passen als in die CIA-Zentrale nach Langley in Virginia. Der neue Verteidigungsminister ist bereits schon 72 Jahre alt.

Bevor hier weiter spekuliert wird, muss Obama erstmal die Wechsel offiziell bestätigen. Im Sommer, so heißt es, sollen Panetta und Petraeus ihre neuen Aufgaben übernehmen.

(Quellen: http://ml.spiegel.de/article.do?id=759293 / http://www.sueddeutsche.de/politik/obama-personalwechsel-im-pentagon-cia-chef-soll-neuer-verteidigungsminister-werden-1.1089916 / http://edition.cnn.com/2011/POLITICS/04/27/defense.panetta/index.html)

„Wir kämpfen zusammen, wir sterben zusammen“

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Auf Handgranatenwurfweite sei die Bundeswehr am Gegner dran, sagt der deutsche Generalmajor Fritz im Interview. 2011 werde das entscheidende Jahr für Afghanistan.

ZEIT ONLINE: Herr General, in Berlin diskutiert die Politik über das Datum des Abzugs. Ende 2011 könne dieser beginnen, sollte die Sicherheitslage das hergeben, steht im Mandatsentwurf der Bundesregierung. Halten Sie es aus militärischer Sicht für möglich, dass die Zahl der Soldaten reduziert wird?

Generalmajor Hans-Werner Fritz: Ich wünsche mir, dass die Sicherheitslage jeden Tag besser wird. Ausschließen kann ich aber nicht, dass wir noch einige harte Wochen und Monate vor uns haben. Dieses Jahr könnte für Afghanistan das entscheidende werden. Aus militärischer Sicht nähern wir uns einem Kulminationspunkt. Das heißt, wir sind immer noch auf der schwierigen Seite des Berges, wir sind noch nicht auf dem Gipfel. Wenn wir am Ende des Jahres feststellen, dass wir Spielräume haben für eine Truppenreduzierung, dann kann man darüber nachdenken. Am Ende ist das eine politische Entscheidung. Der militärische Rat kann nur sein: Lasst uns sachlich beurteilen, wo wir stehen. Und: wie können wir verhindern, dass das gefährdet ist, was bisher erreicht wurde.

ZEIT ONLINE: Vor Kurzem haben hier in Masar-i-Scharif viele Soldaten ihr Bergfest gefeiert – sie haben die Hälfte ihrer Einsatzzeit hinter sich gebracht. Sie nähern sich dem Ende ihrer Zeit als Kommandeur des Regionalkommandos Nord. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Fritz: Wir haben eine sehr fordernde Zeit hinter uns gebracht, vor allem die Soldaten, die draußen an den Operationen beteiligt waren und noch sind. Ich glaube, dass wir das Jahr 2010 mit einer sehr guten Bilanz abschließen können. Wir haben uns in den zurückliegenden Monaten vor allem um die Provinzen Kundus und Baghlan gekümmert. Dort gab es einige Taliban-Hochburgen. Außerdem verlaufen durch die Region sehr wichtige Straßen, die für die Versorgung von Isaf, aber auch der Zivilbevölkerung von großer Bedeutung sind. Heute sind wir im Norden sehr viel weiter als noch vor einigen Monaten. Wir waren in Gegenden drin, sind drin und werden auch drin bleiben, von denen wir bisher nicht annehmen konnten, dass man dort überhaupt rein kann.

ZEIT ONLINE: Isaf-Kommandeur David Petraeus verfolgt einen Vier-Stufen-Plan. Die Soldaten der Schutztruppe sollen Aufstandsgebiete aufklären, säubern, halten und dann wiederaufbauen. In welcher Phase sind Sie im Norden?

Fritz: Es ist ja Gott sei Dank so, dass nicht überall im Regionalkommando Nord gekämpft wird. Man muss jede Provinz einzeln betrachten. Auch in den Bereichen, wo wir kämpfen, fragen wir uns, bevor wir militärisch agieren, was wir beim zivilen Wiederaufbau machen können. Dazu sprechen wir mit den Leuten und fragen, was sie brauchen. Die Menschen wünschen sich meist sauberes Trinkwasser, Elektrizität, Verkehrsinfrastruktur, Schulen oder eine bessere Gesundheitsfürsorge. Es ist wichtig, dass wir in dem Moment, in dem wir mit militärischen Operationen anfangen, gleichzeitig an den Wiederaufbau denken.

ZEIT ONLINE: Kämpfen und aufbauen – wie geht das gleichzeitig zusammen?

Fritz: Ein Beispiel: Bei einer Operation südwestlich von Kundus haben wir sofort nachdem das Schlimmste vorbei war, mit Aufbauprojekten begonnen. Ein paar Tage nach schweren Gefechten haben Pioniere bereits Stromleitungen verlegt. Das kam bei der Bevölkerung gut an. Sie spüren unmittelbar, dass die Lage mit der Isaf besser für sie wird. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir dann auch mit mittel- und langfristigen Projekten weitermachen – etwa dem Straßenbau oder der Errichtung von Schulen.

(…)

Die Fragen stellte Hauke Friederichs

(Das ganze Interview finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://mobil.zeit.de/politik/deutschland/2011-01/bundeswehr-interview-fritz)

Fragile Erfolge am Hindukusch

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Das Parlament stimmt über das Isaf-Mandat ab. Die Lage im Norden Afghanistans hat sich verbessert. Die bange Frage lautet: für wie lange?

Von Hauke Friederichs, Kundus

Marder stehen neben Dingos, Füchse neben einem Yak. Im Innenhof des Polizeihauptquartiers (PHQ) in Chahar Darreh parken die wuchtigen Militärfahrzeuge dicht an dicht. Die gepanzerten Fahrzeuge und Panzer sind schlammverschmiert. Ständig fahren die Soldaten in den vergangenen Tagen mit ihren Fahrzeugen, die das deutsche Heer traditionell nach Wildtieren benennt, hinaus in Gebiete, die sie vor einem halben Jahr noch nicht betreten konnten. Die Aufständischen in Nordafghanistan haben an Boden verloren – und das nicht nur umgangssprachlich.

Vom PHQ aus rücken die die deutschen Infanteristen, Pioniere und Aufklärer des Ausbildungs- und Schutzbataillons zu Offensiven in Regionen aus, die bis vor Kurzem noch als „Indianerland“ galten, in dem die Taliban herrschen. Damit ist es nun vorbei. Die Sicherheitslage sei so gut wie lange nicht mehr, sagen hochrangige Offiziere. Deutsche Diplomaten und Entwicklungshelfer sowie afghanische Offizielle bestätigen das.

Die Aufständischen sind aus Kundus und Baghlan in benachbarte Provinzen geflohen, oder sie haben ihre Waffen versteckt und sich unter die Zivilbevölkerung gemischt. „Im Frühjahr wird sich zeigen, ob die verbesserte Sicherheitslage Bestand hat“, sagt ein hochrangiger deutscher Offizier, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Nach Ende des Winters beginnen die Taliban und andere Aufständische traditionell ihre Offensiven. Doch dieses Mal könnte der Aufstand tatsächlich geschwächt sein, sagt der Bundeswehroffizier, der in Masar-i-Scharif stationiert ist.

Gründe dafür gebe es viele – der Offizier verweist auf das Nachbarland. In Pakistan haben Erdbeben und Hochwasser die Infrastruktur der Taliban und des Haqqani-Netzwerkes, einer radikalen Aufstandsgruppe, zerstört. „Dort gibt es kaum noch sichere Häuser für die ausländischen Kämpfer“, sagt der Offizier. „In diesem Winter können sie nicht dorthin zurück.“ Ein weiterer Grund sei, dass die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) und auch die Deutschen in diesem Winter nicht mit Angriffen aufgehört haben.

Die neu aufgestellten Ausbildungs- und Schutzbataillone mit je 750 Soldaten in Masar-i-Scharif und Kundus hätten den Gegner zurückgedrängt, heißt es bei der Bundeswehr. Viel mehr Soldaten seien nun draußen. Außerdem habe sich die Ausstattung verbessert. Mit den drei Panzerhaubitzen stehe der Truppe nun Kampfunterstützung durch schwere Artillerie zur Verfügung. Gleichzeitig sei die Zahl der Schützenpanzer und geschützter Fahrzeuge deutlich erhöht worden.

Durch die ständigen Angriffe der Amerikaner mit Drohnen hätten die Aufständischen viele erfahrene Führer verloren, die sich nicht so schnell ersetzen ließen. Kämpfer, die wegen des Soldes und nicht aus ideologischen Gründen gegen die Isaf und die afghanische Regierung ins Feld zögen, seien verunsichert und scheuten zum Teil das hohe Risiko. Das gelte auch für die in Nordafghanistan lebenden Aufständischen, die nachts vor allen von amerikanischen Spezialkräften, aber auch vom deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) gejagt würden.

Während der Operation Halmazag griffen deutsche Fallschirm- und Gebirgsjäger gemeinsam mit Amerikanern und Afghanen einige Hochburgen der Taliban an. In mehreren Gefechten vertrieben oder töteten Isaf-Soldaten zahlreiche Aufständische. Auch Isa Khel wurde von der Isaf erobert. In dieser Ortschaft starben am Karfreitag 2010 drei deutsche Soldaten bei einem Sprengfallenanschlag. Kämpfer der Taliban posierten anschließend vor dem zerstörten Fahrzeug und ließen sich fotografieren, die Bilder gingen um die Welt. Auch das Fahrzeug wurde zurückerobert. Deutsche Soldaten stellten Ende vergangenen Jahres das Wrack des Dingos sicher, berichtet der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Hans Werner Fritz, mit Genugtuung.

Laut dem Bundeswehroffizier aus Masar hat sich auch die starke Truppenaufstockung der Amerikaner bezahlt gemacht. Die 5000 US-Soldaten und vor allem die rund 60 Hubschrauber sorgten im Norden für deutlich mehr militärische Möglichkeiten.

Einige Gebiete im Norden seien mittlerweile so gesäubert, dass sich dort kaum noch ausländische Kämpfer aufhielten. Das Säubern – im Militärenglisch clear – stellt den zweiten Schritt in der Aufstandsbekämpfungsstrategie von Isaf-Kommandeur David Petraeus dar. Die erste Phase beginnt mit der Aufklärung des Einsatzgebietes, dann kommt das Säubern, anschließend die Phase des Haltens (hold). Dann sieht die Counter Insurgency Strategie (COIN) des US-Generals build vor, den Wiederaufbau. Petraeus Strategie, die in einer ähnlichen Form bereits im Irakkrieg eingesetzt worden ist, scheint in Nordafghanistan erste Erfolge zu zeitigen.

Ein Puzzleteil in der Aufstandsbekämpfungsstrategie der Nato stellen zudem die Aussteigerprogramme dar. Aufständische, die bisher die Zentralregierung in Kabul und die Isaf bekämpft haben, legen die Waffen nieder und bekommen dafür Geld. In feierlichen Zeremonien schwören sie der Regierung ihre Treue. Internationale Soldaten spotten darüber, das sei die afghanische Variante des Persilscheins. Bisher sei die Rückfallrate gering, sagt der deutsche Offizier: „Allerdings lässt sich vermuten, dass ein Teil der vermeintlichen Aussteiger das Programm nur nutzt, um über den Winter zu kommen, um dann im Frühjahr wieder Sprengfallen zu bauen und Hinterhalte zu planen.“ Die Aussteiger müssten ihre Personalien nennen, ihre biometrischen Daten würden erfasst. Männer, die zum Aufstand zurückkehrten, hätten es künftig deutlich schwerer abzutauchen.

(…)

(Quelle: ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/nordafghanistan-sicherheit)

Zehn Jahre Krieg – Wie al-Qaida die Welt veränderte

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2011 jähren sich zum zehnten Mal die Anschläge vom 11. September. Seither haben die USA, hat der Westen Krieg geführt. Nun ist Amerika kriegsmüde.

Von Hauke Friederichs

Amerika wird in diesem Jahr Trauer tragen – zumindest im September. Vor zehn Jahren wurden die Vereinigten Staaten von Amerika das erste Mal seit Pearl Harbor zu Hause angegriffen. In Manhattan stehen immer noch Kräne an dem Ort, wo einst die markanten Zwillingstürme des World Trade Center waren. Die Wunde der Stadt ist ebenso wenig verheilt wie die Wunde einer ganzen Nation. 19 Männer zeigten der Supermacht am 11. September 2001 mit vier Flugzeugen ihre Grenzen auf. Sie veränderten die Welt.

Niemand hat diese Bilder vergessen. Diese Aufnahmen, die nach einem Hollywood-Film aussahen und doch eine neue Wirklichkeit einläuteten: Um 8:46 Uhr Ortszeit schlug ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center ein. Aus einem gigantischen Loch quoll Rauch in den Himmel über Manhattan. 17 Minuten später raste eine zweite Maschine in den intakten Südturm. Sofort war klar: Das ist kein Unfall. Zwei Flugzeuge, die innerhalb von wenigen Minuten ein Gebäude treffen – das musste ein Anschlag sein.

Dann schlug um 9:37 Uhr ein drittes Flugzeug im Pentagon ein, dem berühmten Gebäude des Verteidigungsministeriums in Arlington bei Washington. Das Wahrzeichen amerikanischer Militärmacht war rußgeschwärzt, ein Loch klaffte in der Fassade, ein Großbrand brach aus. Eine vierte Maschine zerschellte auf einem Feld im Bundesstaat Pennsylvania. Vermutlich wollten sie die Terroristen in das Weiße Haus hineinsteuern.

Fast 3.000 Menschen kamen am 11. September ums Leben. Bis heute konnten hunderte Leichen nicht identifiziert werden.

Al-Qaida („die Basis“) hatte die zentralen Symbole Amerikas angegriffen: den Regierungssitz des Präsidenten, die Schaltzentrale der Landesverteidigung und ein Zentrum des internationalen Finanzmarktes. Vor den Anschlägen war das Terrornetzwerk nur Experten bekannt, nach dem 11. September kannte es die ganze Welt. Die USA erklärten al-Qaida den Krieg. Die Regierung Bush teilte die Welt in Gute und Schurken auf, rief den globalen Kampf gegen den Terror aus. Amerika, die einzig verbliebene Supermacht, Gewinner des Kalten Krieges, fühlte sich von einem Terrornetzwerk herausgefordert. Die Amerikaner wollten Osama Bin Laden, den Gründer von al-Qaida und das Gesicht des internationalen Dschihad, zur Rechenschaft ziehen. Doch der Terrorist hatte bei den Taliban in Afghanistan Unterschlupf gefunden.

Die Taliban, eine fundamentalistisch-islamistische Gruppierung, hatten 1998 in den afghanischen Bürgerkrieg eingegriffen. Viele ihrer Kämpfer kamen aus pakistanischen Koranschulen. Die Taliban wurden vom pakistanischen Auslandsgeheimdienst ISI finanziert, ausgerüstet und beraten. Geld erhielten sie auch aus den Golfstaaten. Sie rückten vom pakistanischen Stammesgebiet schnell in den Süden Afghanistans vor. Die Taliban sind fast ausschließlich Paschtunen, eine Volksgruppe, die im Süden Afghanistan die Mehrheit stellt. Im Norden des Landes wurden sie von der Nordallianz bekämpft, ein loses Bündnis von Kriegsherren der Usbeken, Hazara und Tadschiken, das von den Amerikanern kurz nach dem 11. September aufgerüstet und beraten wurde.

Mit amerikanischer Luftunterstützung und der Hilfe von US-Spezialkräften eroberte die Nordallianz 2002 Kabul. Die Taliban flohen nach Pakistan. Der Kampf gegen den Terror sah nach einem Erfolg aus. 2003 stand al-Qaida unter starkem Druck und am Rand des völligen Zusammenbruchs. Doch plötzlich verlor Afghanistan für die Regierung Bush rapide an Bedeutung. Die USA eröffneten mit dem Angriff auf den Irak eine zweite Front im Kampf gegen den Terror. Sie begründeten die Attacke mit den angeblichen Beziehungen des Diktators Saddam Hussein zu al-Qaida und dem vermeintlichen Bau von Massenvernichtungswaffen. Beides konnte nicht bewiesen werden. Mit der Operation Iraqi Freedom rissen sie ein zweites Land in das Chaos eines brutalen Bürgerkrieges. Die Aufstandsbewegungen gegen die „Besatzer“ sind in beiden Ländern bis heute aktiv – vor allem in Afghanistan.

Als die Kriege begannen, sprachen die Falken im Kabinett des damaligen Präsidenten George W. Bush noch von gezielten Nadelstichen, mit denen der Feind im Kampf gegen den Terror in die Knie gezwungen werden würde. Doch bei Luftangriffen und beim Einsatz einiger weniger hochspezialisierter Einzelkämpfer blieb es nicht. Die US-Streitkräfte wurden in verlustreiche Bodenkämpfe verwickelt, denn die militärische Überlegenheit der Amerikaner bei der konventionellen Rüstung bringt in asymmetrischen Kriegen wie jenem im Irak wenig ein. Die Aufständischen töteten aus dem Hinterhalt mit Sprengfallen, Raketen und Scharfschützengewehren. Sie töteten so viele amerikanische Soldaten, dass die Regierung das Filmen der zahlreichen Zinksärge verbot, die auf amerikanischen Militärflughäfen ausgeladen wurden. In Afghanistan starben im zehnten Kriegsjahr noch Hunderte amerikanische Soldaten, seit 2002 fielen dort mehr als 2.200 US-Armeeangehörige. Im Irak waren es bislang doppelt so viele. Im US-Wahlkampf kam daher das Versprechen von Barack Obama, dem Kandidaten der Demokraten, den Krieg in Irak zu beenden, gut an. Als Präsident beendete er den Kampfeinsatz dann tatsächlich. Generell leitete Obama eine Wende in der amerikanischen Außenpolitik ein. Er setzt mehr auf Diskussion als auf Aggression. Doch den Hass der radikalen Islamisten auf sein Land konnte er mit Freundschaftsangeboten an die muslimische Welt – wie beispielsweise seiner Kairoer Rede – nicht mildern.

Auch in den USA gibt es Vorurteile gegenüber Muslimen. Der geplante Bau einer Moschee in der Nähe von Ground Zero, dem Ort, wo die Terroristen das World Trade Center zum Einsturz brachten, zeigte das im vergangenen Jahr deutlich. Die Diskussion darüber wurde hitzig geführt. Und dann kündigte ein unbekannter Pfarrer auch noch an, er wolle einen Koran verbrennen. Überall auf der Welt reagierten Muslime empört. Der Pfarrer verzichtete zwar auf seine Aktion, forderte im Gegenzug aber, dass die Moschee nicht am Ground Zero gebaut würde.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-01/zehn-jahre-krieg)

Afghanistan vor seinem Schicksalsjahr

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Deutsche Soldaten in Kundus. Neun Bundeswehrangehörige starben 2010 in Afghanistan

Deutsche Soldaten in Kundus. Neun Bundeswehrangehörige starben 2010 in Afghanistan

 

2010 war für die internationalen Truppen in Afghanistan das verlustreichste Jahr seit dem Einmarsch. Die Prognose für 2011 ist nicht besser.

Von Hauke Friederichs

Was für ein blutiges Jahr! Noch nie haben so viele internationale Soldaten ihr Leben in Afghanistan gelassen wie 2010. Sie wurden Opfer von Heckenschützen, Sprengfallen und Selbstmordattentätern, sie starben beim Beschuss mit Mörsergranaten, Raketen und Sturmgewehren. Die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) verlor im laufenden Jahr rund 700 Männer und Frauen, die Afghanische Nationalarmee (ANA) mehr als 800 Soldaten. Wie viele Aufständische, wie viele Zivilisten starben, weiß keiner – es dürften Tausende sein. Die schlechteste Nachricht ist jedoch: Für 2011 erwarten Experten keine Besserung.

Es ist kein Pathos, keine Übertreibung, die kommenden zwölf Monate als afghanisches Schicksalsjahr zu bezeichnen. 2011 soll der Abzug der internationalen Kampftruppen beginnen, so hat es US-Präsident Barack Obama angekündigt. Afghanistans Präsident Hamid Karsai will, dass sein Land die Sicherheitsverantwortung übernimmt – das wird die afghanische Armee hoffnungslos überfordern. Obama wird darauf keine Rücksicht nehmen. Er steht zu Hause unter Druck, ab Januar werden die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben und im Senat verfügen Obamas Demokraten nur über wenige Stimmen mehr als die Opposition. Der mächtigste Mann der Welt hat größere Sorgen als Afghanistan. Ende 2011 muss Obama mit dem Wahlkampf für seine angestrebte Wiederwahl 2012 beginnen. Seine wichtigsten Berater eröffnen im Januar das erste Wahlkampfbüro. Wer die Wahl gewinnen will, muss den Krieg beenden – zumindest wenn die Mehrheit der Wähler ihn ablehnt.

Im Irak hat Obama das getan und die Kampftruppen abgezogen. Zwar bleiben amerikanische Soldaten in den Feldlagern bei Bagdad und in anderen Großstädten, Spezialkräfte jagen weiter Terroristen und Ausbilder trainieren die irakischen Sicherheitskräfte. Schwere Verluste bringen diese Aufgaben der US-Armee nicht mehr bei. Ganz anders sieht die Mission in Afghanistan aus. Dort erobern US-Bodentruppen gemeinsam mit den Alliierten im Häuserkampf mühsam Dörfer und entschärfen Tag für Tag versteckte Sprengfallen – im zehnten Jahr des Krieges. Attentäter rekrutieren die Aufständischen mittlerweile sogar unter den Mitgliedern der afghanischen Armee und Polizei. Der Feind lauere überall, sagen amerikanische Soldaten.

Das ist fatal für die Isaf. Denn deren Kommandeur, David Petraeus, setzt auf das Partnering. Das bedeutet, dass internationale Infanterieeinheiten mit den afghanischen Sicherheitskräften gemeinsam ins Feld gehen. So soll das Vertrauen gestärkt werden, die Afghanen sollen von den erfahrenen Kampftruppen lernen. Doch mit jedem Anschlag eines Täters in Uniform schwindet das Vertrauen.

Nicht nur bei Anschlägen haben sich die Aufständischen der veränderten Taktik der Isaf angepasst: Sie reagieren flexibel, weichen aus und schlagen sogar im Winter zu. Traditionell begann in Afghanistan bei Eis und Schnee eine Zeit der Waffenruhe, weil die Gebirgspässe nicht passierbar sind.

Zu Beginn des Jahres 2010 hatte es eigentlich noch ganz gut ausgesehen. Der Surge der Amerikaner, der massive Truppenzuwachs auf insgesamt 130.000 internationale Soldaten also, hatte zunächst Erfolge gebracht: 300 Talibananführer seien gefangen genommen oder getötet worden, teilte die Isaf mit. Doch den verschiedenen Aufstandsbewegungen gelang es meistens schnell, die Verluste auszugleichen. An Freiwilligen mangelt es den Taliban und den anderen Gruppen nicht. Die Shura-Taliban, die von Mullah Omar vom pakistanischen Quetta aus geführt werden, schicken immer weitere Rekruten und Kriegsmaterial über die Grenze.

Amerikanische Offizielle sprechen dennoch von einem Sieg über al-Qaida. Das Terrornetzwerk von Osama bin Laden hatte mit den Anschlägen vom 11. September 2001 den Afghanistaneinsatz ausgelöst. Die Terroristen zu besiegen, war eines der wichtigsten Kriegsziele. Viele Ausbildungslager wurden zerstört, wichtige Anführer festgenommen und getötet. Doch al-Qaida ist wie eine Hydra, schlägt man einen Kopf ab, wachsen weitere nach. Die wichtigsten Männer der Organisation, bin Laden und sein Stellvertreter Ayman al-Zawahiri, sind seit fast zehn Jahren die meistgesuchten Männer der Welt. Als Anführer braucht die zweite und dritte Generation von al-Qaida sie nicht mehr. In Somalia, im Jemen, in Irak, in Nordafrika und in Pakistan sind Untergruppen mit eigener Führung entstanden und neue Rückzugsräume, in denen Terrorjünger ausgebildet werden. Das Ziel, al-Qaida auszuschalten, wurde nicht erreicht.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE)