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Archive for the ‘KSK’ Category

Das Ende der alten Bundeswehr

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Deutsche Soldaten in Kundus

Deutsche Soldaten in Kundus / Foto: Hauke Friederichs

Sie kämpfen, sie töten, sie sterben: Zehn Jahre nach dem 11. September üben die Soldaten der Bundeswehr einen völlig anderen Beruf aus als früher.

Von Hauke Friederichs

Wie überall auf der Welt liefen am 11. September 2001 auch in den deutschen Kasernen die Fernseher. Wie so viele Menschen hatten auch die meisten Soldaten an diesem einschneidenden Tag das Gefühl, dass sich nun vieles ändern würde. Angehörige der deutschen Spezialkräfte ahnten wohl bereits, dass ein neuer Einsatz auf sie zukommen würde. Dass aber die Bundeswehr zehn Jahre später kaum mehr wiederzuerkennen sein würde, dass haben sich wohl die wenigsten vorstellen können. Nicht alles davon ist eine Folge der Terroranschläge von New York und Washington. Aber vieles.

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Gefangen in der Kriegsfilm-Endlosschleife

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Der traumatisierte Afghanistan-Veteran Robert Sedlatzek-Müller ringt mit der Bundeswehr um den Grad seiner Wehrbeschädigung. Im Mai wird er Vater, im Juni arbeitslos.

Die Arme zittern, die Finger brennen. Doch Robert Sedlatzek-Müller ignoriert den Schmerz, er wirft einen Arm nach oben, hangelt nach dem nächsten Griff, packt zu, findet Halt. Dann zieht sich weiter in die Höhe. Sein ausgemergelter Körper klebt in fünf Metern Höhe an einer Kletterwand. Von unter sichert ihn der beste Freund mit einem Seil gegen den freien Fall.

Solch ein Seil vermisst Sedlatzek-Müller in seinem Leben. Der Bundeswehr-Veteran, der in Afghanistan und im Kosovo gedient hat, leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die Kriegserlebnisse lassen ihn nicht los. In seinem Kopf mischen sich Bilder vom Kampf gegen die UCK auf dem Balkan, vom Verirren im Minenfeld, von der verzweifelten Suche nach einer Geisel mit der Erinnerung an die Raketenexplosion bei Kabul. Sie zerfetzte Sedlatzek-Müllers Trommelfelle, tötete vier seiner Kameraden und änderte das Leben des Elite-Soldaten radikal. In seinen Träumen in der Nacht und den Flashbacks am Tag, läuft ein ganz privater Kriegsfilm in Endlosschleife.

In wenigen Wochen endet seine Ausbildung zum Erzieher, die er an einer Fachschule der Bundeswehr in Hamburg absolviert. Ob er die Abschlussprüfung besteht, weiß Sedlatzek-Müller noch nicht. Seine PTBS bringt eine Konzentrationsschwäche mit sich, das Lernen fällt dem früheren Unteroffizier der Fallschirmjägertruppe schwer. Wenn er ein Fachbuch lesen muss, beginnt er immer wieder beim ersten Satz.

Besonders schlimm wird es, wenn die Medien über Anschläge in Afghanistan berichten. Die Toten und Verletzten, die die Bundeswehr in den vergangenen Wochen in Afghanistan zu beklagen hat, werfen ihn immer wieder aus der Bahn. Düstere Tage sind das, an denen Sedlatzek-Müller mit der Welt, mit dem Leben fremdelt.

Ein Freund und Kamerad von den Fallschirmjägern liegt schwer verletzt in einem Bundeswehrkrankenhaus. Die Explosion einer Sprengfalle zerfetzte seinen Arm. Sedlatzek-Müller besucht ihn oft. Er weiß, wie der Freund sich fühlt. Er selbst wurde 2002 schwer verletzt mit einem Airbus der Luftwaffe aus Afghanistan ausgeflogen. Nach der Landung am Flughafen Köln-Wahn versprach der damalige Verteidigungsminister den Verwundeten unbürokratische Hilfe. Darauf wartet Sedlatzek-Müller bis heute. Ende Mai endet seine Zeit bei der Bundeswehr endgültig. Untherapiert, krank und von der Armee alleingelassen steht er in der nächsten Runde beim Schattenboxen gegen die Behörden.

Beim Klettern, beim Laufen mit seinem alten Diensthund Idor oder beim Bogenschießen versucht er Ruhe zu finden und Frust und Stress zu vergessen. Manchmal zerreißt es Sedlatzek-Müller fast, wenn ihn wieder dieser zügellose Zorn zu packen droht, er vor seiner hochschwangeren Frau aber nicht ausrasten will. Nicht immer gelingt ihm das, zu häufig waren die Rückschläge in den vergangenen Wochen.

Für ihn und andere Veteranen kämpfen die Deutsche Kriegsopferfürsorge und der Bund Deutscher Veteranen. Ohne die Hilfe der Mitglieder untereinander, die, wenn es nötig ist, ins Auto springen und Hunderte Kilometer fahren, um sich beizustehen, hätte Sedlatzek-Müller wohl schon aufgegeben. Dabei sah es vor wenigen Wochen noch ganz gut aus: Der Bundestag brachte ein Gesetz auf den Weg, das die Situation von versehrten Veteranen verbessern sollte. Sedlatzek-Müller saß auf der Zuschauertribüne im Reichstagsgebäude, als die Parlamentarier darüber diskutierten. Doch mittlerweile scheint das Verteidigungsministerium nicht alle Punkte umsetzen zu wollen. Vor allem die Herabsetzung der Wehrbeschädigung von 50 auf 30 Prozent als Messlatte für eine bessere staatliche Versorgung finden die Beamten kritisch. 

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/veteran-afghanistan-ptbs)

„Man kann einen Krieg nicht mit Transportfahrzeugen führen“

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Die Lage in Afghanistan hat sich verbessert, sagt der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus. Die Sicherheit der Soldaten dürfe nun aber nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen.

ZEIT ONLINE: Herr Königshaus, als sie vor acht Monaten das Amt des Wehrbeauftragten antraten, gab es Kritik an ihrer Wahl. Ihr Vorgänger, Reinhold Robbe von der SPD, wurde sogar von CDU-Politikern aufgefordert, erneut zu kandidieren. Nun wurden Sie in von allen Bundestagsfraktionen mit Lob überschüttet, weil Sie gleich mehrere Probleme in der Truppe offenlegten. Überrascht Sie das?

Hellmut Königshaus: Das Lob zeigt mir, dass einigen aufgefallen ist, dass ich mein Amt so ausfülle, wie es mancher vielleicht vorher nicht erwartet hat. Ich warte nicht nur, dass mich Beschwerden erreichen. Ich gehe gerade in die Bereiche hinein, aus denen ich nichts höre.

ZEIT ONLINE: Welche Bereiche der Bundeswehr meinen Sie damit?

Königshaus: Es gibt Einheiten, in denen es, vorsichtig gesagt, nicht üblich ist, sich an den Wehrbeauftragten zu wenden. Gerade bei den Truppenteilen, die sich als Elite fühlen, ist das gelegentlich so. Wer sich nicht einfügen kann, ist zu schwach für uns, heißt es dann. Für den Einzelnen kann das dann sehr belastend sein.

ZEIT ONLINE: Ihre besondere Aufmerksamkeit scheint den Soldaten in Afghanistan zu gelten.

Königshaus: Ja, drei bis vier Mal pro Jahr möchte ich unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan besuchen. Ich komme auch gerade aus Kundus und Masar-i-Scharif wieder. Solche Besuche sind wichtig, um mit den Soldaten zu sprechen und ein realistisches, ungeschminktes Bild von der Lage zu bekommen. So kam auch die Geschichte mit der geöffneten Feldpost heraus.

ZEIT ONLINE: Die Feldpost-Affäre war das wohl spektakulärste Ergebnis ihrer Reise. Was haben Sie sonst aus Afghanistan mitgenommen?

Königshaus: Eine Erkenntnis ist, dass sich im deutschen Mandatsgebiet die Sicherheitslage durch die Arbeit unserer Soldaten verbessert hat. Vor meinem Amtsantritt hatte ich auf die ungenügende Ausrüstung der Soldaten in Afghanistan hingewiesen – und wurde dafür heftig kritisiert. Nun hat sich gezeigt, dass ich damals Recht hatte.

ZEIT ONLINE: Sie forderten damals auch den Einsatz des schweren Kampfpanzers Leopard 2, der aber noch nicht in Afghanistan genutzt wird.

Königshaus: Der Leopard 2 war damals nur ein Beispiel unter vielen, das ich gebracht habe. Ich hatte auch mehr Schützenpanzer vom Typ Marder gefordert, und dazu ist es ja gekommen. Und die Amerikaner unterstützen uns inzwischen zudem mit ihren Hubschraubern. Außerdem haben wir mittlerweile mit der Panzerhaubitze 2000 ein viel schwereres Kaliber, als den Leopard 2 in Afghanistan stationiert. Die Soldaten begrüßen die Artillerie sehr, sie fühlen sich sicherer, wenn sie in deren Radius operieren.

ZEIT ONLINE: In Deutschland wurde die Entsendung der schweren Geschütze und das härtere Vorgehen kritisiert.

Königshaus: Nicht von allen. Es ist aber eine Tatsache, dass sich die Lage dank des robusteren Vorgehens stark verbessert hat. Und die Soldaten sind auch zufriedener. Für sie gibt es nichts Schlimmeres, als wenn sie sich ständig „einigeln“ müssen. Es ist doch so: Wenn  man sagt, der Einsatz der Bundeswehr sei wie im Krieg, dann braucht die Truppe auch Waffen wie im Krieg. Man kann einen Krieg nicht mit Transportfahrzeugen führen.

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Die Fragen stellte Hauke Friederichs

(Das ganze Interview finden Sie auf ZEIT ONLINE)

KSK soll Terrornetzwerke ausschalten

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Deutsche Soldaten in Kundus

Deutsche Soldaten in Kundus / Foto: Hauke Friederichs

Ein Nein zum gezielten Töten durch Deutsche, ein Ja zum Ausschalten von Taliban durch das KSK – Isaf-Sprecher Josef Dieter Blotz im Tagesspiegel-Interview über die Einsätze des Kommandos Spezialkräfte.

Die Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) jagen in Afghanistan Taliban und Terroristen, um diese gezielt auszuschalten. Das sagt der Sprecher der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf), der deutsche Brigadegeneral Josef Dieter Blotz im Interview mit dem Tagesspiegel. „Gezielte Tötungen durch Spezialkräfte der Bundeswehr hat das Verteidigungsministerium definitiv ausgeschlossen. Das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ist jedoch auch dafür eingesetzt worden, Netzwerke von Extremisten auszuschalten.“

Blotz forderte zudem, das gezielte Töten von bewaffneten Gegnern, die Angriffe auf die Isaf oder deren Verbündete planten, nüchterner zu sehen. „Es ist völlig klar und verständlich, dass Extremisten, deren Hauptbeschäftigung darin besteht, unsere Soldaten zu erschießen und in die Luft zu sprengen, verfolgt und bekämpft werden müssen. Wenn man über Informationen verfügt, wo solche Extremisten zu finden sind, muss versucht werden, diese auszuschalten, noch bevor sie unsere Soldaten angreifen können.“

So offen hat selten ein deutscher General über den Einsatz der Spezialkräfte gesprochen. Unter Verteidigungsminister Franz-Josef Jung waren die Operationen des KSK, der Fernspäher und anderer Spezialisten mehr als streng geheim. Lediglich eine erfolgreiche Festnahme eines Talibananführers durch das KSK wurde an die Presse gegeben. Den Gefangenen übergab das KSK an afghanische Behörden. Der Mann soll verschwunden sein – entweder in einem Geheimdienstgefängnis oder durch Bestechung in die Freiheit entkommen sein.

Die Einsätze des KSK bergen stets das Risiko, die Mandatsgrenzen des Bundestages sehr weit auszudehnen. Deswegen und um die Missionen nicht zu gefährden, dringt aus dem Bendlerblock wenig Offizielles in dem Punkt.

Was das KSK sonst in Kundus oder Masar-i-Scharif macht, wurde vom Verteidigungsministerium nach dem Ende der Operation Endurung Freedom (OEF) meist mit Sicherung der Feldlager umschrieben. Das OEF-Mandat deckte das harte militärische Vorgehen gegen Terroristen und Aufständische. Das KSK kämpfte in den ersten Jahren des Krieges noch eng an der Seite amerikanischer und britischer Spezialkräfte. Die deutschen Spezialkräfte sollen von US-Kollegen viel Lob bekommen haben. KSK-Männer erhielten sogar Auszeichnungen der Amerikaner. Allerdings hält sich auch das Gerücht, dass KSK-Soldaten bei einem Einsatz im Höhlensystem Tora Bora eine Gruppe hochrangiger Taliban- und al-Qaida-Füherer haben entkommen lassen.

Das Interview im Tagesspiegel dürfte im politischen Berlin für Wirbel sorgen. Denn mehrere Abgeordnete der SPD, Grünen und Linkspartei hatten in den vergangenen Wochen gefordert, mehr Informationen über die Spezialkommandos zu erhalten. Dass die Taskforce 47, die zur Hälfte aus KSK-Männern besteht, auch auf Terroristenjagd geht, ist bekannt. Wie offen die Bundeswehr (denn die Aussagen Blotz‘ wurde sicherlich vom Ministerium freigegeben und vorher gründlich gelesen) nun mit dem KSK umgeht, ist neu.

Blotz verrät weiter, dass die Zahl der deutschen Spezialkräfte am Hindukusch ganz wesentlich erhöht wurden. „Wir brauchen genau diese Spezialkräfte, um Taliban-Netzwerke effektiv ausschalten zu können.“ Bei 80 Prozent der Spezialkräfteeinsätze falle kein einziger Schuss, versucht der Brigadegeneral zu beruhigen.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor einigen Wochen angekündigt, dass zwar die deutschen Kampftruppen in den kommenden Jahren aus Afghanistan abgezogen werden. Es müssten dann aber BND-Agenten und Spezialkräfte bleiben, um zu verhindern, dass das Terrornetzwerk al-Qaida erneut in Afghanistan Trainingslager errichtet. Das KSK dürfte also noch einige Jahre am Hindukusch bleiben.

(Quelle der Zitate: Der Tagesspiegel. 17. August 2010, S. 1 + 2)