Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Archive for the ‘Generalität’ Category

Der Kosovo-Einsatz ist noch lange nicht zu Ende

with one comment

Die Ausschreitungen im Kosovo stellen die ehrgeizigen Abzugspläne der Nato infrage. Die Schutztruppe wird noch Jahre in der Region bleiben müssen.

Von Hauke Friederichs

Der Mob kam mit Äxten und Molotowcocktails, griff den Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovos an, legte Feuer und schoss auf Soldaten der internationalen Schutztruppe Kosovo Force (KFor). Grenzschutzbeamte, Zöllner und Soldaten zogen sich über die Grenze nach Serbien zurück, verletzt wurde anscheinend niemand. Die KFor reagierte umgehend, verlegte zusätzliche Soldaten in die Region und übernahm die Grenzsicherung. Auch die deutsche Einsatzkompanie, rund 120 Soldaten, wird nun in der Nähe von Mitrovica an der Grenze eingesetzt. Der KFor-Kommandeur, der deutsche Generalmajor Erhard Bühler, vermittelte zwischen Serben und Kosovo-Albanern.

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Die Bundeswehr kämpft gegen die Gerüchte

leave a comment »

Beide Gegner sind schwer zu fassen, der eine kämpft aus dem Hinterhalt mit Sprengfallen und Selbstmordattentätern. Der Andere spukt in den „Köpfen und Herzen der Menschen“ in Afghanistan, die auch die Internationale Schutztruppe (Isaf) für sich gewinnen will: Aufständische und Gerüchte beschäftigen die Bundeswehr in Nordafghanistan.

Der Spiegel berichtet, dass nach dem Anschlag auf ein hochrangiges Treffen zwischen afghanischen Sicherheitskräften und Isaf-Vertretern, die Menschen in Taloquan den Ausländern die Schuld geben. Bei dem Terrorakt starb der afghanische General Daud, zwei Bundeswehrsoldaten und weitere Anwesende. Der deutsche Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Markus Kneip, wurde schwer verletzt. Dennoch sorgten Gerüchte dafür, dass die Isaf immer unbeliebter würde, schreibt der Spiegel. Den Ausländern, den Charidschi, geben Mullahs und Offizielle, trotz der Toten die Schuld.

Ein Bruder Dauds habe behauptet, ausländische Soldaten hätten seinen Bruder ermordet. In Taloqan, das im vergangenem Jahr noch als ruhig galt, hatten Aufständische zuletzt die Bundeswehr mehrfach attackiert.

(Quelle: Spiegel, Nr. 23 /2011 / Bundeswehr)

Deutscher Soldat stirbt bei Sprengstoffanschlag in Nordafghanistan

with 2 comments

Erneut haben Aufständische in Nordafghanistan die Bundeswehr angegriffen. Bei einem Anschlag mit einem versteckten Sprengsatz auf einen Schützenpanzer Marder der 2. Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons Masar-i-Scharif starb ein deutscher Soldat, fünf weitere wurden verwundet.

„Heute gegen 07:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wurde auf deutsche Kräfte des Ausbildungsschutzbataillons Mazar-e Sharif in der Provinz Baghlan im Raum Baghlan-e-Jadid, im sogenannten Kandahari-Gürtel, 36 km südlich Kunduz ein Sprengstoffanschlag verübt“, teilte das Einsatzführungskommando in Potsdam am Donnerstag mit.

(Quelle: Mitteilung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, 2. Juni 2011)

Gelähmt, uneinig, beschämend

leave a comment »

Die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik wurde schon lange nicht mehr so gescholten, wie in den vergangenen Tagen. Die Enthaltung im Weltsicherheitsrat bei der Abstimmung über eine Resolution gegen Libyen an der Seite Chinas, Russlands, Indiens und Brasiliens erzürnt viele Außenpolitiker – auch in Reihen der Union. Vor den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Würrtemberg äußern sich aber vor allem die Opposition und Ehemalige laut.

So griff Ex-Außenminister Joschka Fischer seinen Nachfolger Guido Westerwelle in einem Gastkommentar in der Süddeutschen Zeitung ungewöhnlich scharf an. „Die deutsche Politik hat in den Vereinten Nationen und im Nahen Osten ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt, der Anspruch der Bundesrepublik auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat wurde soeben endgültig in die Tonne getreten, und um Europa muss einem angst und bange werden.“

Ehemalige Generäle sprachen in Interviews von einem deutschen Verhalten im Weltsicherheitsrat, das sie beschäme. „Deutschland hat zum ersten Male seit 1949 einen Alleingang gewagt – und sich selbst international isoliert“, schrieb der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Naumann im Handelsblatt.

Die Nato und die Europäische Union wirkten in der Libyen-Krise tagelang handlungsunfähig. „Jeder Tag, den die Nato länger über die Führungsrolle diskutiert, schadet der Allianz“, sagte Hans-Peter Bartels, Verteidigungsexperte der SPD gegenüber ZEIT ONLINE. „Wir sehen hier, wie schwierig der Übergang von nationaler Außenpolitik hin zur gemeinsamen Politik im Bündnisrahmen ist.“

Die Bundesregierung habe dazu beigetragen, dass das Vorgehen der EU so uneinheitlich sei – am Zwist innerhalb der Nato trage Paris die Verantwortung: „Die Nato leidet auch darunter, dass Frankreich eine besondere Rolle spielen will.“

Die Nato wirke gelähmt, sagte Omid Nouripour, sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen. „Die Spaltung der Nato begann bereits im Sicherheitsrat, und daran trägt Deutschland die Schuld.“ Er warnt davor, den Einsatz für eine leichte Aufgabe zu halten. „Sogar die Nato kann nicht einfach so eine Flugverbotszone überwachen – auch wegen der Größe des Landes“, sagte Nouripour. „Mit einem Flugzeugträger wie der USS Enterprise können sie eine Stadt wie Bengasi vor Gadhafis Truppen schützen, aber nicht den gesamten Luftraum kontrollieren.“

(…)

(Quellen: Süddeutsche Zeitung – http://www.sueddeutsche.de/politik/streitfall-libyen-einsatz-deutsche-aussenpolitik-eine-farce-1.1075362 / ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-03/nato-libyen-krise / Handelsblatt – http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-hat-sich-international-selbst-isoliert/3969114.html )

De Maizière, Minister mit freundlicher Distanz

with one comment

Thomas de Maizière fragt viel und verspricht nichts. Sein Antrittsbesuch beim Heer zeigt, wie sehr sich der Verteidigungsminister von Vorgänger Guttenberg unterscheidet.

Von Hauke Friederichs

Rot ist besiegt, Blau hat gewonnen. Wie früher, als der Feind noch im Osten Europas stand, und die Bundeswehr die Armee der Landesverteidigung war, heißt der Gegner bei der Übung „Rot“. Vor wenigen Minuten haben die Soldaten von Blau eine Enge freigekämpft. Rot – Soldaten des Gefechtsübungszentrums in Letzingen – haben versucht, das Gelände zu verteidigen. Dann wurde „Übungsunterbrechung“ befohlen, damit Thomas de Maizière bei seinem ersten Truppenbesuch mit normalen Soldaten sprechen kann.

Am Mittwochvormittag war der Neue im Amt mit dem Hubschrauber im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Sachsen-Anhalt eingeschwebt. Dort trainieren die Panzergrenadiere die „Operation verbundener Kräfte“. Von einem mit Tarnnetzen behängten Lastwagenanhänger aus betrachtet de Maizière die übenden Panzergrenadiere.

Das Gefechtsübungszentrum des Heeres in der Altmark, im unaussprechlichen Militärjargon GefÜbZH genannt, gehört nach Angaben der Bundeswehr zu den modernsten Ausbildungseinrichtungen Europas. Dort simulieren die Ausbilder die Einsätze in Afghanistan oder Kosovo. Die Panzergrenadiere jedoch sind heute hier, um ihre Kernfähigkeit zu erhalten. Das Vorstoßen mit Panzern, das kennt de Maizière noch aus seiner eigenen Bundeswehrzeit. Er diente selber bei den Panzergrenadieren.

De Maizière schüttelt jedem Soldaten die Hand. Er lächelt, nickt. Und er hält Distanz – auch körperlich. Zwei Schritt entfernt steht er mit hinter dem Rücken gekreuzten Armen von den Männern, neben ihm der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Werner Freers. Die Panzergrenadier-Brigade führt den Namen Freistaat Sachsen. Das passe gut, sagt der Minister, schließlich sei Sachsen seine politische Heimat.

„Wie haben die Jungs das gemacht?“, fragt er einen Unteroffizier, der einen Schützenpanzer Marder kommandiert. „Ganz gut“, antwortet der Soldat kurz. „Nur ganz gut oder sehr gut?“, fragt de Maizière zurück. Die Männer lachen. Der Minister geht weiter, verzichtet auf joviale Gesten, auf das Posieren vor Kameras. Ein Großteil der Gespräche findet ohne die Presse statt, die ihn begleitet. Er tritt ganz anders auf als sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor etwas mehr als ein Jahr ebenfalls Letzlingen besucht hatte.

De Maizière fragt viel und verspricht nichts – außer, dass alles auf den Prüfstand komme. „Glauben Sie mir, dass ich schon viele Dokumente gelesen habe, aber das ist erst mein fünfter Arbeitstag“, sagt de Maizière.

Den ersten Tagesbefehl hat er bereits geschrieben, sich mit einer Rede bei den Mitarbeitern des Ministeriums vorgestellt und sich per Video an die Soldaten in den Einsatzgebieten gewandt. Am Donnerstag verabschiedet er den Vorgänger mit einem Großen Zapfenstreich.

Mit dem ersten Truppenbesuch tritt Thomas de Maizière ein schweres Erbe an. Denn Guttenberg ist bis heute bei den Soldaten extrem beliebt. Manch einer vermisst den smarten Freiherrn. „Der Kamerad de Maizière erreicht dessen Beliebtheitsgrad sicher auch noch“, sagt ein Panzergrenadier tapfer. „Ich meine, den Herrn Minister.“ Kamerad, das passte zu Guttenberg, zu seinem Nachfolger passt der Begriff nicht.

„Das ist ein guter Typ“, sagt ein Soldat. „Der wirkt auch ganz locker.“ Aber so wie der Guttenberg sei der Neue nicht – „natürlich nicht“. Es seien große Fußstapfen, in die de Maizière trete. Als Leistung des Vorgängers rühmen die Soldaten, dass er erstmals von Krieg in Afghanistan sprach.

De Maizière indes will nicht nur verbal etwas bewegen. Die Bundeswehr steht vor einer gigantischen Reform. Viel Zeit zum Ankommen im neuen Amt hat der neue Bundesminister für Verteidigung nicht. Die braucht er womöglich auch nicht: De Maizière hat in Sachsen innerhalb kürzester Zeit drei unterschiedliche Ministerien und die Staatskanzlei geleitet. An Ämterwechsel ist er gewöhnt.

(…)

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehr-besuch-maiziere)

Die Kämpfer schimpfen auf die Lagerbürokraten

with one comment

In der Bundeswehr wächst die Kluft zwischen Soldaten, die gegen Aufständische kämpfen, und jenen, die kaum die Feldlager verlassen.

Von Hauke Friederichs, Kundus

Der Koch klatscht mit einem großen Metallheber frittierten Seelachs auf einen Teller. Sein Nebenmann kippt rote Tomatensauce darüber und reicht den Teller einem wartenden Soldaten. Im neuen Küchengebäude im Feldlager Kundus in Nordafghanistan steht an diesem Abend Gulasch oder Fisch zur Wahl.

„Bitteschön, der Herr“, flötet einer der Köche dem Oberstabsgefreiten übertrieben freundlich hinterher. Er trägt ein makelloses weißes Oberteil, auf dessen Schulter die Deutschlandfahne aufgenäht ist. Der nächste Soldat in der Schlange sagt: „Ich hätte gerne dasselbe.“ Die Köche tauschen einen Blick. „Dasselbe oder das Gleiche?“, fragt einer der beiden. Der Oberstabsgefreite poltert los: „Ihr solltet lieber mal raus fahren, dann würde Euch Komikern das Scherzen vergehen!“ Er will sich kaum mehr beruhigen. „Kriegen für die Essensausgabe das gleiche Geld, wie wir fürs Kämpfen, so ein Scheiß!“ Sein Kamerad schiebt ihn langsam weiter. „Diese Lagerhanseln“, schimpft der Soldat.

Auf seiner Schulter prangt das Wappen der Task Force Kundus. So wird unter Soldaten das Ausbildungs- und Schutzbataillon genannt, das im August 2010 aufgestellt wurde. Die 750 Mann starke Task Force besteht aus Fallschirmjägern, Pionieren, Sanitätern und Aufklärern. Die Soldaten sichern über Wochen kleine Außenposten, von denen aus die Bundeswehr im Norden die von den Taliban zurückeroberte Gebiete kontrolliert. Das Leben in diesen „Combat Outposts“ ist hart. Die Soldaten leben unter Plastikplanen, nutzen selbstgebaute Duschen und haben als einzige Sanitäranlage, wenn überhaupt, ein Dixi-Klo.

Soldaten der Task Force Kundus stehen häufig in Feuergefechten mit Aufständischen. Vor allem die Fallschirm- und Gebirgsjäger kämpfen auf „Handgranaten-Wurfweite“, wie es der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Hans-Werner Fritz im ZEIT-ONLINE-Interview ausdrückte. Sie fahren über verminte Straßen und müssen jederzeit mit einem tödlichen Anschlag rechnen.

Sie schimpfen über ihre Kameraden, die immer nur im Feldlager arbeiten und den gleichen Auslandsverwendungszuschlag von 110 Euro und die gleichen Auszeichnungen bekommen. Vor allem sind sie wütend auf die „Lagerbürokraten“. So gebe es Stabsoffiziere, die Soldaten für mangelhaftes Aussehen rügten, wenn diese nach Wochen im Außenposten zurückkämen.

Die Soldaten, die gegen die Aufständischen kämpfen, ärgern sich auch über die Männer und Frauen der Einsatzwehrverwaltung, die für alle Entscheidungen komplizierte Anträge bräuchten. Die könne man draußen im Dreck einfach nicht schreiben. Ein Fallschirmjäger berichtet, wie sehr er sich über die Instandsetzung geärgert habe, als diese sein Fahrzeug nicht reparieren wollte, weil Freitag war. An diesem sogenannten Baseday haben viele Soldaten frei. „Wir hatten draußen wochenlang keinen freien Tag“, sagt der Infanterist. Und dann weigere sich der „Drinnie“, das Fahrzeug zu richten. „Drinnies“ – so nennen die Kämpfer die Soldaten, die das Lager nie verlassen.

Hochrangige Offiziere dementieren, was für Infanteristen offensichtlich ist. Dass nämlich die Truppe gespalten ist. „Alle Aufgaben sind wichtig“, sagte Generalmajor Fritz im Interview mit ZEIT ONLINE. „Auch die Logistiker müssen raus und die Leute draußen versorgen. Die Sanitäter leisten unter Feuer draußen Immenses.“ Zudem verwische der Unterschied zwischen den Soldaten, die traditionell draußen sind, wie Fallschirm- und Gebirgsjäger, und denen, die eher im Lager sind, immer mehr.

Den Kämpfern ist klar, dass sie ohne die Infrastruktur des Feldlagers aufgeschmissen wären. Viele Infanteristen sind froh, dass es die Männer in der Feldpost gibt, ohne die keine Briefe nach Haus gingen und keine Pakete in Kundus, Faisabad oder Masar-i-Scharif ankämen. Auch die Betreuungseinrichtungen Lummerland in Kundus oder im Planet Masar im Camp Marmal in Masar-i-Scharif schätzen die Soldaten ebenso, wie den „Verticker“, den Laden in Kundus.

Doch gleichzeitig ärgern sie sich über die Kameraden, die nicht anerkennen würden, dass sie eine besondere Last tragen. Manch einer verortet das Problem in der Führungsebene. Einige Soldaten, auch junge Offiziere, sagen, es sei Zeit, dass die Führungsschicht der alten Bundeswehr abtrete, und der Nachwuchs, der in Afghanistan gekämpft hat, das Ruder übernehme. Dann endlich würde den Bürokraten und Erbsenzählern der Marsch geblasen.

Die Bundeswehr hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Vor allem der Einsatz in Afghanistan hat dazu beigetragen. Doch noch tut sich die Truppe schwer damit, ihre althergebrachten Strukturen zu modernisieren. Das zeigt sich auch bei den Auszeichnungen. Als General Fritz dem scheidenden Kommandeur der Task Force Kundus kürzlich feierlich die Einsatzmedaille Bronze verlieh, sagte hinterher einer seiner Soldaten: „Der Oberstleutnant hätte mehr verdient gehabt. Diese Medaille bekommt doch jeder nach 30 Tagen im Einsatz.“

(Quelle: ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-01/bundeswehr-afghanistan-feldlager )

„Man kann einen Krieg nicht mit Transportfahrzeugen führen“

with one comment

Die Lage in Afghanistan hat sich verbessert, sagt der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus. Die Sicherheit der Soldaten dürfe nun aber nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen.

ZEIT ONLINE: Herr Königshaus, als sie vor acht Monaten das Amt des Wehrbeauftragten antraten, gab es Kritik an ihrer Wahl. Ihr Vorgänger, Reinhold Robbe von der SPD, wurde sogar von CDU-Politikern aufgefordert, erneut zu kandidieren. Nun wurden Sie in von allen Bundestagsfraktionen mit Lob überschüttet, weil Sie gleich mehrere Probleme in der Truppe offenlegten. Überrascht Sie das?

Hellmut Königshaus: Das Lob zeigt mir, dass einigen aufgefallen ist, dass ich mein Amt so ausfülle, wie es mancher vielleicht vorher nicht erwartet hat. Ich warte nicht nur, dass mich Beschwerden erreichen. Ich gehe gerade in die Bereiche hinein, aus denen ich nichts höre.

ZEIT ONLINE: Welche Bereiche der Bundeswehr meinen Sie damit?

Königshaus: Es gibt Einheiten, in denen es, vorsichtig gesagt, nicht üblich ist, sich an den Wehrbeauftragten zu wenden. Gerade bei den Truppenteilen, die sich als Elite fühlen, ist das gelegentlich so. Wer sich nicht einfügen kann, ist zu schwach für uns, heißt es dann. Für den Einzelnen kann das dann sehr belastend sein.

ZEIT ONLINE: Ihre besondere Aufmerksamkeit scheint den Soldaten in Afghanistan zu gelten.

Königshaus: Ja, drei bis vier Mal pro Jahr möchte ich unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan besuchen. Ich komme auch gerade aus Kundus und Masar-i-Scharif wieder. Solche Besuche sind wichtig, um mit den Soldaten zu sprechen und ein realistisches, ungeschminktes Bild von der Lage zu bekommen. So kam auch die Geschichte mit der geöffneten Feldpost heraus.

ZEIT ONLINE: Die Feldpost-Affäre war das wohl spektakulärste Ergebnis ihrer Reise. Was haben Sie sonst aus Afghanistan mitgenommen?

Königshaus: Eine Erkenntnis ist, dass sich im deutschen Mandatsgebiet die Sicherheitslage durch die Arbeit unserer Soldaten verbessert hat. Vor meinem Amtsantritt hatte ich auf die ungenügende Ausrüstung der Soldaten in Afghanistan hingewiesen – und wurde dafür heftig kritisiert. Nun hat sich gezeigt, dass ich damals Recht hatte.

ZEIT ONLINE: Sie forderten damals auch den Einsatz des schweren Kampfpanzers Leopard 2, der aber noch nicht in Afghanistan genutzt wird.

Königshaus: Der Leopard 2 war damals nur ein Beispiel unter vielen, das ich gebracht habe. Ich hatte auch mehr Schützenpanzer vom Typ Marder gefordert, und dazu ist es ja gekommen. Und die Amerikaner unterstützen uns inzwischen zudem mit ihren Hubschraubern. Außerdem haben wir mittlerweile mit der Panzerhaubitze 2000 ein viel schwereres Kaliber, als den Leopard 2 in Afghanistan stationiert. Die Soldaten begrüßen die Artillerie sehr, sie fühlen sich sicherer, wenn sie in deren Radius operieren.

ZEIT ONLINE: In Deutschland wurde die Entsendung der schweren Geschütze und das härtere Vorgehen kritisiert.

Königshaus: Nicht von allen. Es ist aber eine Tatsache, dass sich die Lage dank des robusteren Vorgehens stark verbessert hat. Und die Soldaten sind auch zufriedener. Für sie gibt es nichts Schlimmeres, als wenn sie sich ständig „einigeln“ müssen. Es ist doch so: Wenn  man sagt, der Einsatz der Bundeswehr sei wie im Krieg, dann braucht die Truppe auch Waffen wie im Krieg. Man kann einen Krieg nicht mit Transportfahrzeugen führen.

(…)

Die Fragen stellte Hauke Friederichs

(Das ganze Interview finden Sie auf ZEIT ONLINE)