Terror-Blog

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Archive for the ‘Studien’ Category

Die Mächtigen in Kundus

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Die Provinz Kundus in Nordafghanistan gilt als permanenter Unruheherd. Dort kämpfen amerikanische und deutsche Soldaten gegen Taliban und andere Aufständische, dort ließ Oberst Georg Klein zwei Tanklaster bombardieren und dort hat die Bundeswehr die meisten Gefallenen zu beklagen. Im Juli hat Deutschland die Sicherheitsverantwortung in der Provinz an die Afghanen übergeben. Deutsche Soldaten werden wohl aber bis über 2014 hinaus, dem offiziellen Abzugsdatum, in Kundus bleiben.

Nils Wörmer  hat sich für das Afghanistan Analysts Network, ein unabhängiger Think Tank, mit den Machtstrukturen in Kundus beschäftigt. Wörmer stellt fest, dass die Deutschen die komplizierten Strukturen in der Provinz nicht  durchschaut haben, als sie 2003 dort ihr erstes Regionales Wiederaufbauteam installierten.

Wörmer, ehemaliger Offizier der Bundeswehr, schreibt, dass die Deutschen unbedingt das vermeintlich friedliche Kundus als Standort wollten. Wer das heutige Kundus verstehen wolle, müsse sich mit der jüngste Geschichte beschäftigen. Wichtig seien vor allem die Jahre 1992 bis 2001, vom Ende der sozialistischen Zentralregierung bis zur Flucht der Taliban. Wörmer arbeitet auf knapp 50 Seiten die Geschichte, Kultur und soziale Strukturen Kundus‘ auf.  Viele einflussreiche Figuren Nordafghanistans waren schon vor der Taliban-Herrschaft bedeutende Anführer im Jihad, ihre alten Netzwerke spielen bis heute eine große Rolle.

Die lesenswerte Studie ist über die Homepage des Afghan Analysts Network abrufbar.

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Die Geldströme des Haqqani-Netzwerks

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Das Combating Terrorism Center (CTC) aus Westpoint hat sich gründlich mit den Finanzstrukturen des Haqqani-Netzwerkes auseinandergesetzt und einen Bericht veröffentlicht. Die mit den pakistanischen und afghanischen Taliban sowie mit al-Qaida verbündeten Haqqanis gelten in AfPak als gefährlichste Terrororganisation. Das Haqqani-Netzwerk, das von Vertretern des gleichnamigen Clans geführt wird, soll für die schwersten und aufwendigsten Anschlägen in Afghanistan in den vergangenen Jahren verantwortlich sein. Wie die Taliban entstand das Netzwerk in Pakistan und unterhält dort Ausbildungslager und nutzt die Stammesgebiete im Grenzgebiet als Rückzugsraum. Laut CTC zeigen die Haqqanis nicht nur Talent im Fundraising, um ihren Kampf zu finanzieren, setzen sich auch auf eigene Firmen.

Den Bericht des CTC finden sie hier:

Mit Drohnen und Cyberwar gegen Assad?

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Katar und Saudi-Arabien rüsten heimlich den syrischen Widerstand mit Waffen aus – mit amerikanischer Hilfe. Westliche Spezialeinheiten stehen in der Region bereit, um einzugreifen, sollten die Chemiewaffenlager Assads in die Hände von al-Qaida-Terroristen fallen. US-Drohnen sind über dem Land in der Luft und syrische Assad-Gegner werden von britischen und amerikanischen Militärs ausgebildet. Spiegel Online fasst in dem interessanten Artikel „Wie der Westen in Syrien heimlich Krieg führt“ das Engagement der Vereinigten Staaten gegen das syrische Regime zusammen. Markus Kaim, Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), sagte Spiegel Online: „Man kann inzwischen von einem militärischen Engagement sprechen.“

Eine Analyse von Markus Kaim zu den Möglichkeiten und Grenzen eines militärischen Eingreifens in Syrien finden Sie hier als PDF-Dokument.

Written by netzreporter

1. August 2012 at 10:03

Zahl der Woche – Teure Bundeswehr

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Woche 17/2011

Kosten, welche die Bundeswehr 2011 in Milliarden Euro verursacht: 32,1*

Sparvorgaben des Kabinetts für die Bundeswehr bis 2015 in Mrd. Euro: 8,4

*Die Kosten für die Bundeswehr entsprechen damit Zweidrittel der Neuverschuldung des Bundes in 2011.

(Quelle: Stiftung Wissenschaft und Politik, Christian Mölling: Für eine sicherheitspolitische Begründung der Bundeswehr)

Written by netzreporter

26. April 2011 at 09:00

Europas fehlende Instrumente zur Konfliktlösung

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Der Streit in der Nato um den Einsatz in Libyen hatte das Bündnis tagelang gelähmt. Der Zwist in der Allianz überdeckte die Handlungsunfähigkeit einer anderen internationalen Gemeinschaft, die bereits zur künftigen Weltmacht erklärt wurde, aber auch als Softpower versagte: die Europäische Union.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hat das europäische Auftreten der vergangenen Tage analysiert. Die Experten des Think Tanks schreiben, dass Europa genau wie die gesamte internationale Gemeinschaft von den Ereignissen in Nordafrika überrascht worden sei: „Erst nachdem in Tunesien und Ägypten die alten Machthaber abgesetzt waren, gelang es den Mitgliedstaaten, eine einheitliche Position zu den Entwicklungen in beiden Ländern zu beziehen.“

Die geplante Neuausrichtung von Mittelmeerunion und Europäischer Nachbarschaftspolitik werde ebenso wie die geplanten Handelserleichterungen für Nordafrika „bestenfalls auf längere Sicht Wirkung entfalten“.

Die SWP-Analyse kommt zu dem Fazit: „Kurz- und mittelfristig mangelt es der EU an Strukturen und Instrumenten, die ihr die Möglichkeit eröffnen würden, während der besonders kritischen Phase eines politischen Umbruchs zur Konfliktlösung und Eindämmung des Gewaltrisikos beizutragen.“

(Die Analyse finden Sie unter: http://www.swp-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2011A18_ovs_ks.pdf )

Written by netzreporter

30. März 2011 at 21:28

Neue Studie zum Terrorismus in der Sahelzone

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Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) gewinnt immer mehr an Stärke. Die Terroristen bedrohen nicht nur die Regierungen in der Region, sondern auch Touristen. Gleichzeitig nimmt die organisierter Kriminalität in der Sahelzone deutlich zu. Niger, Mali und Mauretanien sind davon betroffen.

„Mit dem drastischen Anstieg der Erlöse aus Kokainschmuggel und Entführungen westlicher Staatsbürger nimmt der Einfluss krimineller Netzwerke deutlich zu, gleichzeitig erodieren rechtsstaatliche Strukturen und soziale Hierarchien“, stellt Wolfram Lacher in seiner im Januar veröffentlichten Studie für die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) fest. Auch der regionale al-Qaida-Ableger mischt in der organisierten Kriminalität mit und verfolgt starke finanziellen Interessen.

Die gesamte SWP-Studie finden Sie hier.

Lernen vom Vietnam-Desaster

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Aus der Vergangenheit lernen: Welche Lehren die US-Armee aus der misslungenen Aufstandsbekämpfung im Vietnam-Krieg ziehen will.

Von Hauke Friederichs, Hanoi

Die Spuren des Vietnam-Krieges sind noch zu sehen, sagt der deutsche Entwicklungshelfer. Nicht mehr in den großen Städten Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt, das vor dem Krieg noch Saigon hieß. Aber noch immer, 35 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen, würden Kinder auf dem Land missgebildet zur Welt kommen. Grundwasser und Böden seien in manchem Gebiet immer noch von chemischen Waffen wie Agent Orange verseucht, die amerikanische Hubschrauber zur Entlaubung versprühten.

Der Krieg hat Vietnam gezeichnet. In der Gesellschaft, die nach vorne strebt, wo die Menschen kämpfen, damit es ihnen und ihren Kindern einmal besser geht, wird kaum über die Vergangenheit gesprochen. „Der Krieg ist in Vietnam nicht aufgearbeitet“, sagt ein Deutscher, der seit Jahren in Hanoi lebt. In Amerika hingegen haben Offiziere ihre Schlüsse aus dem Krieg gezogen. Der aktuelle Befehlshaber der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf), General David Petraeus, hat seine Doktorarbeit über die Lehren aus Vietnam an der renommierten Universität Princeton geschrieben. 2006 erschien ein neues Feldhandbuch der US-Army (Heer) und der Marines (Marineinfanterie) von Petraeus und anderen Autoren zu dem Thema.

An den Militärschulen gehört die Aufstandsbekämpfung längst wieder zum Lehrplan. Lernen sollen die jungen Offiziere vor allem aus dem Kampf gegen den Vietcong – aus den Fehlern, die damals gemacht wurden. Eine Studie von Colonel Harry Summers Junior, der im Gegensatz zu Petraeus selber in Vietnam kämpfte, gehört mittlerweile zum Standardwerk: American Strategy in Vietnam. A Critical Analysis erschien erstmals 1981 und wurde mehrfach neu aufgelegt, zuletzt im Jahr 2007.

Summers beschäftigte die Frage, wie dieser Krieg verloren werden konnte. Er beginnt seine Analyse mit einem Gesprächsauszug: „Sie wissen, dass Sie uns nie auf dem Schlachtfeld geschlagen haben“, sagte Summers im April 1975 zu einem vietnamesischen Offizier. „Das kann so sein“, antwortet dieser, „doch das ist doch irrelevant.“

Der Amerikaner gibt dem Vietnamesen Recht. Summers schildert eine Anekdote, die in den siebziger Jahren unter Militärs die Runde machte: Statistiker des Pentagon hätten die Anzahl der Soldaten, der Flugzeuge, Panzer und Kriegsschiffe der USA und der Nordvietnamesen in einen Computer eingegeben – dazu die Bevölkerungsgröße, Wirtschaftswachstum und industrielle Produktion. Dann fragten sie den Computer: „Wann werden wir gewinnen.“ Die Maschine brauchte nur einen Moment, um zu antworten: „Sie haben bereits 1964 gewonnen.“ In diesem Jahr begann der Vietnamkrieg aus amerikanischer Sicht, als ein US-Zerstörer im Golf von Tonkin beschossen wurde. Elf Jahre später zeigte sich, dass weder die Zahl der Soldaten, noch der Flugzeuge für den Sieg entscheidend waren.

Fast eine Million amerikanische Soldaten waren zum Höhepunkt des Krieges in Vietnam im Einsatz. Die amerikanische Armee war ihrem Gegner, dem Vietcong, militärisch in allen Bereichen überlegen. US-Kampfjets griffen nahezu unbehelligt Ziele in Nordvietnam, Kambodscha und Laos an – der Himmel gehörte den Amerikanern. Und doch verloren die US-Truppen in Vietnam. Ein Trauma für die Supermacht. Seitdem wurde Vietnam zum stehenden Begriff: Die Russen erlebten ihr Vietnam in Afghanistan, hieß es. Die USA standen im Irak kurz vor ihrem zweiten Vietnam, schrieben viele Publizisten. Und auch der Kampf gegen den Terror in Afghanistan wird mit der Niederlage von Vietnam verglichen.

Bestehen tatsächlich Parallelen zwischen den Kriegen im Dschungel und am Hindukusch? In beiden Kriegen kämpfen reguläre Soldaten gegen Aufständische, die in der Regel offene Schlachten meiden und sich unter der Bevölkerung verstecken. Und in beiden Konflikten nutzen die Gegner Rückzugsräume in Nachbarländern. Der Vietcong floh vor den amerikanischen Truppen nach Nordvietnam. Die USA schickten keine Divisionen in den sozialistischen Norden, weil sie eine Kriegsbeteiligung Chinas befürchteten. Und am Hindukusch sieht die Lage ähnlich aus: Die Taliban nutzen Pakistan als Rückzugsgebiet. Das amerikanische Militär und der Auslandsgeheimdienst CIA setzen Drohnen ein, um Aufständische und Terroristen in Pakistan zu liquidieren. Dennoch sickern immer wieder Kämpfer über die Grenze ein. Nicht nur deswegen sagen hohe Offiziere, dass der Krieg nicht militärisch gewonnen werden könne. Das ist eine der wichtigsten Lehren aus Vietnam.

(…)

(Mehr auf ZEIT ONLINE)