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Mehr Identifikationsfigur als Führer

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Der getötete Osama bin Laden war für das Operative bei al-Qaida nicht mehr zuständig: Die wichtigsten Fragen zum Anti-Terror-Kampf, Pakistan, Afghanistan und al-Qaida.

Von Hauke Friederichs und Steffen Richter

Was bedeutet der Tod bin Ladens für al-Qaida?

Osama bin Laden war seit dem 11. September 2001 auf der Flucht. Nur noch sporadisch wandte er sich in Video- und Audiobotschaften an seine Anhänger und an die westliche Welt – zuletzt im Oktober 2010. Damals rief er die Gläubigen zu Viehzucht und Ackerbau auf, um die Abhängigkeit vom westlichen Ausland zu verringern. Einen Aufruf zu Anschlägen gab es darin nicht.

Bereits 2009 sagten amerikanische Sicherheitsexperten, al-Qaida sei durch Luftschläge mit Drohnen in Pakistan und durch das Einfrieren von Konten stark geschwächt. Das gilt aber nur beschränkt für die zahlreichen Ableger des Netzwerkes wie al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) oder al-Qaida auf der arabischen Halbinsel. Diese Gruppen werden regional organisiert und nicht von der Al-Qaida-Führung in Pakistan. Al-Qaida verliert mit bin Laden eine Inspirationsquelle, eine Werbefigur für die Rekrutierung von neuen Attentätern. Die Propagandaabteilung von al-Qaida wird aber sehr wahrscheinlich nun mit dem vermeintlichen Märtyrer bin Laden um neue Kämpfer und Unterstützer werben.

Ist al-Qaida abhängig von einer Führerfigur?

Al-Qaida ist mehr eine Idee, eine Ideologie, der sich einzelne Gruppen zugehörig fühlen, als eine schlagkräftige Organisation. Organisationen wie die Islamische Dschihad-Union (IJU), in der auch deutsche Kämpfer aktiv sind, führen einen eigenen Kampf und arbeiten mit al-Qaida und ihren Ablegern zusammen, wenn die IJU neue Kämpfer oder finanzielle Unterstützung braucht. Bin Ladens Rolle war in den vergangenen Jahren eher die einer Identifikationsfigur für neue Terroristen als die eines Führers. Der nigerianische Student Umar Farouk Abdulmutallab, der an Weihnachten vor zwei Jahren ein Passagierflugzeug über Detroit mit Sprengstoff zum Absturz bringen wollte, bekam seine Anweisungen nicht von bin Laden, sondern von Terrorführern im Jemen. Bin Laden und sein Stellvertreter Aiman al-Sawahiri hatten mit dem eigenen Überleben in den vergangenen Jahren genug zu tun, das operative Geschäft übernahmen andere.

Wieso lebte bin Laden jahrelang in Pakistan, ohne dass er festgenommen wurde?

Unter Sicherheitsexperten galt es als sicher, dass bin Laden nicht nur von lokalen Stammesführern, sondern auch von Angehörigen des pakistanischen Geheimdienstes geschützt wurde. US-Politiker beklagen seit Langem die fehlende Bereitschaft der pakistanischen Sicherheitsbehörden, gegen islamistische Gruppen im eigenen Land vorzugehen. Irgendjemand in der pakistanischen Regierung müsse sein Versteck kennen, hatte US-Außenministerin Hillary Clinton noch im Juli 2010 bei einem Besuch in Islamabad gesagt. Den pakistanischen Taliban etwa erklärte die Regierung erst den Krieg, als die Extremisten das Swat-Tal besetzten und die Hauptstadt Islamabad bedrohten. Andere radikale Gruppen dürfen offen für den Dschihad werben und Spenden sammeln, die auch al-Qaida zugute kommen. Dazu gehört die Bewegung Lashkar-e-Taiba (LeT), die von der USA und der UN als al-Qaida nahestehende Terrorgruppe eingestuft wird. In der LeT sind auch hochrangige Beamte und Militärs Mitglied.

Warum wurde bin Laden erschossen?

Die offizielle Darstellung der amerikanischen Regierung ist, dass Osama bin Laden bei einem Feuergefecht getötet wurde. Der Einsatz auf dem großen Anwesen in Abbottabad dauerte demnach 40 Minuten. Anscheinend haben sich der Terror-Chef und die Leibwächter heftig zur Wehr gesetzt. Allerdings meldeten amerikanische Medien, dass bin Laden durch einen Kopfschuss starb, was auf einen gezielte Aktion hindeuten kann und in Online-Foren und Artikel-Kommentaren schnell zu heftigen Diskussionen über den Einsatz führte. Frithjof Schmidt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, fordert daher: „Die Umstände der militärischen Aktion sollten von den USA rückhaltlos transparent gemacht werden, um jeder Legendenbildung vorzubeugen.“

(Den ganzen Artikel finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://mobil.zeit.de/politik/ausland/2011-05/osama-bin-laden-hintergrund)

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  1. […] – Pakistan hat in den vergangenen Jahren viele wenig schmeichelhafte Beinamen verliehen bekommen. Die Tötung Osama bin Ladens am Wochenende in dem Ort Abbottabad rund 150 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, dürfte den Ruf […]

  2. […] oder im Boden verborgen sein könnte. Vor dem Einsatz der Seals, einer US-Spezialeinheit, sei bin Ladens Versteck lediglich mit Satelliten und Flugzeugen aufgeklärt worden, schreibt die […]

  3. […] Terrornetzwerks: Der Ägypter Aiman al-Sawahiri folgt auf den von amerikanischen Spezialeinheiten getöteten Osama bin Laden – das berichten die Washington Post und zahlreiche weitere Medien.  Gemeinsam hatten bin […]

  4. […] versucht dasOnline-Magazin der al-Qaida mit dem klangvollen Titel Inspire, aus dem Tod des Anführers und den anderen Rückschlägen Erfolge zu machen. Für Wired hat Spencer Ackerman die Rhetorik der […]


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