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„Die Aussetzung der Wehrpflicht spart nichts“

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ZEIT ONLINE: Die Zahl 185.000 Soldaten wirkt willkürlich bestimmt. Warum reichen nicht weniger Bundeswehrangehörige aus?

Bartels: In Japan sieht man gerade, wie wichtig die ‚Masse‘ an Helfern für den Katastrophenschutz ist, die nur das Militär stellen kann. Die japanische Armee ist nach dem Erdbeben und dem Tsunami mit einer sechsstelligen Soldatenzahl im Hilfseinsatz. Ich meine, die 185.000 müssen nun wirklich die feste Untergrenze des Umfangs der künftigen Bundeswehr sein. Eine nach unten offene Streitkräftestruktur wäre unverantwortlich.

ZEIT ONLINE: Es gehöre sich, ein bestelltes Haus zu hinterlassen, sagte der scheidende Verteidigungsminister zum Abschied. Von außen sieht das Guttenberg’sche Gebäude bisweilen eher nach einem schlecht saniertem Altbau aus.

Bartels: Er hinterlässt gleich mehrere Baustellen. Das erste Problem des neuen Ministers wird sein, mit konkurrierenden Kabinettsentschlüssen umzugehen. Er soll acht Milliarden Euro sparen und gleichzeitig 185.000 Soldaten finanzieren, ohne Wehrpflicht, nur Freiwillige. Selbst Guttenberg hatte am Ende erkannt, dass er für diese neue Bundeswehr mehr Finanzmittel benötigt. Die Aussetzung der Wehrpflicht spart nichts. Es wird stattdessen zusätzliches Geld für attraktivitätssteigernde Maßnahmen gebraucht, um Freiwillige zu gewinnen.

ZEIT ONLINE: Der Neue will sich die nötige Zeit nehmen, um alles auf den Prüfstand zu stellen. Wie viel Zeit hat de Maizière?

Bartels: Es ist vernünftig, dass er sich einen eigenen Zeitplan zurecht legt. Guttenberg hatte keinen, bei ihm regierte das Drunter und Drüber. De Maizière will bis zur Sommerpause die wesentlichen Strukturentscheidungen treffen, im Herbst sollen dann die Stationierungsentscheidungen fallen. Das klingt vernünftig.

ZEIT ONLINE: Das Ende der Wehrpflicht ist entschieden und nicht mehr umkehrbar. Doch die Bundeswehr hat große Probleme, die Freiwilligen zu gewinnen, die sie braucht. Was läuft falsch?

Bartels: Die letzten Wehrpflichtigen sind einberufen, weitere junge Männer werden nicht mehr gezogen. Da lässt sich nichts mehr strecken. Damit muss die Bundeswehr nun leben – auch damit, dass sie den ‚Freiwilligen Wehrdienst‘ ohne Konzept einführt. Das Modell ist gleichwohl richtig. Dafür muss ein Attraktivitätsprogramm nun schnell auf den Weg gebracht werden – auch wenn das Geld kostet.

ZEIT ONLINE: Der Bundeswehrverband spricht von einer Milliarde Euro, welche die Attraktivitätssteigerung kosten werde. Halten Sie diese Zahl für realistisch?

Bartels: Das ist absolut realistisch. Denn es geht ja nicht nur um die Rekrutierung zum ‚Freiwilligen Wehrdienst‘. Auch die Zeitsoldaten wurden bislang überwiegend unter den Wehrpflichtigen rekrutiert. Die kommen nun aber nicht mehr einfach so.

ZEIT ONLINE: In der Bild-Zeitung und auf Pro7 schaltet das Verteidigungsministerium Anzeigen und Werbung, um Freiwillige anzulocken. Welchen Typen sucht die Truppe eigentlich?

Bartels: Bemerkenswert ist schon, in welche Richtung die Werbemittel konzentriert werden. Offiziell bestätigt das Ministerium, dass diese Boulevardkampagne an Bewerber ‚mit und ohne Hauptschulabschluss‘ richtet. Wer für 18 Monate zur Bundeswehr geht, kann aber nicht mehr im großen Stil nachgeschult werden. Eine angemessene Grundbildung muss vorhanden sein, dazu gehört zum Beispiel Englisch. Die Kriterien nun herunter zu schrauben, wäre ein schwerer politischer Fehler.

ZEIT ONLINE: Welche Maßnahmen sind denn denkbar, um die richtigen Bewerber zu bekommen?

Bartels: Die Bundeswehr muss ein interessanter Arbeitgeber und gegebenenfalls eine lohnende Zwischenstation im Leben sein. Die Truppe könnte mit der Anrechnung von Wartesemestern für das Studium werben, mit kostenlosem Studium an den Bundeswehruniversitäten, mit dem Erwerb von Zusatzqualifikationen wie Führerscheinen. Man kann schon einiges bieten.

ZEIT ONLINE: Ein weiteres Problem, das Guttenberg seinem Nachfolger überlässt, ist die Gorch-Fock-Affäre. Diese sei keine Affäre, stellt die Marine in einem Bericht fest und entlastet sich selbst. Was sagen Sie zu der Aufarbeitung?

Bartels: Es ist gut, dass es nun einen Bericht gibt und nicht mehr nur Einzelmeldungen aus dem Bild-Universum. Der Bericht kommt zu einigen Schlussfolgerungen, die ich teile. Die Dienstaufsicht und die Ausbildung an Bord müssen verbessert werden. Er ist in Teilen aber bemerkenswert unsensibel formuliert. Eine gewisser Hang zur Rechthaberei ist da nicht wirklich angemessen. Aber es wäre schon gut, wenn wir bald zu einem Schlusspunkt kommen.

ZEIT ONLINE: Die Gorch Fock hat Kiel als Heimathafen – die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt ist Ihr Bundestagswahlkreis. Sie sind daher nicht ganz neutral, aber braucht die Marine die Gorch Fock noch im 21. Jahrhundert?

Bartels: Die Gorch Fock kann mit den nötigen Verbesserungen weiter als Segelschulschiff auf Fahrt gehen. Sie bleibt ein wichtiges Symbol für die Marine – und auch für Deutschland.

(Das ganze Interview finden Sie auf ZEIT ONLINE – http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/bundeswehrreform-bartels )

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2 Antworten

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  1. Ich muss dir widersprechen, nicht das Militär soll den KAT-Schutz stellen, das ist Aufgabe von THW und DRK.

    grep

    9. April 2011 at 21:38

  2. […] Kosten, welche die Bundeswehr 2011 in Milliarden Euro verursacht: 32,1* […]


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