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Ein Lob der Anarchie

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US-Behörden prüfen, ob sie Wikileaks-Gründer Julian Assange wegen Geheimnisverrat vor Gericht stellen können. Angeblich planen sie, im kommenden Jahr einen Auslieferungsantrag zu stellen. Ob Assange dann in Großbritannien oder Schweden sein wird, ist unsicher. Noch hält er sich in England auf, unter ständiger Aufsicht der Polizei. Schweden hat wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung einen Auslieferungsantrag gestellt. Doch mit Wikileaks hat das nichts zu tun – dennoch wird die Kritik an der Enthüllungsplattform immer schärfer.

Absurd ist dabei, dass die Veröffentlichung von Diplomatiedepeschen weltweit zur verbalen Geißelung führte – die Offenlegung von amerikanischen Militärdokumenten aus dem Irak oder Afghanistan vorher aber noch euphorisch gelobt wurde.

ZEIT-Redakteur Ulrich Ladurner verteidigt die Veröffentlichung geheimer amerikanischer Dokumente und spießt die schale Argumentation der Kritiker auf:

Assange sei viel gescholten worden für sein Dogma, alles müsse transparent sein. „Kindisch, sei das, und unanständig. Freilich, an der Vorwürfen ist was dran. Doch man stelle sich einmal vor, Assanges Wikileaks hätte vor dem Irakkrieg Dokumente aus dem Weißen Haus veröffentlicht. Wir hätten lesen können, wie die George W. Bushs Männer die Öffentlichkeit schamlos belogen, wie sie Informationen manipulierten, ja wie sie vor nichts zurückschreckten, um nur diesen Krieg gegen den verhassten Saddam Hussein vom Zaun zu brechen. Hätte der Irakkrieg im Lichte solcher Enthüllungen stattfinden können? Wahrscheinlich nicht. Der Kindskopf Assange also hätte einen Krieg verhindert, der hunderttausenden Menschen das Leben kostete. Er wäre ein Kandidat für den Friedensnobelpreis gewesen.“

Warum also die publizistische und politische Hexenjagd auf Assange? Dass die Vergewaltigunsvorwürfe von einer unabhängigen Justiz aufgearbeitet werden müssen ist selbstverständlich. Amerikanische Politiker, die öffentlich die Todesstrafe für Assange fordern aber nicht hinnehmbar.

Ladurner bringt ein wunderbares Wortspiel: „Wirklich interessant an Assange sind die Reaktionen auf ihn. Wie schnell man doch den Stab über ihn gebrochen hat! Freilich, er ist der Mann, der in den gepflegtesten Garten gepinkelt hat, den die Welt zu bieten hat: die Diplomatie.“

(Ladurners Kommentar finden Sie auf ZEIT ONLINE: http://www.zeit.de/blog/ladurnerulrich/2010/12/23/ein-lob-der-anarchie)

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