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Von „Hitler“ bis zur „schrägen Wahl“

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Das Enthüllungsnetzwerk Wikileaks hat abermals tausende amerikanische Dokumente veröffentlicht, die als geheim oder vertraulich eingestuft sind. Diesmal ist das amerikanische Außenministerium vom Datenleck betroffen. Brisante Enthüllungen, wie bei den Veröffentlichungen aus dem Irak-Krieg oder den afghanischen Kriegstagebüchern scheinen diesmal nur spärlich gesät zu seien.

Das Nachrichtenmagazin der Spiegel, das neben der New York Times, dem Guardian und anderen Zeitungen Medienpartner von Wikileaks ist, zitiert aus den Akten. Was die Botschafter aus ihren Einsatzländern nach Washington kabelten, ist zum Teil mehr amüsant als brisant:

Die deutsche Regierung kommt darin nicht gut weg. Kanzlerin Merkel sei wenig kreativ, urteilen die Diplomaten etwa. Außenminister Westerwelle sei inkompetent, sehr kritisch gegenüber den Vereinigten Staaten eingestellt und „aggressiv“. Die Ernennung von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel nannte ein Botschaftsmitarbeiter eine „schräge Wahl“, da der FDP-Politiker vor der Wahl das Ministerium noch abschaffen wollte. Den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer charakterisierten die Amerikaner als „unberechenbar“. Christsoziale Politiker hätten sich für ihn bei den Diplomaten entschuldigt.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hingegen hat anscheinend keine negative Charakterisierung angeheftet bekommen. Über ihn notierte die Botschaft: Guttenberg sei ein Freund Amerikas. Da würde der bekennende Transatlantiker wohl nicht widerspreche. Andere Persönlichkeitsbeschreibungen standen mehrfach in deutschen Zeitungen – Niebel nannte gestern in der Sendung Anne Will die ihn betreffenden Formulierungen als „unbedeutend“. Von amerikanischen Diplomaten dürfe man nicht mehr erwarten als von deutschen Journalisten.

Auch aus anderen Ländern lieferten die Diplomaten ihre Einschätzung des politischen Spitzenpersonals an das State Department: Hamid Karsai kann über sich lesen, dass er von Paranoia getrieben sei. Der russische Präsident Dimitrij Medwedew heißt es sei „blass“ und „zögerlich“. Sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy beschrieben sie als „Kaiser ohne Kleider“. Und wenig kreativ kam auch Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad weg, den als Hitler beschrieben wurde.

Ob die Dokumente, wie der Spiegel verspricht, tatsächlich zeigt, wie Amerika die Welt sieht, darf bezweifelt werden. Dafür sind vor allem auch die Geheimdienste zuständig. Daten der CIA oder anderer Agenten hat Wikileaks bisher erst vereinzelt veröffentlicht. Aber das kann ja noch kommen. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Deutschland, Kornblum, sagte gestern in der ARD, dass die jüngsten Veröffentlichung zeigten, wie schwer sich Regierungen mittlerweile täten, geheime Informationen tatsächlich geheim zu halten. Er erinnerte ganz nebenbei daran, dass deutsche Diplomaten ähnliche Berichte aus Washington und New York nach Berlin kabelten. Darin dürfte die Charakterisierung von George W. Bush, Cheney oder Rumsfeld kaum schmeichelhafter ausfallen als „schräge Wahl“ oder „aggressiv“.

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2 Antworten

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  1. […] Sicherheitskonferenz. Staats- und Regierungschefs, Minister sowie Abgeordnete hören zu. Der afghanische Präsident weiß, dass die Spitzenpolitiker, die vor ihm im Saal des Bayerischen Hofs sitzen in den kommenden […]

  2. […] Organisationen wie amnesty hoffen aber nicht nur auf die sozialen Netzwerke als neue Instrumente im Kampf gegen die Unterdrückung. Auch die Enthüllungsplattform Wikileaks, so Generalsekretär Shetty, trägt dazu bei, Unrechtsregime unter Druck zu setzen. Treffen kann es aber selbst die vermeintliche Supermacht Amerika. […]


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