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Isaf plant Teilrückzug schon ab Frühjahr 2011

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Ein deutscher Oberst erläutert vor afghanischen Offizieren die Sicherheitslage in Nordafghanistan

Ein deutscher Oberst erläutert vor afghanischen Offizieren die Sicherheitslage in Nordafghanistan (Archivbild)

Die Bundeswehr soll innerhalb der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) zum Vorreiter beim Rückzug werden. Die Deutschen könnten, so berichtet es das Nachrichtenmagazin Spiegel, bereits im kommenden Jahr die Sicherheit für drei Provinzen in die Hände von afghanischer Polizei (ANP) und Armee (ANA) legen. Das stehe in einem Geheimpapier von Isaf-Befehlshaber David Petraeus.

In diesem „Campaign Report“ würden die Provinzen Sar-i-Pol, Samangan und Badakhshan im Mandatsgebiet der Bundeswehr im Norden in den kommenden sechs Monaten reif für die Übergabe: Obwohl sich die Sicherheitslage in zehn Distrikten in anderen Nordprovinzen verschlechtert habe – zu nennen ist hier die Provinz Kundus und vor allem der Distrikt Chahar Darah – könne das gesamte Regionalkommando Nord in den kommenden 24 Monaten für den Beginn des Truppenabzugs genutzt werden.

Damit wäre die Bundeswehr die erste Armee innerhalb der Isaf, die die Verantwortung komplett an Afghanen abtritt. Bislang übergab die Isaf lediglich die Sicherheitsverantwortung über die Hauptstadt Kabul an afghanische Kräfte. Die Niederländer haben bereits ihre Kampftruppen vom Hindukusch abgezogen, die Kanadier wollen 2011 beginnen. Beide Länder übergeben ihre Distrikte allerdings an andere Isaf-Partner.

Das bereits im Frühjahr 2011 im Norden mit einem Teilrückzug begonnen werden könnte überrascht, weil die Amerikaner gerade erst hunderte Soldaten und rund 40 Kampfhubschrauber nach Masar-i-Scharif und Kundus verlegt haben. In Kundus haben sie sogar eine neue Basis neben dem Bundeswehr-Feldlager errichtet.

Wie weit die afghanischen Sicherheitskräfte sind, darüber gibt es unterschiedliche Angaben: Die ANP gilt auch im Norden als nicht besonders kompetent. „Tapfer, aber schlecht ausgerüstet“, lautete das Urteil eines deutschen Offiziers über die Polizisten. Mit der ANA betreibt die Bundeswehr das Partnering-Konzept, dass gemeinsame Einsätze vorsieht. Die afghanische Armee sei mittlerweile auf einem ganz guten Level, heißt es bei der Bundeswehr. Ob das ausreicht, um alleine gegen Taliban und andere Aufständische zu kämpfen, da hat mancher deutscher Offizier in Kundus seine Zweifel.

Dass einige ruhige Nordprovinzen in naher Zukunft an die Afghanen übergeben werden, überrascht hingegen nicht. Dies hatte bereits Außenminister Guido Westerwelle vor Monaten angekündigt. Vor allem die Provinz Badakhshan, in der das deutsche Feldlager Faisabad liegt, gilt als relativ ruhig. Auch wenn ein deutscher Entwicklungshelfer dem Autor berichtete, dass die Lage in den vergangenen Monaten schlechter geworden sei. Dort sei der Ansatz des Provinzwiederaufbauteams (PRT), also die militärisch-zivile Zusammenarbeit, erfolgreich gewesen. Der Provinz gehe es besser als anderen.

Die Schlüsselfrage für die deutsche Regierung dürfte sein, was Petraeus mit den freiwerdenden Truppen vorhat. Die Forderung, dass die Bundeswehr sich auch in anderen, gefährlicheren Landesteilen engagieren müsse, ist fast genauso alt wie die Isaf selbst. Das dürfte dem Kabinett allerdings nicht passen: Der Afghanistan-Einsatz ist bereits jetzt in Deutschland bei der Bevölkerung unbeliebt. Ein Kampfeinsatz im Süden etwa würde unweigerlich die Ablehnung erhöhen.

(Quellen: Spiegel Online: Petraeus-Plan sieht Bundeswehr-Teilrückzug ab Frühjahr vor, Bericht über den Kampf im Distrikt Char Darah auf bundeswehr.de, Sueddeutsche.de zu Petraeus Abzugsplänen, ZEIT ONLINE über Petraeus, Ein Liste der afghanischen Provinzen finden Sie auf Wikipedia)

Petraeus-Plan sieht Bundeswehr-Teilrückzug ab Frühjahr vor

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3 Antworten

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  1. […] Am wichtigsten sei aber, dass von den ausländischen Truppen nicht der Eindruck erweckt werde, sie zögen bald ab. In diesem Punkt stimmen die Experten mit Verteidigungsminister Guttenberg überein, der jüngst […]

  2. […] die kommenden zwölf Monate als afghanisches Schicksalsjahr zu bezeichnen. 2011 soll der Abzug der internationalen Kampftruppen beginnen, so hat es US-Präsident Barack Obama angekündigt. Afghanistans Präsident Hamid Karsai will, dass […]

  3. […] und Terroristen der al-Qaida und anderer Gruppen gegen die Regierung kämpfen.  Außenminister Guido Westerwelle besuchte am Wochenende die Region, die Afpak genannt wird, weil die Probleme beider Länder […]


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