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„Weniger Fett, mehr Muskeln“ – Rasmussen im Wams-Interview

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Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes stand der Sieger fest: Das Nordatlantische Verteidigungsbündnis Nato hatte zwar keinen heißen Krieg gegen die UdSSR und ihre Verbündeten gewonnen. Aber der sozialistische Militärpakt war in sich zusammengefallen. Heute gehören ehemalige Staaten des Ostblocks zur Nato, weitere Länder wie die Ukraine oder Georgien würden gerne. Auch das ist ein Erfolg. Dennoch hat die Nato ein schwerwiegendes Problem: Sie steht ohne klares Feindbild, ohne klare Aufgaben für die Zukunft da.

Die Nato-Mission Isaf in Afghanistan soll möglichst bald auslaufen: Die Niederlande und Kanada haben bereits den Kampfeinsatz beendet oder bereiten den Abzug vor. Die USA wollen damit im September 2011 beginnen. Was soll das Verteidigungsbündnis künftig also leisten? Ende November treffen sich die Mitglieder in Lissabon um über das strategische Konzept zu diskutieren. Ein Papier dazu von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ist immer noch geheim. Im Interview mit der Welt am Sonntag verrät der Däne aber einige Details.

Rasmussen fordert die Modernisierung des Bündnisses, eine „Nato 3.0“. Diese werde sich den Sicherheitsherausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. „Die Nato wird effektiver, engagierter und effizienter“, verspricht Rasmussen. Dafür müsse das Fett abgeschnitten und Muskeln aufgebaut werden. Die Kommandostruktur soll also kleiner, die Abläufe  schneller werden.

Für Rasmussen bedeutet das auch, dass Projekte enger koordiniert und die Fähigkeiten gebündelt werden müssen: Die gemeinsame Raketenabwehr, der Kampf gegen Cyber-Angriffe oder den Lufttranstport nennt der Generalsekretär als Beispiele. Ziel sei, die Nato effektiver für Auslandseinsätze aufzustellen. Das gelte auch für die Bundeswehr.

Einige dieser Punkte sind innerhalb des Bündnisses sehr umstritten. Vor allem die Raketenabwehr, deren Kosten sich auf mindestens eine Milliarde Euro belaufen dürfte. Und auch einen weiteren heiklen Punkt benennt Rasmussen: „Solange Atomwaffen existieren, bleibt die Nato eine nukleare Allianz.“

Das dürfte in Berlin auf wenig Freude stoßen. Vor allem Außenminister Guido Westerwelle will, dass die Nato bei der nuklearen Abrüstung ganz weit vorne steht und er träumt von einem atomwaffenfreien Europa. Der Nato-Gipfel in Portugal dürfte damit spannend werden. Auch Rasmussen weiß, dass das Ergebnis keinesfalls schon feststeht: „Auch hier ist die Kompromisssuche eine Herausforderung, denn alle Beschlüsse müssen von den 28 Mitgliedern einstimmig gefällt werden. Aber wenn wir eine Entscheidung  fällen, dann stehen wir auch ganz stark und gemeinsam dahinter.“

(Quelle: Welt am Sonntag: „Weniger Fett, mehr Muskeln“. Interview mit Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, 14. November 2010, S. 12)

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3 Antworten

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  1. […] wen kämpfen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe (Isaf) und ihre Verbündeten in Nordafghanistan eigentlich? – dieser Frage hat sich die in Berlin […]

  2. […] tektonischen Platten, die sich verschieben, sprach Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Der Ausgang der Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten sei noch nicht klar. Doch sein […]

  3. […] änderten auch die freundlichen Worte des Nato-Generalsekretärs nichts. „Viel zu oft sei die Sicherheitskonferenz von den scheinbaren Unterschieden zwischen […]


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