Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Lektüretipp: Alle Welt will nach Djibuti

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Dieser Zwergstaat liegt neben Somalia, dem Hort von Piraten und islamistischen Terroristen wie der al-Schabaab.Miliz. Er liegt gegenüber vom Jemen, einer Basis von al-Qaida und anderer extremistischer Gruppen. (Die Paketsendungen mit Sprengstoff an jüdische Einrichtungen in den USA sind da nur ein Fall von vielen Anschlagversuchen, die im Jemen geplant wurden).

Er grenzt an Äthiopien und Eritrea, zwei Länder, die viel zu oft am Rande eines Krieges stehen und sich auch in die Konflikte ihrer Nachbarn einmischen. Und trotz dieser brisanten Lage streben Diplomaten, Militärs, Investoren und Politiker dorthin.

Wichtig ist der Zwergstaat Djibuti, weil er einen Hafen am Golf von Aden, in unmittelbarer Nähe zum Horn von Afrika und dem Roten Meer hat. Wichtig ist er auch, weil die Regierung der westlichen Welt ebenso wie den Chinesen und Arabern aufgeschlossen ist.

Dort besitzt nicht nur die alte Kolonialmacht Frankreich einen Kriegshafen – auch die Amerikaner haben in Dschibuti einen großen Stützpunkt errichtet. Sie bilden dort afrikanische Soldaten in der Terroristenbekämpfung aus. Und Fremdenlegionäre trainieren dort die Aufstandsbekämpfung in Steppen und Wüsten – Fähigkeiten, die auch in Afghanistan benötigt werden.

Deutschland schickt von Dschibuti seine Fregatten zur Piratenjagd im Rahmen der EU-Mission Atalanta. Und bis vor kurzem stieg dort auch noch ein deutscher Seefernaufklärer für die Operation Enduring Freedom auf. Neu im Club der ausländischen Streitkräfte ist Japan. Das asiatische Land baut sein erstes Militärcamp außerhalb der eigenen Grenzen in dem ostafrikanischen Land.

Das Reportagemagazin GEO widmet Dschibuti eine Geschichte in der November-Ausgabe. Reporterin Ines Possemeyer stieß auf eine „bizarre Bühne internationaler Geopolitik“. Die Akteure seien Militärs, Geheimdienste, Entwicklungshelfer, Flüchtlinge – vor allem aus Somalia – und Händler, die nicht nur (in der westlichen Welt) legale Dinge verkaufen.

Die Geschichte birgt keine spektakulären Neuigkeiten, verknüpft aber die bekannten Fakten zu einer spannenden Lesegeschichte:

„Ein Polizist tastet Hassan Ali Ahmed [einen Flüchtling] nach Waffen ab und bittet ihn, sein T-Shirt hochzuschieben. Er sucht nach Verletzungen, die den Flüchtling als Kämpfer ausweisen könnten: ‚Wir wollen nicht, dass Leute der al-Schaabab hier einsickern.‘ Doch der junge Mann trägt das Mal eines Opfers: Wie ein Scheitel zieht sich eine wulstige Narbe über seinen Kopf. Sie stammt von der Granate, die seine Familie getötet hat.“

Kurios ist nur, dass der Flug der deutschen P-3C Orion viel Platz am Beginn bekommt – der Seefernaufklärer aber bereits im Juli seine letzte Runde über Djibuti flog.

(Ines Possemeyer: Alle Welt will nach Dschibuti, In: GEO, November 2010, S. 54 – 80)

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Eine Antwort

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  1. […] Diese beruht nicht allein auf den Einsatz von Soldaten – die Anti-Piratenmission Atalanta vor Somalia zeigt aber, dass auch die deutsche Regierung und die meisten im Parlament vertretenen […]


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