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Ex-Wehrbeauftragter fordert neues Ehrenmal

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Kränze liegen im Innenraum des Ehrenmals der Bundeswehr, an der Rückseite des Bendlerblocks, dem Dienstsitz des Verteidigungsministers in Berlin. „Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden, Recht und Freiheit“, steht an der Wand. Das kastenförmige Gebäude ist eingerahmt von einem Zaun. Eine Überwachungskamera ist auf den Eingang gerichtet. In dem Mahnmal, das einen Zugang zur Straße und zum Ministerium hat, legen Staatsgäste und Minister Kränze nieder für Soldaten und zivile Mitarbeiter der Truppe. Auch Angehörige gedenken dort den Gefallenen und Verstorbenen.

Seit der Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 starben mehr als 3.100 Soldaten und Zivilbedienstete im Dienst. Doch gesellschaftliche Akzeptanz habe das Ehrenmal nicht erfahren, sagt Reinhold Robbe, bis zum Frühjahr noch Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages und damit Fürsprecher der deutschen Soldaten.

„Etwas traurig macht mich jedoch die Tatsache, dass dieses Ehrenmal am Sitz des Verteidigungsministers in unserer Gesellschaft kaum zur Kenntnis genommen wird oder – anders formuliert – kaum zur Kenntnis genommen werden kann“, sagt Robbe im Magazin Kompass der katholischen Militärseelsorge. „Kaum jemand in unserem Lande weiß, wo sich das Ehrenmal befindet.“ Rückblickend hätten die Gegner des Standortes Recht gehabt, sagt Robbe.

Vor dem Baubeginn Ende 2008 hatte es eine heftige Kontroverse gegeben. Bundestagsabgeordnete aller Parteien außer der Linken hatten gefordert, dass das Ehrenmal in der Nähe des Reichstages gebaut werde, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee sei. Der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Jung hatte aber darauf bestanden, das Ehrenmal auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums zu errichten und sich durchgesetzt.

„Aus meiner Sicht wäre es gut, über eine zentrale Gedenkstätte für alle Soldaten, Polizisten, Diplomaten und Entwicklungshelfer nachzudenken, die im Auslandseinsatz gefallen sind oder getötet wurden“, fordert nun Robbe, der innerhalb der Bundeswehr und der Verteidigungspolitik immer noch großen Einfluss besitzt. „Vielleicht wäre das eine Form der öffentlichen Ehrung und Würdigung, die in unserer Gesellschaft eine breite Unterstützung findet.“

Das Ehrenmal, um das lange hart gestritten wurde, sollte eine öffentliche Trauer um getötete Soldaten ermöglichen. Kritiker lehnten dessen Bau ab, weil so ausschließlich Soldaten geehrt und die zivilen Aufbauhelfer vergessen würden. Die Regierung betreibe so „falsche Heldenverehrung“, lautete ein Vorwurf. Zur Einweihung im September 2009 gab es Gegendemonstrationen. Gegner trugen Uniformen und Schweinemasken mit verschmierten Kunstblut.

Robbes Kritik am Ehrenmal wies sein Nachfolger als Wehrbeauftragter, Hellmut Königshaus, zurück. Das Ehrenmal liege „nicht abgeschieden, sondern in Berlins Mitte, direkt am Antreteplatz des Ministeriums, in der Nähe zum Bendlerblock“, der ebenfalls ein zentraler Ort des Gedenkens sei, sagte Königshaus der Nachrichtenagentur KNA. Seit der Einweihung hätten Tausende Menschen das Ehrenmal besucht.

(Artikel erschien auf ZEIT ONLINE)

 

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2 Antworten

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  1. Das ist mal ein informativer Blogbeitrag, gefällt mir. Muss man erstmal sacken lassen. Generell finde ich diese Seite einen RSS-Feed wert. Hab den Blog abonniert!

    Gratulation!

    Heinz

    12. November 2010 at 02:52

  2. […] acht Monaten das Amt des Wehrbeauftragten antraten, gab es Kritik an ihrer Wahl. Ihr Vorgänger, Reinhold Robbe von der SPD, wurde sogar von CDU-Politikern aufgefordert, erneut zu kandidieren. Nun wurden Sie in […]


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