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Pakistanische Generäle lassen die Muskeln spielen

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Auf Dinnerpartys in Pakistan gibt es in diesen Tagen nur ein großes Thema: Ein möglicher Militärputsch im Land. Das schreibt Aryn Baker in der aktuellen Ausgabe des TIME-Magazine. Das Gerücht, dass die Generäle erneut nach der Macht greifen, ist nicht überraschend. Pakistan wurde in seiner Geschichte schließlich häufig von Militärs geführt. Mehr als die Hälfte der 63 Jahre seit der Unabhängigkeit von Großbritannien bestimmten Generäle direkt die Regierungsgeschäfte und auch sonst hatten Militärs stets großen Einfluss.

Und erst vor wenigen Wochen kündigte der letzte Militärdiktator, General Pervez Musharraf, seine Rückkehr in die Politik an. Als Gründe nannte er unter anderen das miserable Krisenmanagement der Regierung bei der Flutkatastrophe. Erst im August 2008 war er als Präsident zurückgetreten. 1999 hatte Musharraf sich als damaliger Armeechef an die Macht geputscht und erst 2007 das Kommando über die Streitkräfte abgegeben, die Macht aber vorerst behalten.

Einen erneuten Staatsstreich durch die Generalität dementierte Pervez Musharraf im Interview mit Spiegel-Redakteurin Susanne Koelbl Anfang Oktober allerdings: „Die Zeiten der Armeestreiche sind einfach vorbei, glaube ich. Das Oberste Gericht toleriert das einfach nicht mehr, selbst dann nicht, wenn die Menschen nach der ordnenden Kraft der Armee verlangen.“

Ihren Einfluss machen die aktiven Generäle dennoch offen geltend. Sie kritisierten Präsident Asif Ali Zardari und Premierminister Yousuf Raza Ghilani unter anderen für die Zusammenarbeit mit dem Erzfeind Indien und forderten, dass die USA ihre Militäreinsätze auf pakistanischen Territorium einstellen müssten. Armeechef Ashfaq Kayani versuchte in einem Gespräch mit beiden Politikern auch direkt Einfluss auf die Regierungsgeschäfte zu nehmen. Er forderte, dass die Korruption innerhalb des Kabinetts bekämpft werde und einzelne Minister abberufen werden müssten.

Für TIME-Journalistin Aryn Baker sind das allerdings nur Muskelspiele des Militärs. In Pakistan stehe die Armee noch unter Kontrolle der Politik – auch wenn im Ausland sich mancher das anders wünschen würde. Die TIME-Büroleiterin für Pakistan und Afghanistan schreibt, dass die pakistanische Armee im Westen als einzige funktionierende Einheit im Staat gelte. Die Beziehung zwischen den USA und Pakistan liefen vor allem zwischen dem Pentagon und dem Generalstab des asiatischen Landes. Die Beziehung zwischen White House und der Regierung in Islamabad verschlechtere sich hingegen zunehmend.

Und in den USA wächst die Unzufriedenheit mit der pakistanischen Regierung. Rund 2 Milliarden Dollar bezahlen die Vereinigten Staaten jährlich an Militärhilfe, damit die Extremisten in Pakistan bekämpft werden. Doch Erfolge sind im Kampf gegen den Terror kaum auszumachen, schreibt die amerikanische Journalistin Gretchen Peters in ihrem Buch „Seeds of terror“.

Die zahlreichen amerikanischen Drohnen-Angriffe auf Ziele im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet bringen keinen nachhaltigen Erfolg im Kampf gegen den Terror. Sie führen eher zu einer weiteren Radikalisierung von Islamisten – und das nicht nur in Pakistan. Das zeigt die Reisewarnung des amerikanischen State Departments für Ziele in Europa.

Nach der Tötung von Extremisten aus Europa durch US-Drohnenangriffe, die sich in Pakistan von islamistischen Gruppen ausbilden ließen, befürchteten amerikanische Terrorexperten Anschläge in Berlin oder Paris. Ermittler sollen bei Terroristen Pläne von Gebäuden wie dem Brandenburger Tor gefunden haben.

Al-Qaida besteht immer noch aus zahlreichen Zellen, Gruppen und Sympathisanten auf der ganzen Welt, die mehr oder weniger stark vernetzt sind. Terroristen und Taliban in Pakistan und Afghanistan können USA und Nato nur gemeinsam mit starken Regierungen vor Ort besiegen – das betonen Experten wie Gretchen Peters: Eine Counterinsurgency-Kampagne sei nur erfolgreich, wenn die Regierung sie unterstütze. Danach sieht es in Pakistan allerdings immer noch nicht aus.

(Quellen: Aryn Baker: Pakistan’s army flexes it’s muscles, in: TIME, 18. Oktober 2010, S. 56 – 58,

Susanne Koelbl: „Pakistan ist immer der Schurke“. Interview mit Pervez Musharraf für Spiegel Online,

Farzana Shaikh: The man who really matters in Pakistan, in: The Independent, Online Edition,

Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg (AKUF) zu Pakistan (Stand 2008),

Gretchen Peters: Seeds of terror. How drugs, thugs and crime are reshaping the Afghan war, St. Martin’s Press, New York 2010)

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Eine Antwort

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  1. […] Chinas befürchteten. Und am Hindukusch sieht die Lage ähnlich aus: Die Taliban nutzen Pakistan als Rückzugsgebiet. Das amerikanische Militär und der Auslandsgeheimdienst CIA setzen Drohnen ein, um Aufständische […]


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