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Feindesliebe im afghanischen Kriegsgebiet

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Die Kapelle im Camp Marmal in Masar-i-Scharif

Die Kapelle im Camp Marmal in Masar-i-Scharif

Zum Bundeswehr-Seelsorger in Kundus kommen Soldaten, die Kameraden verloren haben. Dennoch fordert er, den Gegner – die Taliban – nicht zu hassen.

Von Hauke Friederichs

Ein Black-Hawk-Hubschrauber der amerikanischen Armee fliegt knatternd über die Köpfe hinweg. Die rund 30 deutschen Soldaten schauen nicht hoch. Die meisten haben die Augen geschlossen, die Anderen blicken auf den Holzfußboden der Veranda. Offiziere sitzen hier neben einfachen Hauptgefreiten. Einige tragen Pistolenhalfter am Oberschenkel, mancher hat ein blinkendes Funkgerät am Gürtel – stumm geschaltet. Alle schweigen, nur der leiser werdende Krach des Rotors stört die Stille. Die Männer und Frauen der Bundeswehr beten. Hinter einem kleinen Altar steht Bernd Schaller. Der Militärpfarrer hat wie jeden Sonntag zum Gottesdienst in die Lagerkapelle geladen.

Gottesburg heißt sein Bereich im Feldlager Kundus. Bernd Schaller, katholischer Militärseelsorger aus Sigmaringen, betreut die Soldaten des Wiederaufbauteams Kundus. Seine Kirche besteht aus einem gegen Raketenbeschuss gehärteten Container, sein Büro ebenfalls. Zwischen den Containern haben Soldaten eine Holzveranda gebaut und darüber eine Plane wie ein Segel gespannt.

Im Sommer finden die Gottesdienste draußen statt. Dicht an dicht stehen die Stühle auf der Veranda, kein Platz ist mehr frei – zwei Männer stehen.  Wilder Wein wächst hinter dem Altar – so sind die mit Sandsäcken gefüllten Stahlbehälter nicht zu sehen, die die Gottesburg einrahmen und bei Beschuss mit Raketen und Mörsern vor Splittern schützen sollen. Pfarrer Schaller muss immer wieder in den Bunker laufen, wenn das Alarmsignal durch das Lager schallt. Doch der Gottesdienst verläuft heute ruhig.

Ein Polizist spielt Keyboard. Die Soldaten singen laut. Kaum einer, der nur die Lippen bewegt. Die Stimmung ist ernster als in den Kirchen in Deutschland.

„Liebt einander, das ist der Auftrag Jesus’ an seine Jünger“, predigt Schaller im Gottesdienst. Trotz des Zorns der Soldaten auf die Aufständischen predigt Schaller die Feindesliebe. Die Botschaft Jesus Christus’ gilt für ihn – natürlich – auch im Kriegsgebiet. Der Taliban sei ein Gegner, gegen den man sich wehren muss – aber er bleibe dennoch Mensch – genau wie die Soldaten. Schaller sagt den Soldaten, er wisse, dass der Auftrag den Gegner zu lieben kein leichter sei, die Worte Jesus hätten aber auch nach mehr als 2000 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Auch Jesus kannte Besatzung und Konflikte. Dann spricht Bernd Schaller eine Fürbitte für die gefallenen Kameraden.

Nach dem Gottesdienst legt er die Stola ab, unter der er Uniform trägt. Als er dann an den weißen Plastiktischen mit den Gottesdienstbesuchern redet und Cola trinkt, ist er aus der Ferne nicht mehr als Geistlicher zu erkennen. Lediglich die Kreuze auf den Schulterklappen zeigen, dass Bernd Schaller auf einer besonderen Mission am Hindukusch ist.

(Mehr auf ZEIT ONLINE)

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Written by netzreporter

10. Oktober 2010 um 10:00

3 Antworten

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  1. […] wurden in einem stundenlangen Feuergefecht getötet. In Kundus-Stadt liegt eines der wichtigsten Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan. Zur Identität der Angreifer, gab es keine Angaben – unklar ist, […]

  2. […] ausgelöst. Am Freitag besuchte sie die CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Es gebe keinen gerechten Krieg, nur gerechten Frieden, sagte die […]

  3. […] ehemaliger Offizier der Bundeswehr, schreibt, dass die Deutschen unbedingt das vermeintlich friedliche Kundus als Standort wollten. Wer das heutige Kundus verstehen wolle, müsse sich mit der […]


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