Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Die Wähler trotzen dem Terror

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Jeder dritte Wahlberechtigte hat bei der afghanischen Parlamentswahl abgestimmt. Die Menschen haben Mut gezeigt. Jetzt ist die internationale Gemeinschaft in der Pflicht.

Von Hauke Friederichs

Es werde keine Wahl nach mitteleuropäischem Standart geben, warnte Außenminister Westerwelle vor der Parlamentswahl in Afghanistan. Und Verteidigungsminister Guttenberg sagte, das Land am Hindukusch werde durch die Wahl noch keine Demokratie westlicher Prägung. Für diese Aussagen muss man kein Prophet sein. Natürlich haben auch nach dieser Wahl wieder alle Pessimisten Recht mit ihrer Kritik.

Es wurde erneut getrickst, getäuscht, geschoben. Taliban entführten Kandidaten und Wahlhelfer. Aufständische beschossen Wahllokale mit Raketen, töteten mehr als 40 Menschen. Gründe in Jubel auszubrechen, bietet diese Wahl nicht – aber auch keinen Anlass, alles in tiefem Schwarz auszumalen.

Bei allem Leid, dass die Taliban verübten: Es gab zum Glück keinen großen Anschlag, kein Massaker unter Wählern. Eine Rakete, die Aufständische in Kabul auf das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe (Isaf) abfeuerten, verfehlte ihr Ziel. Die Eskalation der Gewalt, wie vor der Wahl befürchtet, fand nicht statt.

Und die Aufständischen konnten nicht verhindern, dass 32 Prozent der Wähler die Stimme abgaben. Trotz der Drohungen der Taliban, trotz der allgemein schlechten Sicherheitslage, die dazu führte, das rund 1.500 Wahllokale geschlossen blieben, machte jeder Dritte von seinem Wahlrecht Gebrauch. Von dieser Quote träumt in Deutschland bei Kommunal- und Europawahlen so mancher Politiker.

Die Afghanen haben Mut bewiesen. Korrupte Politiker, eine unfähige Justiz und mitunter machtlose Sicherheitskräfte waren für sie kein Grund, der Demokratie völlig den Rücken zu kehren. Das ist mehr, als man vor dieser Wahl erwarten konnte.

Das sollte die internationale Gemeinschaft in die Pflicht nehmen. Sie darf Präsident Hamid Karsai die Aushöhlung der Demokratie nicht weiter durchgehen lassen. Dass dieser vor der Wahl die unabhängigen Kontrollinstanzen mit Vasallen besetzte und deren Kompetenzen beschränkte, kritisierte die internationale Politik lediglich in Sonntagsreden. Passiert ist nichts. Und wenn Kriegsverbrecher ins Kabinett einzogen und Warlords sich Gouverneursposten mit Gewalt oder Geld verschafften, schwiegen die Vertreter der UN und der Nato meist. Das sollten sie aber nicht. Wenn die mutigen Wähler erneut enttäuscht werden, wenden sich erneut Tausende den Extremisten zu. Dann stünde der Sieger der Wahl bereits fest: Die Taliban. Als Verlierer stünden dann die UN, die Nato-Staaten – aber vor allem die Afghanen da. Vor fast neun Jahren hatte man ihnen Frieden, Sicherheit und Demokratie versprochen.

(Den Kommentar finden Sie auf ZEIT ONLINE)

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