Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Die Grenzen der amerikanischen Macht

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Im März 2003 schlugen die Amerikaner los. CNN und andere Sender übertrugen live aus dem Kriegsgebiet. Die irakischen Streitkräfte hatten keine Chance gegen die amerikanischen Stealth-Bomber, Marschflugkörper und Kampfhubschrauber. Der Sieg schien so einfach gewesen zu sein.

Doch wenige Monate nach dem Einmarsch, nachdem die Saddam-Statuen stürzten und rauchende, relaxende amerikanische GIs in den Palästen des Diktators fotografiert wurden, explodierten die ersten Bomben, schossen Scharfschützen auf Patrouillen, griffen sunnitische Milizen die „Besatzer“ an. Der Blutzoll der Amerikaner stieg gewaltig. Zinksarg um Zinksarg brachten Transportmaschinen in die USA zurück. Rund 5.000 amerikanische und alliierte Soldaten fielen im Irak. Geschätzt 150.000 Zivilisten kamen ums Leben.

Für viele Amerikaner stehe die Invasion im Irak heute für einen falschen Weg, den die USA eingeschlagen habe, schreibt der Economist in seinem Leitartikel im Heft zum Irak-Abzug. Sechs von zehn Amerikanern seien heute gegen den War on terror. Sie lehnen die Kriegsführung unter Obama genauso ab, wie die unter George W. Bush. In Zeiten in den die Arbeitslosigkeit in Richtung zehn Prozent steigt und die Wirtschaft stagniert, allein der Irak-Einsatz nach Aussage von Präsident Obama insgesamt rund eine Billion Dollar gekostet hat – fragen sich nicht nur Linke, ob die USA irgendwo in Asien die Ordnungsmacht geben müsse.

Der Economist-Titel „After Iraq. The limits of Americas power“ zieht eine kritische Bilanz des Irak-Einsatzes: „Irak, das ist wahr, ist keine Diktatur mehr“, schreibt die Redaktion. „Doch die Demokratie des Landes bleibt chronisch instabil […]“. Das sei ein Grund dafür, warum eine rund 50.000 Mann starke amerikanische „Unterstützungstruppe“ im Irak bleibe.

Aber auch diese Soldaten will Obama noch zu großen Teilen in seiner ersten Amtszeit nach Hause holen. In einer Fernsehansprache sagte der amerikanische Präsident, dass er mit dem Ende des Kampfeinsatzes eines seiner Wahlversprechen erfüllt habe.

In seiner Rede im Dezember an der West-Point-Militärakademie verprach Präsident Obama dann, dass im Herbst 2011 das Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan eingeläutete werde. Dem Abzug werde wie im Irak ein Surge – ein Aufstocken der Truppenzahl vorhergehen.

Die Aufstockung der US-Truppen am Hindukusch auf 100.000 Mann ist nun abgeschlossen. Ob Obama seinen Exit-Plan tatsächlich umsetzen kann, ist aber unklar. Denn im Gegensatz zum Irak tobt in Afghanistan landesweit ein Bürgerkrieg.

Zwar wird der Irak immer noch wöchentlich von schwersten Terroranschlägen erschüttert – doch Terror ist auch ein Zeichen der Schwäche. Die Gegner der irakischen Regierung können momentan nur mit Autobomben und Selbstmordattentätern angreifen. In Afghanistan operieren die Aufständischen in mancher Region wie eine Guerilla-Armee. Sie gleichen den Mangel an gepanzerten Fahrzeugen, Helikoptern und Flugzeugen mit Hinterhalten, Sprengfallen und Attentaten aus.

Trotz ihrer Militärausgaben von 700 Milliarden Dollar jährlich – mehr als der Rest der Welt zusammen – gelingt es den Amerikanern nicht, Afghanistan und Irak zu befrieden. Die am besten gerüstete Streitmacht der Welt konnte zwar innerhalb kürzester Zeit beide Länder zu erobern. Doch all die High-Tech-Waffen stoßen an ihre Grenzen, wenn Soldaten eroberte Räume langfristig halten, in asymmetrischen Kriegen zwischen Aufständischen und friedlichen Zivilisten unterscheiden und Terroristen ohne Kollateralschaden bekämpfen sollen. Dafür braucht es auch die „boots on the ground“. Einen Bodenkrieg ohne Gefahr für die eigenen Soldaten wird es jedoch die nächsten Jahrzehnte nicht geben.

Obama verfolge nicht die Träume der Neocons, dass die USA die Welt auf Grund militärischer Macht dominieren könne, schreibt der Economist. In seiner Kriegstaktik unterscheidet er sich aber nicht wesentlich von Bush.

Auch Obama setzt auf das gezielte Töten von Terroristen und Taliban. In seiner bisherigen Amtszeit haben mehr Drohnenangriffe stattgefunden als unter seinem Amtsvorgänger. Doch mit Drohnen lässt sich kein Land befrieden, meist sterben zudem Zivilisten bei den Raketenangriffen. Und jeder tote Zivilist sorgt für Propagandaerfolge der Gegner und letztlich für neue Terroristen.

Und wie schnell die Drohnenpiloten Raketen abschießen, zeigt ein Fall aus Afghanistan. Dort tötete eine Hellfire-Rakete einen ungewöhnlich großen, schlanken, bärtigen Mann. Seine Verwandten sagten später, dass er Osama bin Laden doch gar nicht ähnlich gesehen habe. Doch die CIA glaubte, endlich den meistgesuchten Mann der Welt aufgespürt zu haben. Aber trotz aller Satelliten, aller Drohnen und Specialforces: Bin Laden und sein Stellvertreter, die angeblichen Masterminds hinter 9/11 wurden auch nach neun Jahren nach der Attacke auf die USA immer noch nicht gefunden.

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