Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Archive for September 2010

Wenn das Los über den Wehrdienst entscheidet

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Die Wehrpflicht abschaffen, Freiwillige in die Kasernen locken, das Heer besser auf Auslandseinsätze ausrichten – Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg plant keine kleine Reform, er will – so scheint es –  die Bundeswehr komplett erneuern.

Ganz neu sind die Ideen aber nicht – Guttenbergs Planer haben viele Vorschläge der Sozialdemokraten aufgegriffen, die 2007 auf dem Hamburger Parteitag ein Konzept zur Freiwilligenarmee vorgelegt haben. Darin ist auch die Forderung enthalten, dass wenn sich nicht genügend Freiwillige finden lassen, wieder der Zwang greift und junge Männer zum Pflichtdienst eingezogen werden können.

So praktiziert es auch Dänemark. Die dänischen Streitkräfte seien 23.000 Mann stark und haben einen jährlichen Bedarf von rund 6.500 Rekruten, schreibt Fregattenkapitän Thomas Papenroth, Verteidigungsattaché an der deutschen Botschaft in Kopenhagen, im Magazin Loyal. Etwa 500 Frauen melden sich pro Jahr freiwillig, 6.000 junge Männer werden gesucht.

Dazu ruft die Armee die rund 31.000 Achtzehnjährige eines jeden Jahrgangs zum „Tag der Streitkräfte“ ein. Sie werden von Ärzten untersucht und werden dann über die Armee informiert. „Diejenigen, die nicht freiwillig dienen wollen, müssen eine Losnummer ziehen. Liegt diese zwischen 0 und 5.000, wird der Losbesitzer als Wehrpflichtiger eingezogen“, schreibt Papenroth. „Liegt sie zwischen 5.000 und 10.000, hängt es von der Anzahl der Freiwilligen ab, ob der Losbesitzer den Wehrdienst ableisten muss.“

Wehrpflichtige erhalten in Dänemark mit rund 1.500 Euro deutlich mehr Sold als ihre Kameraden in Deutschland. Gleich ist in beiden Ländern, dass die Wehrpflicht als Auslaufmodell gilt – auch dänische Politiker denken über eine Aussetzung nach.

(Quelle: Loyal: Vier Monate bei Bedarf, Nr. 9./2010, S. 20 – 21.)

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30. September 2010 at 10:00

Zahl der Woche – Drohne Heron

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Woche 39./2010

Zahl der Drohnen vom Typ Heron 1, die die Bundeswehr in Israel geleast hat: 3

Zahl der missglückten Landungen einer „deutschen“ Heron in Afghanistan: 1

Kosten für das Leasing der Heron-Drohnen: 110 Millionen Euro

(Quelle: Frankfurter Allegemeine Sonntagszeitung: Maschinen mit Marschbefehl, 18. Juli 2010, S. 52 / Pressemitteilung des Bundesverteidigungsministerium zur Kollission einer Heron mit parkendem Flugzeug / Luftwaffe zur Indienststellung der ersten Heron-Drohne)

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29. September 2010 at 10:00

Reise in ein friedliches Afghanistan

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Tod durch Minen und Sprengfallen. Attacken mit Raketen und Mörsern. Krieg und Terror. So sieht das Afghanistan aus, das meist in deutschen Medien geschildert wird (auch hier im Terror-Blog sind die meisten Berichte vor allem eines: negativ). Die Kollegin Ingrid Müller vom Tagesspiegel hat ein anderes Afghanistan kennen gelernt.

Sie besuchte die Region Bamian. „Dort liegen unwirklich blaue Seen und der erste Nationalpark. Es ist das Tal der Buddha-Statuen, die die Taliban im März 2001 sprengten.“ Müllers Bericht und wunderschöne Bilder finden Sie auf tagesspiegel.de

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28. September 2010 at 10:00

Veröffentlicht in Afghanistan

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Spätsommerpause – die Halbzeitpause

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Noch zwei Wochen macht der Terror-Blog Spätsommerpause. Ich bin in den USA unterwegs und kann deswegen nicht mehr täglich neuen Inhalt veröffentlichen, auf Emais und Kommentare antworten.

Ganz öde wird es hier dennoch nicht: Die Serien Zahl der Woche und Zitat der Woche laufen weiter und einige Stücke warten vorproduziert auf die automatische Veröffentlichung zum späterem Zeitpunkt. Und aus den USA melde ich mich natürlich auch. Bis in zwei Wochen also – dann mit neuer Frische,

Grüße aus New York City

Hauke Friederichs

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27. September 2010 at 16:00

Veröffentlicht in Allgemeines

Mädchen, die als Jungen leben

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In Afghanistan haben Frauen weniger Rechte als Männer. Viele Familien investieren in die Bildung ihrer Söhne, fördern die Töchter kaum. Zwangsheiraten oder arrangierte Ehen sind immer noch in vielen Regionen normal. Ehefrauen, die von ihren Männern geschlagen oder vergewaltigt werden, haben kaum Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. Das alles prangern Menschenrechtsorganisationen seit langem an.

Die amerikanische Journalistin Jenny Nordberg hat in der New York Times nun eine große Geschichte über afghanische Familien veröffentlicht, die Töchter zu Jungen machen: Die Mädchen werden wie Jungen gekleidet, tragen kurze Haare und werden wie Jungen erzogen – zumindest bis zur Pubertät.

Die Geschichte „Where boys are prized, girls live the part“ schildert den Fall der sechsjährigen Mehran, die als Junge aufwächst, ihre Zwillingsschwester Beheshta als Mädchen. Ihre Mutter, Azita Rafaat, ist Mitglied des afghanischen Parlaments. Eltern, die keine Söhne haben, entscheiden sich zu diesem Schritt, um Schande von der Familie abzuwenden. Sie nennen die als Jungs aufwachsende Tochter „bacha posh“, schreibt Jenny Nordberg – das heißt auf Dari „gekleidet wie ein Junge“.

(Quelle: Jenny Nordberg: Where boys are prized, girls live the part. In some afghan families, a fake son is considered better than none, The New York Times, 21. September 2010, S. 1, 10, 11)

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27. September 2010 at 10:00

Veröffentlicht in Afghanistan

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Nicht nur an Exporte denken

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Entwicklungsminister Niebel redet Berlins Rolle im Kampf gegen Unterentwicklung klein. Stattdessen sollte er versuchen, beim Millenniumsgipfel andere Industriestaaten mitzuziehen.

Von Hauke Friederichs

Die Bundesbehörde hat einen sperrigen Namen: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz BMZ. Schon im Kürzel fehlt das E für Entwicklung und auch in der Politik, sagen Kritiker, komme das Wort unter Schwarz-Gelb viel zu selten vor. Niebel, so heißt es bei mancher Nichtregierungsorganisation, trete auf wie ein Außenwirtschaftsminister – wenn er denn überhaupt auf dem internationalen Parkett auftrete.

Das sind harte Worte. Dirk Niebel vorzuwerfen, er interessiere sich mehr für den deutschen Mittelstand als für die Armut auf der Welt, mag unfair sein. Seinen Teil dazu, die Kritik zu nähren, trägt der Chef des BMZ aber bei. Denn zu oft sagt der Minister, wie wichtig die wirtschaftliche Zusammenarbeit sei – und die Betonung liegt dabei auf Wirtschaft.

In den kommenden Tagen rücken jedoch andere Politikbereiche in den Vordergrund. Wenn die Staatschefs in New York zum Millenniumsgipfel der UN zusammenkommen, stehen Entwicklungsthemen im Fokus. Es geht um die Frage, wie weit die Welt auf ihrem Weg zu den Millenniumsentwicklungszielen – weniger Armut, bessere Bildung und Gesundheit, Nachhaltigkeit und eine globale Entwicklungspartnerschaft – schon vorangekommen ist. Und Niebel hätte die Chance, der Welt und Deutschland zu zeigen, dass seine Politik nicht nur der deutschen Exportwirtschaft dient.

Die Entwicklungsziele seien nur in einem Dreiklang von Regierung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft erreichbar, sagt Niebel. Er betont, wie wichtig gute Regierungsführung, Menschenrechte, die Folgen des Klimawandels, Frieden und Sicherheit seien. Vor allem seien die armen Staaten selbst gefordert. „Jedes Entwicklungsland kann nur selbst seine passende Strategie entwickeln, wie es die acht Ziele erreicht.“

Das ist leicht gesagt, doch ohne Unterstützung der Industriestaaten wird es nicht gehen. Deutschland ist trotz der Finanzkrise ein reiches Land und gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Geberländern. Es sollte mehr als andere tun, nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse oder Angst vor Flüchtlingsströmen.

(Mehr auf ZEIT ONLINE)

Das ist leicht gesagt, doch ohne Unterstützung der Industriestaaten wird es nicht gehen. Deutschland ist trotz der Finanzkrise ein reiches Land und gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Geberländern. Es sollte mehr als andere tun, nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse oder Angst vor Flüchtlingsströmen.

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26. September 2010 at 18:00

Merkel teilt Obama Abzug der deutschen Tornados mit

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Bundeskanzleramt

Bundeskanzleramt

Nun erfährt es US-Präsident Barack Obama ganz offiziell: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihn am Freitag angerufen, um mitzuteilen, dass Deutschland seine Kampfjets vom Hindukusch abzieht. Die freiwerdenden Kräfte sollen für die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte genutzt werden.

Momentan sind sechs Tornados am Hindukusch stationiert. Im November kehren die Maschinen nach Deutschland zurück – dadurch werden rund 90 Dienstposten frei, die für das Training der afghanischen Polizei (ANP) und Armee (ANA) gebraucht werden.

Ein weiteres Thema des Telefonats zwischen Merkel und Obama war die Situation im Nahen Osten. Das Kanzleramt teilte mit, dass Kanzlerin und Präsident sich einig gewesen seien, dass „größtmögliche Bemühungen unternommen werden müssen, um die direkten Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern zum Erfolg zu führen“.