Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Erneut schwere Kriegsverbrechen in Ostkongo

leave a comment »

Bei einem Angriff auf ein Dorf im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben Kämpfer der Gruppe Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR – Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) erneut schwere Kriegsverbrechen begangen. Ein Menschenrechts-Team der UN berichtet, dass die Angreifer Bewohner töteten und 150 Frauen vergewaltigten.

Der Überfall auf das Dorf Bunangiri in Nord-Kivu fand bereits am 30. Juli statt. Vier Tage lang hielten die Milizionäre den Ort besetzt. Die UN informierte jedoch erst Dienstag über das Verbrechen. Die Überlebenden erhalten medizinische und psychologische Hilfe durch die UN. Hilfe durch die UN-Mission MONUSCO erfolgte nicht, obwohl eine Blauhelm-Einheit 30 Kilometer vom Ort des Überfalls entfernt stationiert ist. Da die Angreifer Straßen sperrten und Dorfbewohner daran hinderten, um Hilfe zu bitten, erfuhren die MONUSCO-Truppen zu spät von der Attacke auf das Dorf – so sieht zumindest die Darstellung der Vereinten Nationen aus.

Der Afrika-Korrespondent der taz, Dominic Johnson, berichtet jedoch, dass die MONUSCO-Kräfte noch dichter am Tatort waren und das Kriegsverbrechen quasi in der Nachbarschaft der Schutztruppe stattfand. „Die ruandische Nachrichtenagentur RNA titelt zum Beispiel: ‚UN schaut zu, während FDLR-Rebellen 179 Frauen und Kinder kollektiv vergewaltigen’ – Anklänge an die Untätigkeit von UN-Blauhelmen in Ruanda während des Völkermordes stellen sich ein“, schreibt Johnson.

Die UN-Mission soll Zivilisten, Mitarbeiter der UN und die Regierung beschützen. Die Resolution des Sicherheitsrats, die am 28. Mai 2010 zuletzt verlängert wurde, ermöglicht die Stationierung von fast 20.000 Blauhelm-Soldaten.

Der Schutz der Zivilbevölkerung gelingt dennoch nur ungenügend. Frauen werden immer wieder zum Opfer der Milizen und angeblichen Rebellen. Allein in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu fanden im vergangenen Jahr rund 8.000 Vergewaltigungen statt, teilen die Vereinten Nationen mit. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher ausfallen.

Die meisten Vergewaltigungen begehen Kämpfer der FDLR. Die angeblichen Demokratischen Kräfte bestehen aus radikalen Hutu-Kämpfern, die zu großen Teilen bereits am Genozid in Ruanda 1994 beteiligt waren. Der Weltsicherheitsrat forderte bereits 2004 die FDLR auf, den Kongo zu verlassen und die Waffen abzugeben. Im vergangenen Jahr überfiel die Gruppe bereits Dörfer und massakrierte dutzende Bewohner.

Kongolesische und ruandische Einheiten bekämpfen die FDLR in Ostkongo (Bericht der BBC). Die Rebellen ziehen sich aber immer wieder in unzugängliche Gebiete zurück und überfallen lieber Zivilisten als sich auf Feuergefechte mit regulären Truppen einzulassen.

Im November 2009 wurden zwei Anführer der FDLR in Deutschland festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen von Europa aus geplant zu haben.

Advertisements

Written by netzreporter

25. August 2010 um 09:57

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: