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Presseschau zum Mord an deutscher Ärztin

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Auf ihrer Homepage schließt die christliche Hilfsorganisation IAM religiöse Betätigung aus

Auf ihrer Homepage schließt die christliche Hilfsorganisation IAM religiöse Betätigung aus

Tötung von zehn Ärzten in Afghanistan sorgt für Debatte

Der Mord an einer deutschen Ärztin und neun Kollegen in Afghanistan, die für eine christliche Hilfsorganisation arbeiteten, hat am Wochenende für eine Debatte unter Politikern, Helfern und Experten gesorgt. Das Auswärtige Amt bezeichnete die Tat als „feigen Mord“. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die Ermordung und bezichtigten ihre Opfer, für die Amerikaner spioniert und missioniert zu haben. Die International Assistance Mission (IAM), die in Kabul eine Augenklinik betreibt und in deren Auftrag das Ärzteteam unterwegs war, bestreitet  auf ihrer Homepage, am Hindukusch zu missionieren. Das Thema bestimmt am Montag auch die Kommentarseiten der Zeitungen. Hier eine kleine Presseschau zum Thema:

SZ: Auch NGO’s sind Kombatanten

„Niemals zuvor in Afghanistan wurden so viele zivile Helfer auf einen Schlag hingemetzelt. Afghanistan ist verloren, wenn es nun auch von den Helfern aufgegeben wird; sie haben erfahrungsgemäß eine größere Durchhaltefähigkeit als das Militär, das auf die populäre Unterstützung zu Hause und in den Parlamenten angewiesen ist. Die Taliban haben den NGOs nun die brutale Botschaft übermittelt, dass auch sie im Land nicht erwünscht sind“, schreibt Stefan Kornelius, Ressortleiter Ausland, in der Süddeutschen Zeitung. Und weiter: „Afghanistan soll wieder zu einer Insel der Unseligen werden. Auch die NGOs sind Kombattanten, ob sie nun Uniform tragen oder nicht. […] Ergibt sich das Heer der zivilen Helfer dem wachsenden Fatalismus? Es kann ihr Ziel nicht sein, die Arbeit von so vielen Jahren zerstört zu sehen.“ (SZ, 9. August 2010))

FAZ: Bombardieren, um das Gewissen zu beruhigen?

„Schauen wir künftig weg, wenn in Afghanistan Mädchenund Frauen schlimmer als Vieh behandelt und auf jedwede Art verstümmelt und massakriert werden, weil sie „ungehorsam“ waren? Oder bombardieren wir dann hin und wieder ein Ausbildungslager in den Bergen, um unser Gewissen zu beruhigen?“, fragt Berthold Kohler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Und weiter: “ Was ist, wenn wir die Taliban in Ruhe lassen, sie aber uns nicht? Wenn sie, wie längst zu beobachten, ihre Hand nach Pakistan und seiner Atombombe ausstrecken? Die einzige deutsche Partei, die für solche Fragen einfache Antworten hat, ist die Linke. Deren Vorsitzende Lötzsch sagte, im Interesse der Entwicklungshelfer, der deutschen Soldaten und der afghanischen Bevölkerung müsse die Bundeswehr sofort abgezogen werden. Im Interesse der Entwicklungshelfer, der deutschen Soldaten (die plötzliche Sorge um sie ist wirklich reizend) und der afghanischen Bevölkerung kann man nur hoffen, dass die Linkspartei wenigstens im Bund noch lange in der Opposition bleibt.“ (FAZ, 9. August 2010)

FR: Taliban prahlen mit Morden, die sich nicht begangen haben

„Es gab mal Zeiten, in denen die Taliban Vertretern anderer Religionen mit tiefem Respekt begegneten. Aber diese Haltung ist bei den heiligen Kriegern durch blinden Fanatismus ersetzt worden. Man muss wohl schon zu den Talibanmilizen gehören, um mit Morden zu prahlen, die man nicht begangen hat“, schreibt Willi Germund in der Frankfurter Rundschau. „Selbst Menschen, die einfach nur helfen wollen, werden in Afghanistan in ein Freund-Feind-Schema gepresst. Da kann es auch kein Trost sein, dass die zehn Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission wahrscheinlich skrupellosen Banditen zum Opfer gefallen sind. Solche Gangster hat es schon immer in Afghanistan gegeben und es war sicher nicht das erste Mal, dass eine Gruppe dieser christlichen Organisation solchen Wegelagerern begegnete. Diesmal gelang es den Ärzten aber nicht, ihnen zu entkommen.“ (FR, 9. August 2010)

NOZ: Rückzugsdebatte motiviert Taliban

„Die Wirkung bleibt nicht aus: Viele Afghanen wagen es nicht mehr, mit NATO, UNO oder ihrer eigenen Regierung zusammenzuarbeiten. Und in Europa und den USA hat sich eine tiefe Frustration etabliert. Die populären Rückzugsforderungen sind zugleich eine sehr wichtige Motivationsquelle der Taliban. Dass sich die Extremisten siegesgewiss geben, ist nicht verwunderlich“, kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung. „Die deutsche Regierung trägt ihren Teil dazu bei. Sie empört sich etwa über das Ärzte-Massaker und fordert eine Bestrafung der Täter. Die wird aber ausbleiben – wie bei früheren Taliban-Verbrechen an Deutschen. Die afghanische Polizei kann es nicht, die Bundeswehr darf es nicht. Berlin appelliert zugleich an die Taliban, über Frieden zu verhandeln. Das ist bitter.“ (NOZ, 9. August 2010)

WAZ: Übergabe von Sicherheitsverantwortung bleibt Illusion

„Der Tod von zehn ausländischen Helfern, meist Ärzten, die fahrlässig ungeschützt unterwegs waren, zeigt gnadenlos, wie es tatsächlich um die Sicherheit in angeblich sicheren Landesteilen bestellt ist. Mag die Tragödie auch nicht vollends aufgeklärt sein: Für die Bundesregierung wird das öffentliche Argumentieren in puncto Abzug der Bundeswehr nicht leichter“, schreibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. „Badakshan, jener in allen Belangen zurückliegende Flecken Erde im Nordosten, in dem die christlich grundierten Helfer ermordet wurden, gehört zu den (von den Deutschen „betreuten“) Provinzen, die bei Außenminister Westerwelle und Verteidigungsminister zu Guttenberg ganz oben auf der Liste stehen. Hier soll vielleicht schon Anfang 2011 demonstriert werden, dass der Aufbau von afghanischer Armee und Polizei so weit vorangeschritten sei, dass sich die Deutschen guten Gewissens zurückziehen können. Auch der schreckliche Tod der Ärzte zeigt, dass dies nur eine innenpolitisch zweckgeleitete Wunschvorstellung ist.“ (WAZ, 9. August 2010)

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Eine Antwort

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  1. […] sichere Hauptstadt Kabul verlassen, waren in die Provinz gefahren um der Bevölkerung zu helfen. Die Opfer waren Ärzte, Pfleger, Dolmetscher und lokale Mitarbeiter. Sie waren in normalen Jeeps ohne Panzerung unterwegs, sie führten keine Waffen mit sich und […]


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