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Täglich unter Feuer

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Panzer vom Typ Marder der Quick Reaction Force in Kundus

Panzer vom Typ Marder der Quick Reaction Force in Kundus / Foto: Hauke Friederichs

Sprengfallen, Raketenbeschuss, Hinterhalte: In Afghanistan gibt es keine ruhigen Regionen mehr. Die Wikileaks-Dokumente belegen das eindeutig.

Von Hauke Friederichs

Die erste Aufregung über die auf Wikileaks veröffentlichten Dokumente des amerikanischen Militärs ist verebbt. Alles, was dort stehe, sei doch den Experten bekannt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Und tatsächlich, wer sich regelmäßig über den Krieg in Afghanistan informiert hat, weiß, dass geheime Spezialforces auf Jagd nach Terroristen und Taliban gehen. Dass der pakistanische Geheimdienst ISI eine unrühmliche Rolle in Afghanistan spielt. Dennoch bieten die Dokumenten einen tiefen Einblick in die Realität des Einsatzes, der mittlerweile ins neunte Jahr gegangen und dessen Ende nicht in Sicht ist.

Es sind in der Mehrzahl alltägliche Begebenheiten, die in den Militärakten dokumentiert sind. Und gerade deshalb, ist das, was dort zu finden ist, so alarmierend. Denn es zeigt: Auch in den vermeintlich ruhigsten Regionen Afghanistans, auch in den vermeintlich ruhigsten Monaten des Jahres gibt es fast täglich Zwischenfälle, fast täglich kommt es zu Angriffen mit Raketen, Mörsern, Kalaschnikows und Sprengfallen.

ZEIT ONLINE hat den aktuellsten Monat des Wikileaks-Materials, den Dezember 2009, für den Norden ausgewertet. Dieser Monat gilt generell als ruhigerer in Afghanistan. Die Kämpfer ziehen sich im Spätherbst traditionell in ihre Lager zurück, auf den Gebirgspässen liegt Schnee, die Armeen sind wegen der Kälte in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Doch der Winterbeginn 2009, das zeigen die Dokumente, ist von keiner nennenswerten Kampfpause begleitet. Längst sind die Taliban und andere Aufständische im Norden angekommen, haben sich dort sichere Operationsbasen geschaffen.

Beispiel Weihnachten 2009: Am 24. Dezember listen amerikanische Einheiten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) für das von Deutschland geführte Regionalkommando Nord (RC North) zwei relevante Vorfälle auf. Unbekannte bringen unter einem Auto des Milizen-Anführers Saleb Khan bei Kundus einen Sprengsatz an. Zwei Bodyguards sterben nach der Explosion. Und im Almar Distrikt gerät eine gemischte Patrouille der Armee und der Polizei, die von ausländischen Ausbildern begleitet werden, unter Feuer. Die Truppe fordert einen „Close Air Support“ an. Als die Kampfflugzeuge das Zielgebiet erreichen, ist das Feuergefecht vorbei.

An den beiden Weihnachtsfeiertagen verzeichnen die Militärdokumente vier weitere Vorfälle für den Norden: Zwei Hubschrauber, die in Kundus landen wollen, werden beschossen, in einem Dorf wird Material zum Bombenbau gefunden, an einer Straße eine Sprengfalle und dann auch noch ein Blindgänger, der entschärft werden muss. Und das sind nur die relevanten Vorfälle, die gemeldet wurden.

Deutschland, das getreu der Losung von Peter Struck die Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt, befindet sich umgangssprachlich im Krieg. Das sagen Kanzlerin und Verteidigungsminister. Was das bedeutet, zeigen die auf Wikileaks veröffentlichten Dokumente des amerikanischen Militärs.

(Mehr auf ZEIT ONLINE)

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3 Antworten

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  1. […] diesem „Campaign Report“ würden die Provinzen Sar-i-Pol, Samangan und Badakhshan im Mandatsgebiet der Bundeswehr im Norden in den kommenden sechs Monaten reif für die Übergabe: Obwohl sich die Sicherheitslage […]

  2. […] Der Leopard 2 war damals nur ein Beispiel unter vielen, das ich gebracht habe. Ich hatte auch mehr Schützenpanzer vom Typ Marder gefordert, und dazu ist es ja gekommen. Und die Amerikaner unterstützen uns inzwischen zudem mit […]

  3. […] veröffentlichte das Team um Wikileaks-Gründer Julian Assange im vergangenen Sommer Tausende geheime Dokumente des US-Militärs zum Krieg in Afghanistan, im Herbst folgten Akten zum Irakkrieg. Jeder konnte nun im Internet nachlesen, welche geringe […]


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