Terror-Blog

Vernetzte Sicherheit, Steitkräfte, Internationale Politik

Kabul – Sicherheitsstufe 1

leave a comment »

Tausende Soldaten und Polizisten wurden aufgeboten, Sicherheitsstufe 1 ausgerufen, die Straßen geteert, die Kronleuchter im Tagungszentrum poliert. Kabul befindet sich im Ausnahmezustand. Und trotz aller Sicherheitsmaßnahmen wurden in der Nacht zu Dienstag Explosionen aus der afghanischen Hauptstadt gemeldet.

70 Vertreter der Truppenstellerstaaten und Nachbarländer Afghanistan treffen sich heute zur großen Sicherheitskonferenz. Sie haben zahlreiche Fragen im Gepäck: Wie soll der Kampf gegen den Terror in den kommenden Monaten aussehen? Wann können die Alliierten abziehen? Wie viele Taliban sollen mit Geld vom Aufstand gegen die Regierung Karsai und die Internationale Schutztruppe für Afghanistan weggekauft werden? Und kann die afghanische Regierung Korruption im Land bekämpfen? Wann können die Afghanen selber für die Sicherheit im Land sorgen?

Zahlreiche Themen beschäftigen die internationale Sicherheitskonferenz in der afghanischen Hauptstadt, die heute beginnt. Außenminister Guido Westerwelle ist bereits am Tagungsort eingetroffen. Die Geberländer und Truppensteller forderten von Präsident Karsai mehr Eigenverantwortung, sagte der Vizekanzler gestern auf einer Pressekonferenz in Berlin. Afghanistan müsse ein Land werden, das selbst für die Sicherheit sorgen könne und von dem keine Terrorgefahr mehr ausgehe.

Welche Rolle Deutschland künftig in Afghanistan spielen wird, ist eine weitere Frage. Der pakistanische Taliban-Experte Ahmed Rashid schreibt in der Welt dazu:

„Deutschland sollte die Führung bei der Eröffnung eines Dialogs mit den Taliban übernehmen, denn es ist eine der wenigen europäischen Mächte, die bei allen Afghanen Vertrauen genießen.“ In einer Regierungserklärung vor einigen Monaten hatte Westerwelle dem Bundestag die Idee für ein Ausstiegsprogramm für Taliban vorgestellt. ‚Auf der Afghanistan-Konferenz in London zu Jahresbeginn, wurde dieses Programm beschlossen. Unter Experten wird dessen möglicher Erfolg ganz unterschiedlich bewertet.

Die afghanische Regierung will ein 600 Millionen Euro schweres Programm vorschlagen, das 36.000 Taliban-Kämpfer zur Aufgabe bewegen soll.

Auch die Exit-Strategie Obamas ist umstritten. „Trotz wachsender Kritik aus dem Kongress und von einigen ausländischen Regierungschefs hält der amerikanische Präsident Barack Obama daran fest, dass er mit dem Abzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan im Juli 2011 beginnen will. Viele Afghanen befürchten jedoch, dass ein überhasteter Rückzug der westlichen Streitkräfte zum Zusammenbruch der Regierung in Kabul führen könnte, die latenten Rivalitäten unter Afghanistans Nachbarstaaten entfesseln und einen neuen ethnischen Konflikt in Afghanistan entzünden würde, möglicherweise sogar einen Bürgerkrieg“, schreibt Rashid dazu.

Über die deutschen Abzugspläne äußerte sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor kurzem in der FAZ: Die deutschen Kampftruppen würden ab dem kommenden Jahr mit dem Abzug beginnen. Geheimdienste und militärische Spezialkommandos müssten aber bleiben.

Nach einer eigenen deutschen Exit-Strategie klingt das jedoch nicht – eher nach einer Orientierung nach den Amerikanern. Ohne die al-Qaida-Attacken gegen die USA am 11. September 2001 hätte die Bundesrepublik allerdings auch nie Soldaten an den Hindukusch geschickt. Dass zehn Jahre nach 9/11 die Nato mit dem Abzug beginnen wird, hat zumindest die Anmutung einer länger geplanten Strategie. Wer jedoch die Zitate von Nato-Generalsekretär Rasmussen am Montag hörte, mag selbst daran zweifeln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: