Terror-Blog

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Der Malaya-Mythos

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Gegen Guerilla-Kämpfer könne eine reguläre Armee nicht siegen. Dieser Satz fällt immer wieder, wenn es um die neuen Kriege geht, in denen Streitkräfte gegen Terroristen, Aufständische aller Art, kriminelle Banden und all die anderen nichtstaatlichen Akteure kämpfen. Der Satz passt genauso zum aktuellen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, wie zur Mission der Amerikaner im Irak oder auch Operationen des pakistanischen Militärs in Waziristan. Lassen sich Aufstandsbewegungen tatsächlich nicht mit Soldaten bezwingen?

Mancher Sicherheitsexperte verneint die Frage und verweist auf „Malaya“. Dem vermutlich einzigen Fall in der modernen Militärgeschichte, in dem eine Armee über eine Guerilla-Truppe triumphierte.

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT geht Thomas Speckmann dem Mythos Malaya nach. Der Name steht für ein Staatengebilde auf dem Gebiet des heutigen Malaysia. 1948 begann dort eine kommunistische Gruppe einen Aufstand gegen die Kolonialherren aus Großbritannien. Mit Sabotageakten, Anschlägen und der Ermordung des  britischen Hochkommissars schienen die Aufständischen kurz vor einem Sieg zu stehen.

Doch General Gerald Templer, ein ehemaliger Leiter des britischen Heeresnachrichtendienstes, entwickelte eine Gegenstrategie: Er garantierte der Bevölkerung Sicherheit, infiltrierte den Gegner mit Agenten, vertrieb die Guerilla-Kämpfer in den Dschungel, brachte Feinde mit Geldzahlungen zum Überlaufen und stellte zigtausende Einheimische als Sicherheitskräfte ein. Folter von Gefangenen wurde verboten, Frauen besonders umsichtig von den Soldaten behandelt und zahlreiche Reformen angestoßen.

Das alles klingt so, als hätten die US-Generäle McChrystal und Petreaus die Taktik des Briten Templers gründlich studiert. Mit dem Versuch das Modell zu übertragen scheiterten die Briten jedoch wenige Jahre später in Kenia und die  Amerikaner in Vietnam.

„Was also lässt sich wirklich von Malaya für Afghanistan lernen?“, fragt  Speckmann am Ende seines Artikels. „Wohl nur so viel: dass eine politische Lösung absolute Priorität hat. Das ein neuer Schub an ziviler Unterstützung nottut. Das man den Aufbau kontrollieren muss. Das zivile und militärische Führung aufs Engste koordiniert sein sollten.“

Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch: Mit Waffen allein ist der Krieg in Afghanistan nicht zu gewinnen.

(DIE ZEIT, Nr. 29./2010, S. 17)

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Written by netzreporter

17. Juli 2010 um 09:00

3 Antworten

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  1. Der Krieg in Afghanistan ist überhaupt nicht zu gewinnen. Der Grund liegt in der aggresiven Strategie der Verbreitung der Lehre Mohammeds.
    Wer also glaubt,man könne mit ein paar Schulen oder Krankenhäuser die Gottesstreiter einlullen und beruhigen, ist entweder zu leichtgläubig, was die Friedlichkeit des Islam angeht, oder er ist bereit, das Abendland für Multikmulti zu opfern. Doch dabei wird es nicht bleiben. Europa wird mit der Politik unserer Fürsten in einigen hundert Jahren islamisch sein.
    Ich fürchte, so lange wird es nicht dauern. Es sei denn, man betriebe eine Blockpolitik Christentum/Islam. Dazu aber fahlt den Politikern der Mut. Leider, aber so ist nun einmal das Leben.

    Georgfe Tenner

    17. Juli 2010 at 16:21

    • Ich gebe Ihnen Recht in einem Punkt: Der Krieg in Afghanisten ist wirklich nicht zu gewinnen – zumindest nicht in dem Zeitraum, der der Nato vorschwebt. Dass es eine „Block-Politik“ gegen den Isalm brauche, verstehe ich allerdings nicht. Den einen Islam gibt es doch gar nicht. Schiiten und Sunniten bekämpfen sich in Irak, Pakistan und Iran zum Teil sehr blutig. Das wahabistische Saudi-Arabien unterscheidet sich fundamental von der Türkei. Und die Zeiten, dass Wien durch osmanische Heere bedroht wurde, ist nun wirklich lange vorbei.

      netzreporter

      19. Juli 2010 at 11:30

  2. […] den Militärschulen gehört die Aufstandsbekämpfung längst wieder zum Lehrplan. Lernen sollen die jungen Offiziere vor allem aus dem Kampf gegen den […]


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